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SOLWODI Baden-Württemberg veranstaltet Vortrag und Workshops an Schulen zum Thema „Toxische Männlichkeit“

Aalen. Solwodi Baden-Württemberg e.V. und das Ostalb-Bündnis veranstalteten in Kooperation mit den Volkshochschulen Aalen und Schwäbisch Gmünd einen Online-Vortrag zum Thema „Toxische Männlichkeit“. Referent war Diplom-Pädagoge Sebastian Tippe aus Hannover. Er ist Fachberater bei Kindeswohlgefährdung für Erziehungsstellen und Buchautor von „Toxische Männlichkeit. Erkennen, reflektieren, verändern“ (2021, edigo Verlag). Toxische Männlichkeit beschreibt problematische, sozialisationsbedingte Verhaltensweisen und Einstellungen von Jungen und Männern, durch die sie hauptsächlich Frauen benachteiligen, diskriminieren oder ihnen gegenüber übergriffig oder gewalttätig sind.

Männlichkeit im Internet: Zu Beginn stellte Tippe einige Beispiele von frauenverachtenden Texten aus dem Internet vor - gängige Rap-Texte, die sich Jugendliche anhören und Freier-Zitate über Bordellbesuche auf der Homepage „Unsichtbare Männer“.


Vortrag und Diskussion: In seinem 90-minütigen Vortrag erläuterte er zunächst den Begriff Männlichkeit, die historischen Hintergründe zur Entstehung des Patriarchats und die Bedeutung des Begriffs „Toxische Männlichkeit“. Er betonte, dass toxische Männlichkeit ein soziokulturelles Konstrukt ist. Die positive Nachricht lautet also, sie kann verändert und abgebaut werden. In der daran anschließenden lebhaften Diskussion mit den 32 interessierten Teilnehmenden wurden Schwerpunkte angesprochen, die zu einer Veränderung der asymmetrischen Machtverteilung zwischen den Geschlechtern in der Gesellschaft beitragen können.


Passende Workshops: Im Rahmen dieser Veranstaltung fanden auch zwei Online-Workshops des Referenten mit Mädchen und Jungen der Klasse 8 der Adalbert-Stifter-Realschule und der 9. Klasse der Dreißentalschule Oberkochen statt. Dabei machte er den Jugendlichen anschaulich deutlich, was es mit der Thematik auf sich hat.


Aus dem Alltag: „Feminismus bedeutet nicht, dass Frauen die Weltherrschaft übernehmen wollen“, sagte er mit einem Schmunzeln, „es bedeutet, sich dafür einzusetzen, dass Frauen und Männer die gleichen Rechte haben und diese auch wahrnehmen können.“

Denn trotz Gleichberechtigung von Frauen und Männern vordem Gesetz ist unsere Gesellschaft immer noch stark von männlichen Normen und Wertvorstellungen geprägt. Das zeigt sich im traditionellen Familienbild genauso wie bei den Karrierechancen, bei denen Männer meist im Vorteil sind. Was uns auf den ersten Blick normal erscheint, ist auf den zweiten Blick oftmals Ausdruck traditioneller Sichtweisen und Rollenbilder. Fast alle Schülerinnen konnten über Situationen in ihrem Leben berichten, die diese Aussagen bestätigen. Auch die Jungen werden oftmals durch überlieferte Vorstellungen vom „idealen Mann“ in ihren Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt. Konkurrenzdenken und Dominanzstreben führen nicht selten zu Gewalt und verstellen häufig den Blick auf berufliche Perspektiven, beispielsweise in einem vermeintlich typischen „Frauenberuf“.

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