Gastronomen machen sich Sorgen wie es im Winter weitergeht

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An der Stadtkirche gibt's viele Plätze in den Außenbereichen. Ein Vorteil, der im Winter zum Problem werden kann.
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Aalener Wirte profitieren jetzt im Sommer von einer großzügig bestuhlten und besuchten Gastronomie im Freien. Doch wie wird es im Winter weitergehen?

Aalen

Die Aalener Innenstadt lebt wieder. Durch die Gassen schlendern jetzt mitten im Corona-Sommer jede Menge Menschen. Drei Monate ist es her, dass die Gastronomen nach dem Lockdown wieder öffnen durften. Doch wie geht es ihnen jetzt? Und wie soll das im Winter werden, wenn kein Mensch mehr draußen sitzt? Eine Momentaufnahme:

Die Kunden haben Angst, reinzukommen: Etwas abgelegen von der belebten Innenstadt, lässt Vincze Juhas von Leib & Seele gerade einen Kaffee aus dem Automaten. Innen ist das Lokal fast leer. "Die Kunden haben Angst reinzukommen", sagt er. Gut, dass er seine Außenbewirtschaftung ausweiten konnte. Trotz Abstandsregeln musste er auf keinen Platz verzichten. Anders sieht es drinnen aus: Sieben Tische mussten weichen.

"Die Situation ist den Umständen entsprechend okay. Mehr aber auch nicht", sagt der Gastronom. Für ihn ist klar: Gespart wird nicht an der Qualität. Die müsse beibehalten werden. "Das ist das A und O fürs Überleben". Am meisten sparen könne er bei den Nebenkosten. "Es ist anstrengender, aber es funktioniert." Seine größte Sorge: ein einziger Corona-Fall durch nicht eingehaltene Regeln. "Das würde der gesamten Branche schaden."

Vorerst keine Vorreservierungen für den Winter: "Erst kam Corona, jetzt kommen die Wespen", beschreibt Martin Dannenmann, Inhaber des Rambazamba, die aktuelle Situation in der Aalener Innenstadt. "Wir Gastronomen hier in der Stadt können aber schon zufrieden sein", sagt Dannenmann. Der Außenbetrieb laufe. "Am meisten Sorge macht mir aber die fehlende Perspektive zum Jahresende", sagt er. Wenn's draußen zu kalt wird und die Bedingungen so bleiben, rechnet er mit erheblichen Umsatzeinbußen. Er könne für den Winter gar nichts planen. Reservierungen für Weihnachten und Co. fallen erst einmal weg. Die Menschen würden nicht nur Abstand zu anderen halten, sondern auch Abstand nehmen vom Essengehen.

Versteckt hinter der Maske fehle zudem der eigentliche Flair in der Gastronomie: das Zwischenmenschliche. "Ich kann mir nicht vorstellen, die Gastro auf Dauer mit Maske zu betreiben", ergänzt er.

Kleinere Betriebe werden den Winter vielleicht nicht überleben.

Dagobert Hämmerer Vorsitzender Dehoga-Ostalb

"Nur aussitzen hilft nicht": Der Chef der Bierhalle ist an diesem Mittag selbst nicht da. Christian Hellriegel fährt Essen aus. Seit Ende März gibt's die Gerichte der Bierhalle nun auch für Zuhause. "Nur aussitzen hilft nicht", sagt Hellriegel und hat sich deshalb an einen Lieferservice mit Online-Shop gewagt. Das mache es den Kunden leichter und gebe ihm für den Winter Sicherheit. Denn das Wirtshaus sei nicht nur das älteste der Stadt, sondern auch das kleinste. Der Winter mache ihm für das Geschäft vor Ort Angst, deshalb wolle er sich mit dem Lieferservice stark positionieren.

Ein Bewirtungszelt in der kalten Jahreszeit? Vor dem Café Podium und im Biergarten hinterm Haus tummeln sich die Gäste. Drinnen sind gerade mal zwei Tische belegt. Mitarbeiterin Tina Martin ist überzeugt: Die Menschen haben Angst, innen zu sitzen. Aktuell sei aber alles entspannt. Sogar die Kurzarbeit habe ihre Chefin Steffi Winter jetzt beendet. Angst mache aber auch ihnen der Herbst. Um den Außenbereich auch in der kalten Jahreszeit nutzen zu können, gebe es viele Ideen. Ein Zelt etwa könnte die Schirme ersetzen.

Zwei harte Prüfungen: Aposto-Inhaberin Sabiha Madan und ihre Mitarbeiter haben bereits die zweite Dürre hinter sich. Zwischen dem Kubus-Brand und Corona habe sie immerhin vier super Monate gehabt. Und seit Corona? "Bis jetzt haben wir uns ganz gut geschlagen", sagt sie. Auch sie hat auf einen Lieferdienst gesetzt, der jetzt weiter läuft. Die Angst vor dem Winter hält sich bei ihr in Grenzen. Die großen Räumlichkeiten verschaffen ihr einen Vorteil.

In der Urlaubszeit bleiben viele im Städtle: Die Stadt ist gut besucht, zieht Karen Kronwald vom Rosmarie eine erste Bilanz vom Coronasommer. "Viele bleiben in ihrem Urlaub hier", das merke man. Sie ist zufrieden, dass die Leute wieder kommen. Froh war sie auch über die Soforthilfe und über ihren Lieferdienst, den das Rosemarie auch schon vor Corona angeboten hatte.

Bei herrlichem Sommerwetter ist die Aalener Innenstadt gut besucht. Das Podium profitiert von vielen Sitzgelegenheiten im Freien. Besonders in der Mittagszeit kommen viele Gäste.
Das Aposto vor dem Rathaus ist eine beliebte Anlaufstelle. Vor allem mittwochs beim Wochenmarkt sind die Plätze rar.

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