Friedensgebet mit Polizeibegleitung

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Das Friedensgebet vor der Stadtkirche in Aalen.
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Pfarrer Richter über Anfeindungen und Polizei beim Friedensgebet.

Aalen. Zu ihrem monatlichen Friedensgebet hatten sich Aalener Christen am vergangenen Montag vor der Stadtkirche getroffen. Das Wetter war widrig, aber dennoch haben sich knapp 20 Menschen eingefunden, um „Herr, gib uns deinen Frieden“ und „Ubi caritas“ anzustimmen und die Versöhnungslitanei von Coventry zu beten. Am Rande der Veranstaltung waren zwei Polizeibeamte in Zivil - auch wegen Pfarrer Bernhard Richter, wie dieser gegenüber der SchwäPo sagte.  Der Aalener Pfarrer hatte zu diesem Friedensgebet eingeladen.

Die Vorgeschichte: Richter hatte sich in den vergangenen Wochen mehrfach kritisch über die Querdenkerszene und andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den als Spaziergängen bezeichneten Aufmärschen in der Aalener Innenstadt geäußert. So war er zum Beispiel einer der Redner der Aalener Demonstration „Für ein solidarisches Miteinander im Ostalbkreis“ - und war dabei scharf mit den Mitläuferinnen und Mitläufern bei den „Spaziergängen“ ins Gericht gegangen.

In der Folge sei er vor allem in den sozialen Netzwerken stark angegangen worden, berichtet Richter. „Lügenpfarrer“ habe man ihn genannt - und es seien Sätze gefallen wie „Man muss sich nicht wundern, dass sich so viele Menschen abwenden von der Kirche“. Auch sei ihm gegenüber mit Kirchenaustritten gedroht worden.

Dass er, wenn er sich positioniert, mit Gegenwind rechnen muss, das sei ihm schon klar, erklärt Richter. Überrascht habe ihn jedoch „der Hass, der mir entgegenschlägt“. Er sei aber nach wie vor nicht der Ansicht, dass sich die Kirche und er als Pfarrer „heraushalten“ sollen, wenn etwa menschenverachtende Parolen ausgegeben werden, da müsse es eine Abgrenzung geben.

Es sei ihm zudem klar, dass viele Menschen, die sich an den „Spaziergängen“ beteiligen, sich sorgten. Aber man müsse schon überlegen, wer sonst dort mitlaufen und ob man mit jenen laufen wolle, die Richter im rechten politischen Spektrum verortet. 

Das Friedensgebet am Montag nutze Richter, um zu einem friedlichen Miteinander in der Stadt aufzurufen - und er dankte den Polizeikräften in Zivil. „Dass ich jetzt eine schützenswerte Person sein soll, erfüllt mich keinesfalls mit Stolz“, sagt Richter im Nachgang gegenüber der SchwäPo und weiter:. „Wenn es schon so weit ist, dass die Religionsfreiheit geschützt werden muss, da frage ich mich: Wo sind wir mittlerweile in diesem Land?“, so der Pfarrer.

Richter mahnt nichtsdestotrotz ein „friedliches Miteinander in der Stadt“ an und kündigt an: „Dafür werden wir Montag für Montag zusammenkommen und beten.“ 

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