Gartenmeier-Areal: Investor und Stadt sind sich uneinig

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So könnten die drei Mehrfamilienhäuser auf dem Gartenmeier-Areal aussehen, wenn die Pläne verwirklicht werden. Visualisierung: Jochen Schneider
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Thomas Gartenmeier und Jochen Schneider möchten auf dem Gelände Mehrfamilienhäuser bauen. Und zwar, ohne dass die Stadt sich groß einmischt.

Aalen

Eine ökologische Mustersiedlung soll auf dem Gelände der früheren Firma Heizöl Gartenmeier entstehen. So planen es Thomas Gartenmeier, früherer Geschäftsführer, und sein Cousin Jochen Schneider, der Architekt ist. 40 Wohnungen verteilt auf drei Mehrfamilienhäuser wollen sie bauen. Etwa 16 Wohnungen würden die beiden gerne verkaufen, die übrigen vermieten. Dass auf dem Gelände etwas Nachhaltiges entsteht, ist Gartenmeier und Schneider sehr wichtig, wie sie im Gespräch mit der SchwäPo betonen. Die Häuser sind daher als Niedrigenergiehäuser geplant, haben begrünte Fassaden und begrünte Flachdächer, Photovoltaikanlagen an den Häusern produzieren Strom.

Innenentwicklung, Wohnraum schaffen und dazu noch ökologisch: Gartenmeier und Schneider haben gedacht, dass sie damit offene Türen bei der Stadt- und Bauverwaltung einrennen. Stattdessen haben sie aber das Gefühl, dass die Stadt ihnen Steine in den Weg legt. Gartenmeier zitiert Baubürgermeister Wolfgang Steidle, der in einem SchwäPo-Interview gesagt hatte: "Die Stadtverwaltung ist nur ein Akteur, der motivierend eingreifen, aber nicht bestimmen kann". Gartenmeier sagt dagegen: "Die Stadt ist kein begleitender Akteur, sondern ein bestimmender und ein boykottierender Akteur." Darum geht es Gartenmeier und Schneider im Einzelnen:

25-Prozent-Quote: Wer in Aalen Mehrfamilienhäuser baut, ist verpflichtet, eine Quote einzuhalten. 25 Prozent der Wohnungen müssen gefördert sein. Umgangssprachlich werden geförderte Wohnungen oft Sozialwohnungen genannt. Gartenmeier und Schneider sind der Meinung, das gelte für die städtische Wohnungsbau und für private Investoren, die ein Grundstück von der Stadt kaufen, nicht aber für private Investoren, die auf privatem Grund bauen so wie sie. "Anfangs war ich offen für die Quote", sagt Gartenmeier. Die Stadt wolle das aber in einem sogenannten städtebaulichen Vertrag festhalten. Nachdem sich die Stadt für ihn aber als unverlässlicher Partner erwiesen habe, möchte er keinen Vertrag unterschreiben.

Die Stadtverwaltung sagt dazu in einer schriftlichen Stellungnahme: "Der Gemeinderat hat im Dezember 2017 beschlossen, dass private Investoren beim Bau von mehr als vier Wohnungen mittels Kaufvertrag oder städtebaulichem Vertrag verpflichtet werden sollen, geförderten Wohnraum zu schaffen." Die Stadtverwaltung behandele alle Vorhaben gemäß der Beschlüsse des Gemeinderats.

Bebauungsplan: Dass ein Bebauungsplan für das Areal aufgestellt wird, möchten die beiden Cousins ebenso wenig, wie einen städtebaulichen Vertrag zu unterschreiben. Der diene der Stadt aus ihrer Sicht nur dazu, sich in ihre Pläne einzumischen. Da es sich bereits um Bauland handle, auf dem bereits ein Wohnhaus stehe, brauche es keinen Bebauungsplan, sagt Schneider und beruft sich dabei auf Paragraf 34 des Baugesetzbuches.

Die Verwaltung sieht das anders. "Zur Bewältigung von sich aufdrängenden Konflikten durch das geplante Heranrücken einer Wohnbebauung an das bestehende Gewerbe (beispielsweise Lärm) ist ein Bebauungsplanverfahren notwendig", heißt es aus dem Rathaus. Darüber hinaus gelte es, stadtplanerische Belange wie Wegeführungen, Grünvernetzung, Stadtklima und Höhe der künftigen Gebäude in Einklang zu bringen. Stadt und Gemeinderat sind bereits in das Verfahren, dort einen Bebauungsplan aufzustellen eingestiegen.

Radweg: Die Stadtverwaltung schlägt vor, einen Radweg zwischen den Häusern über das Gelände zu führen. "Der bringt nichts!", sagt Schneider und verweist auf andere Radwege in der Nähe. Schneider und Gartenmeier sind daher nicht damit einverstanden, ein Stück von ihrem Grundstück dafür abzugeben.

Laut Stadtverwaltung ist der Radweg eine Anregung aus dem Gemeinderat. "Das Radverkehrskonzept der Stadt Aalen sieht eine Querverbindung vor, die eine wichtige Radwegeverbindung zum Kocherradweg darstellt", teilt die Verwaltung weiter mit. "Die genaue Lage der Radwegequerverbindung im Quartier ist prinzipiell variabel, ihre Umsetzung jedoch radverkehrsplanerisch anzustreben."

Kocherrenaturierung: Das Gartenmeier-Areal liegt direkt am Kocher. "Für die Kocherrenaturierung will die Stadt, dass wir mit dem Bauvorhaben weiterwegrücken von der Grundstücksgrenze", sagt Schneider und fügt an: "Das ist eine Enteignung!" Die Renaturierung könne auch anders realisiert werden, dass müsse nicht auf privatem Grund geschehen.

Zu dem Thema sagt die Stadtverwaltung: "Formal wurde seitens des Bauordnungsamts bisher nichts beschieden". In weiteren Gesprächen zwischen Stadt und Investor seien derartige Details der Planung zu klären und Lösungen zu finden. "Dazu sind Gespräche zwischen Stadtverwaltung und Investor nötig" Ein Gesprächsangebot liege dem Investor vor.

Doch Gartenmeier und Schneider wollen keine Gespräche mehr führen. "Die Kommunikation läuft nur noch über den Anwalt", sagt Gartenmeier.

So könnten die drei Mehrfamilienhäuser auf dem Gartenmeier-Areal aussehen, wenn die Pläne verwirklicht werden. Visualisierung: Jochen Schneider

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