Gefahrenstellen: Hier wird es zwischen Fußgängern, Auto- und Radfahrern in Aalen eng

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Was sich Experten dort wünschen.

Aalen

Immer mehr Menschen wechseln vom Auto auf das Fahrrad oder gehen lieber zu Fuß. Laut Fahrrad-Monitor des Bundesverkehrsministeriums nutzen etwa 44 Prozent der Menschen in Deutschland regelmäßig das Fahrrad. Dabei steht wie für jeden Verkehrsteilnehmer an oberster Stelle: komfortabel ans Ziel kommen. Doch dabei kommt es häufig zu Konflikten zwischen Fußgänger, Radfahrer und Auto. Etwa auf zu engen Rad- und Gehwegen oder an Stellen, wo es zwischen Auto und Radfahrer eng werden kann. Wo sich solche Gefahrenstellen in Aalen befinden, wissen Rad-Verkehrsplaner Uwe Petry von Var-Plus und der ADFC-Sprecher Klaus Berger.

Der Zentrale Omnibus-Bahnhof (ZOB): Wer von der Bahnhofstraße in Richtung ZOB fährt, kommt von einer luxuriösen Verkehrsstraße für alle Teilnehmer in ein kleines Labyrinth. Der Gehweg ist breit genug, zusätzlich ist ein Radfahrstreifen deutlich markiert. "Hier ist eine wahlfreie Führung möglich", sagt Verkehrsplaner Petry. "Eltern und Kinder bis acht beziehungsweise zehn Jahren dürfen im Seitenbereich auf dem breiten Gehweg fahren oder können den Radfahrstreifen nutzen." In entgegengesetzter Richtung fehlt dem Experten eine Linksabbiegerspur für die Schleifbrückenstraße. Doch am ZOB angekommen, wird es diffuser. Wenige Hinweisschilder für Radfahrer und keine Fahrradspur mehr – zusätzlich viel Verkehr durch Busse und Fußgänger. Sichtbarkeit ist für Petry das Schlagwort. "Um sicher durchzukommen, sollten Fahrradfahrer mitten durch fahren, um weiter auf der Bahnhofstraße in Richtung Innenstadt fahren zu können."

Nördlicher Stadtgraben in Richtung Gmünder Torplatz: Für den Verkehrsplaner sehr gelungen ist der Nördliche Stadtgraben entlang des Einkaufscenters Mercatura. "Durch das Fahrradpiktogramm mit eigenem Aalen-Design ist die Sichtbarkeit da. Und der Radfahrer gibt hier die Geschwindigkeit vor." Jedoch wird entlang des Westlichen Stadtgrabens die Fahrradspur wieder enger und läuft an der Kreuzung des Parkhauses "Spitalstraße" für Fahrradfahrer aus. Dort könne es gefährlich werden, denn der Autofahrer kürzt gerne mal ab und fährt über die Radspur, so Uwe Petry. Dort müsse nachgebessert werden. Genau wie am Gmünder Torplatz. "Durch Markierungen, Beschilderungen und erkennbare Führungsformen sollen die Sichtbarkeit und somit die Sicherheit erhöht werden, vor allem am Übergang vom Reichstädter Markt zum Marktplatz", fordert Petry.

Gartenstraße: Auch in der Gartenstraße sieht der Verkehrsexperte noch Potenzial. "Radfahrer und Fußgänger kommen sich auf dem schmalen Geh- und Radweg immer wieder in die Quere. Und regelmäßig stehen Mülltonnen im Weg. "Aalen ist eine Familienstadt", so Petry und dort könne eine Familie nicht nebeneinander laufen, ohne einen Fahrradfahrer auf dem Radweg "auszubremsen". Für den Experten ist sicher: "Eine Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn könnte hier die Probleme mindern. Dazu eine kombinierte wahlfreie Führung. "Schnelle Radfahrer können die Straße und langsame den Gehweg nutzen."

Landratsamt/Kaufland: Für Klaus Berger vom ADFC ist eine Problemstelle an der Westseite des Kauflands zu finden. Die neue Einfahrt in den Supermarkt sei für Autofahrer komfortabel, doch verheerend für die Sichtbarkeit des Radfahrers. "Die Stützmauer muss dringend weg. Autofahrer, die aus dem Parkhaus rechts abbiegen möchten, sind nicht in der Lage zu sehen, wer von oben kommt." Grün haben nämlich sowohl Autofahrer, als auch querende Radfahrer und Fußgänger. "Wir befürchten, dass dort mal ein schlimmer Unfall passiert", so Berger. Diesen Hotspot hat der ADFC bereits der Stadt Aalen gemeldet.

Kreisverkehre:Binsengasse/Stiewingstraße: In Wasseralfingen folgen drei Kreisverkehre dicht aufeinander. Doch wohin genau muss der Radfahrer, wenn er Richtung Aalen möchte? Durch den Kreisverkehr oder außen herum? Mutige fahren durch, vorgeschrieben ist es jedoch, in Gegenrichtung außen herum zu fahren, wie der Experte sagt. Für Berger steht fest: "Für den Radfahrer ist es die falsche Umleitung." Denn der Autofahrer schaue nach links und achte auf Fahrzeuge im Kreisverkehr. Ohne auf den Radler von rechts zu achten, der den Übergang nutzen soll und auf der linken Straßenseite weiter fahren muss, um an den nächsten Übergang zu kommen. "Dort gibt es aber eine Sonderregelung", weiß Berger. Fahrradfahrer auf der Kreisstraße Richtung Aalen dürfen nämlich auch auf der linken Seite fahren.

Auf Höhe SHW-Parkplatz und der Berufsschule: In Richtung Aalen verschmilzt der Radweg auf Höhe der Firma SHW mit der Straße: Ein Fahrrad darf im Kreisel nicht überholt werden. "Im Stau wird das Fahrrad aber oft geschnitten." Deshalb gilt hier: Radfahrer dürfen auch den Fußgängerüberweg außerhalb des Kreisverkehrs nutzen.

An den meisten Kreisverkehren sei diese Regelung in Aalen auf den Kopf gestellt, sagt Berger. Wer muss an der Einfahrt wem die Vorfahrt gewähren? Auf Höhe der Berufsschule etwa müsste eigentlich das Auto halten. "Aber so, wie die Schilder aufgestellt sind, verliert das Fahrrad seine Vorfahrt. Das Vorfahrt-gewähren-Schild gilt nur gegenüber dem Auto im Kreisverkehr", so Berger. Unterrombach: Für den ADFC ein Manko: das fehlende Angebot für Radfahrer. An der Hofherrnstraße – Wellandstraße und dem Wohngebiet der Steinertgasse gibt es viel Konfliktpotenzial zwischen Rad- und Autofahrer. "An der Kreuzung ist die Linksabbiegespur morgens überlastet. Ebenso gibt es für Radfahrer auf Höhe der B-29-Auffahrt keinen Radweg."

Kochertalstraße: Für Klaus Berger und den ADFC ist in der Kochertalstraße bei der neu gebauten Einfahrt der Papierfabrik Palm ein Konfliktbereich zu sehen. "Dort wechseln Fahrradfahrer vom Radweg links am Kocherufer auf die Fahrbahn und müssen dem Straßenverlauf nach links über die Brücke folgen." Lastwagen biegen an derselben Stelle nach rechts in die Firmeneinfahrt ab. "Nach Fertigstellung des Werks werden voraussichtlich 400 Lastwagen am Tag die Straße befahren", sagt Klaus Berger weiter. Dazu kämen noch weitere Fahrzeuge anderer Betriebe.

Verwirrend: In den Kreisverkehr hinein oder außen herum fahren – diese Frage stellen sich viele Fahrradfahrer.

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