Gefahr vor Abzocke: Warum die Strom- und Gaszählernummern geheim bleiben müssen

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Warum diese Nummern Betrügern Tür und Tor öffnen und was man gegen unwissentlich abgeschlossene Verträge tun kann.

Aalen

Auch bei ihnen haben es die Betrüger versucht. Es ist rund eine Woche her, da klingelt bei den Meiers (Name v.d.Red. geändert) in Heubach das Telefon. Der Anrufer gibt sich als Mitarbeiter der EnBW aus. Fragt nach der Stromzählernummer. Die gibt ihm das Ehepaar nicht. Danach droht der Anrufer, dass es dann eben keinen Preisdeckel gebe. „Die haben richtig Druck gemacht“, sagt Herr Meier. Er bleibt trotzdem ruhig und macht alles richtig: Er gibt seine Daten nicht preis. „Es wird ja immer davor gewarnt“, sagt Meier. Stattdessen ruft er gleich nach dem Anruf selbst bei der EnBW an und hakt nach. Es gebe für solche Anrufe keinen Auftrag, heißt es da.

„Solche Anrufe gibt es in regelmäßigen Abständen“, sagt Nicole Fritz, Pressesprecherin der EnBW/ODR Ellwangen. Auch deshalb informiere man auf der Website immer wieder darüber, dass man auf keinen Fall Zählernummern herausgeben solle. „Wir rufen die Kunden auch nicht aktiv an, um neue Verträge zu machen“, sagt Nicole Fritz. Ebenso bei den Stadtwerken Aalen. Man rufe zwar vereinzelt auch mal Kunden an, so Sprecher Igor Dimitrijoski. „Nach Zählernummern fragen wir aber nicht“, sagt er. „Die Stadtwerke machen keine Telefongeschäfte.“ Man rate auch immer, keine privaten Daten herauszugeben. Und bei penetranten Anrufern auch mal die Polizei einzuschalten. „Manche bemerken nicht, dass sie in eine Falle laufen und nicht jeder gibt das auch an uns weiter“, sagt Dimitrijoski.

So tricksen die Anrufer

Neue Verträge für Energieunternehmen abzuschließen, ist das Ziel der Anrufer. Und die sind eben möglich durch die Hintertür der Zählernummern. Denn mit dieser können die Verträge beim alten Anbieter gekündigt werden - ganz ohne, dass man diesen selbst kündigt oder direkt einen neuen unterschreibt, wie Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Das ist eine ganz üble Masche.“ Es gebe zahlreiche Unternehmen, die damit ihr Unwesen treiben. Einige stünden bereits unter Beobachtung. „Es geht hier ganz klar um Übertölpelung.“ Oft seien sich die Menschen nach dem Anruf gar nicht so richtig klar darüber, dass sie den alten Vertrag gekündigt und einen neuen abgeschlossen haben. „Es ist so: Der neue Versorger macht mit der Zählernummer eine automatisierte Abmeldung. Das ist für uns gar nicht erkennbar“, sagt Nicole Fritz. Besonders perfide: Die schriftlichen Unterlagen vom neuen Versorger würden dann erst frühstens nach 14 Tagen eintrudeln. Da habe der Kunde aber schon gewechselt und es sei eigentlich zu spät für einen Widerruf. „Das ist der Trick dahinter“, sagt sie.

So ist Widerruf möglich

Hier aber kann man anknüpfen, so Matthias Bauer. Es lohne sich trotzdem, auch nach den 14 Tagen noch schriftlich Widerruf einzulegen. Indem man sich darauf berufe, dass man über die Möglichkeit zum Widerruf nicht aufgeklärt worden sei - was sehr häufig der Fall sei. „Dann muss derjenige beweisen, dass er über das Widerrufsrecht belehrt hat“, erklärt Bauer. Diese Konfrontation werde aber meist gescheut. Oder es könne gar nicht bewiesen werden, dass der Anrufer den potenziellen neuen Kunden tatsächlich aufgeklärt habe. Manchmal allerdings würden sogar Gesprächsprotokolle hinsichtlich dessen im Nachhinein sogar „frisiert“, sagt Bauer.

Wer gegen seinen Willen oder wieder besseres Wissen so einen neuen Vertrag abgeschlossen hat, dem bieten auch die Energieversorger vor Ort Hilfe an. „Meinem Bauchgefühl nach haben wir so einen Fall mindestens einmal im Quartal“, berichtet Nicole Fritz. „Wir helfen dem Kunden natürlich und versuchen, das irgendwie rückgängig zu machen“, sagt sie. Aber es erfordere einen großen Aufwand.

Anrufe ist nicht einzige Masche

„Die Masche ist uralt und es gibt immer wieder neue Facetten“, sagt Bauer. In Mehrfamilienhäusern etwa würden oft Leute vor der Türe stehen, die sich als Mitarbeiter des örtlichen Energieversorgungsunternehmens ausgeben würden. Die würden dann im Keller einfach die Nummern ablesen oder schnell mal mit dem Handy abfotografieren. „Alles, was man sich vorstellen kann, wird auch gemacht“, sagt Bauer. „Wir kündigen unsere aber Besuche vorher schriftlich immer an“, erklärt dazu Igor Dimitrijoski von den Stadtwerken Aalen.

„Das Problem des Unterschiebens von Verträgen ist groß“, so Bauer. Abhilfe sei aus Sicht der Verbraucherzentralen durchaus möglich - durch eine Änderung der Gesetze. Eben dadurch, dass ein Vertrag zwar telefonisch abgeschlossen werden könne, er aber erst mit einer schriftlichen Bestätigung rechtskräftig werde.

Doch man kann sich sofort auch selbst helfen. Die Verbraucherschützer raten ebenfalls davon ab, Verträge per Telefon abzuschließen oder gar Daten herauszugeben. Dann laufen auch Betrugsversuche ins Leere.

Musterbriefe und Tipps

Mehr Details zum Widerspruchsrecht gibt es auch unter www.verbraucherzentrale-bawue.de. Dort kann man auch einen Musterbrief herunterladen.

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