GD Krauss feiert 175. Geburtstag

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Dornröschen schlief nur 100 Jahre - das Bettenfachgeschäft GD Krauss, im Bild Inhaber Alfred Krauss, gibt's schon 175 Jahre.
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Fachgeschäft für Betten, Matratzen, Wäsche und Textilien startet Jubiläumsverkauf - und Inhaber Alfred Krauss plaudert über alte Zeiten.

Aalen

Manchmal ist sogar der Begriff Traditionsbetrieb untertrieben. Wenn's um GD Krauss geht, beispielsweise. Seit satten 175 Jahren sorgt das Bettenhaus in der Stuttgarter Straße dafür, dass sich Aalen wohlfühlt. Alfred Krauss führt den innerstädtischen Fachmarkt für Betten, Matratzen, Kissen, Zudecken und Wäsche, der seit 1987 auch in Gmünd vertreten ist, in vierter Generation.

Einiges ist besonders am Familienbetrieb: Zum einen das mit mehr als 2000 Quadratmetern außergewöhnlich geräumige Fachgeschäft in bester Innenstadtlage. Hier finden Kunden nicht nur Betten und alles, was dazugehört, sondern können sich den Körper vorher genauestens vermessen lassen: Welches Bettgestell und welche Matratze passen zu meinem Rücken, meinem Nacken, meinem Gewicht und den Körpermaßen? „Der Gesundheitsaspekt wird für die Kunden immer wichtiger“, sagt Alfred Krauss, der den Betrieb 1986 nach dem frühen Tod seines Vaters Gerhard Krauss übernommen hat. Und dieses Persönliche unterscheidet den Fachbetrieb eben von der Konkurrenz aus dem Internet oder großen Ketten. Genauso wie das eigene Atelier im Haus, in dem ein Teil des 31-köpfigen Teams Handtücher nach Kundenwunsch bestickt, Tischdecken maßanfertigt, Bettwäsche, Oberlaken, Woll- oder Daunendecken näht oder ändert. Oder auch die Betten- und Bettfedernreinigung im Keller. Eine solche, verrät Alfred Krauss, hat schon sein Großvater, ebenfalls Alfred Krauss, 1930 hier eingerichtet.

Mit dem Inhaber geht's durch das Haus und durch die Geschichte. „Hier stand mein Kinderbett“, sagt der 63-Jährige. Bis 1968 wohnte die Familie im Verkaufsgebäude. Teile des Hauses standen bereits 1846, als Jakob Krauss den Betrieb mit der Übernahme des Manufakturwaren-Geschäfts Lietzenmayer gründete. In einer Anzeige in der Kocher-Zeitung versicherte er dem "Publikum", „stets ein gut assortirtes Lager zu halten, auch alle Sorten Rauch-Tabak und Cigarren" bereitzulegen und „die billigsten Preise“ zu verlangen. „Wenn Frauen damals Wäsche und Aussteuer kauften, mussten die Männer mit Tabak bei Laune gehalten werden“, schmunzelt Alfred Krauss.

Die Initialen „G.D.“ kommen übrigens von Georg Daniel Krauss, dem Vater des Firmengründers Jakob, der mit seinen 20 Jahren selbst noch nicht geschäftsfähig war. Während der 1848-er-Revolte zog er sich aus dem Geschäft zurück. Es übernahm sein Bruder Christian - der Urgroßvater des heutigen Chefs. Auf diesen folgte der Großvater, nach dessen Tod die Großmutter, nach dem Zweiten Weltkrieg der Vater. Vieles hat sich verändert, seitdem Alfred Krauss als Kind säuberlich Pakete auspacken musste: Die Verpackung der Bettdecken wurde wiederverwendet, der Name der Lieferanten musste aber abgekratzt werden - den sollte die Konkurrenz nicht erfahren. „In der Nachkriegszeit haben oft freitags Arbeiterinnen der Trikotwarenfabrik Hengella ihren Lohn erhalten, und ehe sie mit der Schättere heim aufs Härtsfeld fuhren und das Geld beim Ehemann abgeben mussten, wurden Bettücher oder Topflappen bei Krauss gekauft“, erzählt er.

Er weiß auch noch, wie sein Vater Anfang der 70er-Jahre ein Tauschgeschäft zustande brachte, indem er den Garten der Stadt Aalen für den Bau der - später gedrehten - Hochstraße überließ und dafür, zunächst gegen den Widerstand der Stadtväter, das benachbarte Gebäude auf der anderen Seite erhielt: 1993 konnte das Geschäft mit dieser Fläche in seinen heutigen Dimensionen ausgebaut werden.

Zum Jubiläum gibt es Corona-bedingt keine Feier, aber einen Sonderverkauf mit Angeboten und Aktionen vom 27. September bis 9. Oktober. Vor der Zukunft ist Alfred Krauss nicht bange. Er verkauft in seinen Häusern, aber auch im Netz, bietet Lieferservice und Rundum-Beratung an. Und als dreifacher Vater hofft er, „dass es familiär weitergeht“. Spruchreif sei da aber noch nichts.

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