Für den Steg zeichnet sich eine Ratsmehrheit ab

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Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle und Architekt Werner Sobek (r.) vermittelten den Mitgliedern des Gemeinderatsausschusses auf dem Stadtoval die Vorzüge eines Fußgängerstegs.
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Architekt Werner Sobek stellt im Gemeinderatsausschuss die Unterschiede zur Ursprungsplanung vor. Die Grünen lehnen das Bauwerk weiterhin ab.

Aalen

Es bleibt spannend: Am 20. Mai wird der Aalener Gemeinderat darüber abstimmen, ob der 8,7 Millionen Euro teure Fußgängersteg über die Bahngleise gebaut wird. Den aktualisierten und überarbeiteten Planungsentwurf, der gegenüber dem ursprünglichen Entwurf Mehrkosten von 2,2 Millionen Euro ausweist, hat Architekt Werner Sobek am Donnerstag den Mitgliedern des Gemeinderatsausschusses für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik (AUST) vorgestellt. Eine Empfehlung für den Gemeinderat gab es am Ende nicht, es wurde nicht abgestimmt. Allerdings spiegelten die Redebeiträge der Fraktionen ein deutliches Bild: Für den Bau des Stegs zeichnet sich – Stand jetzt – eine Mehrheit ab. Die Grünen sind weiterhin beharrlich dagegen.

Steg schon seit 2009 Bestandteil der Planungen: Aalens Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle leitete die Sitzung und erinnerte eingangs daran, dass ein Steg über die Gleise bereits im Jahr 2009 in der damals geplanten Bewerbung Aalens für eine Landesgartenschau enthalten war. Ebenfalls sei ein Steg im Jahr 2010 Bestandteil des Siegerentwurfs des Büros Wick + Partner für das Stadtoval gewesen. In den Mittelpunkt seiner Argumente für den Steg stellte er dessen Mehrwert für alle Bürgerinnen und Bürger: „Der Steg steht für ein attraktives Aalen der kurzen Wege, für Klimaschutz und Nachhaltigkeit, für ein barrierefreies Aalen, und für eine ganzheitliche Entwicklung des Stadtovals.“

Die Unterschiede zur Ursprungsplanung stellte Werner Sobek vor: Eine zweite Stütze bringe den Vorteil, dass sich damit die Spannweite des Stegs deutlich reduzieren lasse. Laut Sobek habe die Bahn den Einbau dieser zweiten Stütze erst nach 2019 genehmigt. Darum ging der erste Entwurf nur von einer Stütze aus. Der Vorteil einer zweiten Stütze: „Damit ist der Stahlüberbau nun vierteilig und kann viel einfacher transportiert, und mit weniger Kapazität eingebaut werden. Wir sparen 40 Tonnen Stahl und damit auch viel Kosten.“ Sobek sprach von einer schlanken und sehr, sehr leichten Konstruktion, die man „mit einem Wupp“ einheben könne. Die beiden Treppenhäuser samt Aufzügen erhalten einen gläsernen Zylinderaufsatz, der untere Teil ist aus Sichtbeton. Dass unterm Strich dennoch Mehrkosten von 2,2 Millionen Euro anfallen, begründete Sobek mit den in den letzten Monaten gestiegenen Preisen für Rohstoffe, vor allem für Stahl.

Das sagen die Fraktionen

Die CDU: „Trotz der Kostensteigerung werden wir mit großer Mehrheit für den Steg stimmen“, signalisierte Thomas Wagenblast. „Wir wollen die Oststadt auf verschiedenen und attraktiven Wegen an die Kernstadt anbinden.“ Zusätzliche barrierefreie und angstfreie Verbindungen zum Stadtoval seien richtig. Gleichwohl bat er die Stadtverwaltung, noch einmal „jede Schraube“ nach Einsparpotenzial zu überprüfen.

Die Grünen: Michael Fleischer lobt einerseits den architektonischen Entwurf. In Anbetracht der Kostensteigerung indes werde seine Fraktion gegen den Steg stimmen. Das Argument „Kurze Wege“ erfülle der Steg aus Sicht der Grünen nicht. Alexander Asbrock betont: „Vom Bahnhof zum Kulturbahnhof wäre der Weg über den Steg sogar länger.“ Fleischers Meinung nach wäre das Geld in den Bereichen Bildung und Soziales besser und sinnvoller angelegt.

Die SPD: „Der Steg wäre das absolute Sahnehäubchen für das neue Quartier Stadtoval“, sagt Petra Pachner. Verwerflich wäre es ihrer Meinung nach, jetzt diese neue und den Investoren auf dem Stadtoval von Anfang an zugesagte Verbindung zu Bahnhof, ZOB und Innenstadt zu streichen. Zudem werde, so Pachner, durch den Steg über die Bahngleise die Zweiteilung der Stadt endlich aufgehoben.

Die Freien Wähler: Die Kostensteigerung habe seine Fraktion zwar schon überrascht, bekennt Claus Albrecht. Doch die Preissteigerung im Hochbau müsse man akzeptieren. Ein „Nein“ zum Steg würde bedeuten, zwei Millionen Euro für die Planungskosten aus dem Fenster zu werfen. Laut Landesregierung sei das Stadtoval inklusive Steg ein Spitzenmodell. „Und das beginnen wir jetzt zu zerreden. Das halte ich in einer Demokratie, in der die Grundsatzentscheidung bereits von der Gemeinderatsmehrheit getroffen wurde, für schlecht.“

Die FDI: Norbert Rehm lobt den Entwurf für einen Steg, der das Zeug habe, zum neuen Wahrzeichen Aalens zu werden. Vor der Entscheidung allerdings müsse die Frage beantwortet werden, was genau in den Kaufverträgen der Investoren stehe. Erst dann wisse man, ob sich die Stadt ihnen gegenüber zum Bau eines Stegs verpflichtet habe, meint er sinngemäß. Zudem müsse man der Bevölkerung sagen, dass die Stadt zur Finanzierung der Mehrkosten des Stegs vorschlägt, den im Haushaltsplan vorgesehenen Bau von Gehwegen zu verschieben.

Die AfD: „Von dem Steg zurückzutreten, wäre ein großer Fehler“ stellt Erwin Pöltl fest. Er wolle seine Fraktionskollegen von der Notwendigkeit des Stegs überzeugen.

Die Linke: „Der Stadtteil wäre ohne Steg unfertig“, sagt Christa Klink. Allerdings ließe sich ihrer Meinung nach die Beheizbarkeit des Stegs einsparen. „Ob das möglich ist, sollte geprüft werden.“

Wir sparen 40 Tonnen Stahl und damit Kosten.“

Werner Sobek, Architekt

Wie viel die Stadt für den Steg zahlen muss

Der Fußgängersteg kostet laut aktueller Berechnung 8,7 Millionen Euro. Die Stadtverwaltung rechnet mit einer Sanierungsförderung des Landes in Höhe von 60 Prozent.

Von den Mehrkosten in Höhe von 2,2 Millionen Euro blieben nach Abzug der Förderung rund 800 000 Euro bei der Stadt hängen.

Das muss die Stadt zahlen: Demnach hätte die Stadt Aalen für den Steg insgesamt einen Eigenanteil von 3,23 Millionen Euro zu finanzieren.

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