Fridays for Future: ein Einblick in das Klimacamp in Aalen

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Benni, Leonie und Joshua von Fridays for Future im Gespräch mit einer Bürgerin (v.l.).
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Aktivistinnen und Aktivisten schlagen eine Woche lang ihre Zelte am Südlichen Stadtgraben in Aalen auf und wollen ein Zeichen für Klimaschutz setzten.

Aalen

Für eine Woche lang schlagen sie ihre Zelte auf, die Aktivistinnen und Aktivisten von Fridays for Future (FFF) Ostalb und Heidenheim. Seit vergangenen Freitag steht ihr Klimacamp am Südlichen Stadtgraben in Aalen, bis zum kommenden Freitag soll es noch stehen. Die Aktion gipfelt damit im globalen Klimastreik, zu dem weltweit am Freitag, 24. September, aufgerufen wird. In den Tagen, vor dem Streik beschäftigen sie sich mit Workshops, erhalten Zuspruch, müssen sich aber auch dem Gegenwind stellen.

Enttäuscht von den Parteien

Doch warum haben die Jugendlichen ihre Zelte in der Innenstadt aufgeschlagen? Primär geht es um "den Versuch, eines konstruktiven Austauschs", erklärt Leonie Leberer, FFF-Aktivistin. Dabei wolle man einerseits Präsenz zeigen, andererseits auch mit Vorurteilen aufräumen. Vorurteile, wie zum Beispiel eine politische Nähe zu den Grünen. "Das ist eines der größten Missverständnisse", korrigiert die 19-Jährige. Die Bewegung agiere überparteilich - im Mittelpunkt stehe das Ziel, einer klimagerechten Welt und einer lebenswerten Zukunf für künftige Generationen. Generell sei man im Klimacamp unzufrieden mit der Politik der etablierten Parteien - "von allen quer durch", sagt Leonie Leberer.

Unterstützung und Gegenwind

Ebenso gehe es den Aktivistinnen und Aktivisten darum, Präsenz zu zeigen und mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Dabei erhalten sie gemischte Rückmeldungen. "Wir kriegen ganz viel Unterstützung", sagt Leonie Leberer, etwa Privatpersonen, die für die Jugendlichen einmal eine Mahlzeit kochen oder eine Dame, die 20 Euro für die Kaffeekasse da lässt. Doch es gibt auch Gegenwind. Teilweise bleibt es bei Diskussionen. Andere wiederum lassen Motoren beim Vorbeifahren aufheulen oder bekennen sich, wie ein Fahrer, mit Hupen zum Dieselmotor. Mit letzteren sei es "schwierig" konstruktive Gespräche zu führen.

Zu jung zum Wählen

15 bis 21 Jahre sind die Aktivistinnen und Aktivisten alt, immer mindestens zwei von ihnen sind vor Ort im Camp, sagt Aktivist Joshua Wilhelm. Vielen ist es nicht möglich, rund um die Uhr im Camp zu sein. Denn einige der Teilnehmenden gehen noch zur Schule. So auch Mirjam und Amelie. Die beiden engagieren sich nach der Schule für Fridays for Future. Auch, weil sie unter 18 sind. "Es tut auch weh", sagt Amelie, "gerade, wenn man am Sonntag nicht wählen kann".

Werden im Camp gerade keine Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern geführt, lesen die Jugendlichen, bereiten sich auf das Studium vor, machen Hausaufgaben. Wird es dunkel, bleiben je zwei von ihnen wach - schieben Nachtwache. Im Programm gibt es viele Workshops, unter anderem mit dem Wuppertal-Institut oder "Scientists for Future". Der Workshop mit einem Wissenschaftler aus Ulm sei ergiebig gewesen. "Dann war es nicht mehr er steht vorne und doziert sondern wirklich ein Austausch und eine rege Diskussion", beschreibt Leonie Leberer.

Am kommenden Freitag endet das Klimacamp - pünktlich zum globalen Klimastreik. Auch in Aalen wird vor dem Rathaus ab 14 Uhr demonstriert.

Unterstützung von den Erwachsenen

Auch Parents for Future Ostalb unterstützen die Jugendlichen von Fridays for Future. Die Organisation teilt folgende Ziele mit:

Die Klimakrise ist nicht nur ein kleines Thema von vielen. Sie bedroht alle Lebensbereiche wie unsere Gesundheit, globale Sicherheit, Nahrungsmittelversorgung, Wirtschaft, den sozialen Zusammenhalt und letztendlich unsere Lebensgrundlagen.

Soziale Aspekte dürfen nicht gegen Klimaschutz ausgespielt werden, wie z.B. bei der CO2 Steuer. Investitionen in den Klimaschutz und deren Finanzierung müssen aber durch die Politik sozial ausgewogen und solidarisch von allen gerecht geschultert werden. Bei allen politischen Entscheidungen muss Klimaschutz mitgedacht werden, ohne den es auch beispielsweise keine sicheren Renten und Arbeitsplätze geben kann.

Man soll nicht immer nur über die Kosten für den Klimaschutz reden. Kein oder zögerlicher oder zu späterer Klimaschutz, wird für die Gesellschaft unbezahlbar und wird die nötigen Investitionen in Klimaschutz massiv übersteigen. Investitionen von 1 € in die Dekarbonisierung unserer Gesellschaft ersparen uns in etwa zwischen 8 und 15€ an Klimaschadenskosten. Dies wurde diesen Sommer im Realitätscheck sehr deutlich.

Wir haben als Gesellschaft wenig Zeit, um Klimaschutzziele zu erreichen. Deutschland hat sich zum Einhalten des Pariser Klimaschutzabkommens verpflichtet und ist aktuell dabei, die Klimaschutzziele massiv zu verfehlen. Daher sind in unseren Augen auch ordnungsrechtliche Maßnahmen wichtig und viele andere Maßnahmen, die uns helfen CO2 Emissionen im Umfang und in der verfügbaren Zeit einzusparen, um eine irreversible Erderhitzung noch rechtzeitig zu vermeiden. Die bisher beschlossenen konkreten Maßnahmen in der Region aber auch bundesweit reichen nicht aus.

Die Freiheit künftiger Generationen, so entschied das Bundesverfassungsgericht im Frühjahr, darf nicht durch zu späte und zu geringe Maßnahmen beim Klimaschutz beeinträchtigt werden. Die Lasten zur Lösung der Klimakrise müssen auch generationengerecht aufgeteilt werden und dürfen nicht zu weit in die Zukunft verlagert werden.

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