Gegen Sobek-Steg und Tannenwäldle als Blaupause

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Das Aalener Rathaus als Eingangstor zur Aalener Innenstadt. Marcus Waidmann möchte dort, im Rathaus, gern der Chef werden.
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Marcus Waidmann möchte Oberbürgermeister in Aalen werden und spricht über Bürgerbeteiligung, Baugebiete und „Fascho-Geschichten“.

Aalen

Dass es ein „schweres Stück Arbeit“ wird, das räumt Marcus Waidmann (54) ein. Der AfD-Politiker hat sich dennoch um das Amt des Aalener Oberbürgermeisters beworben - auch mit dem Ziel, die Positionen seiner Partei in die Öffentlichkeit zu bringen. Aalen sei seine Stadt, da sei er geboren und dort werde er, vermutlich, auch sterben, sagte Waidmann im Gespräch mit der SchwäPo. Die Stärken Aalens sieht er im breit aufgestellten Mittelstand, in der hervorragenden Bildungslandschaft und darin, dass Aalen eine Flächenstadt sei mit einer guten, dezentralen Struktur. „Ich schätze diese Vielfalt“, sagt er. Schwächen, an denen ein Oberbürgermeister sich abarbeiten kann, das sei die Verkehrsinfrastruktur, das seien die neuen Wohngebiete wie das Tannenwäldle, die Waidmann als „Platte 2.0“ bezeichnet - in Anlehnung an die „Platte“ genannten großen Wohnkomplexe in Elementbauweise.

Für was er sich starkmachen werde, wenn er gewählt wird, das sind Bürgerentscheide nach Schweizer Vorbild. Die Entscheidungswege derzeit „mit ständigen Diskussionen und noch einem Steuerungskreis“, da gingen „Jahre ins Land“, bis etwas geschehe. Klar spricht sich Waidmann für das Einfamilienhaus als wichtigste Wohnform aus: Dafür müssten die entsprechenden Flächen zur Verfügung gestellt werden - und Aalen habe diese Flächen. Da sieht Waidmann kein Problem.

Waidmann hat sich mehrfach für rein rasches Ende der Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie starkgemacht. „Den Leuten fällt die Decke auf den Kopf, es entstehen intellektuelle Brachen“, sagt er. Er setzt aber stark darauf, dass die Gräben, die es deswegen in der Gesellschaft gibt, sich rasch wieder von alleine schließen werden. Dann würden die Verschwörungstheorien verschwinden - und Institutionen wie etwa Vereine dafür sorgen, dass wieder Leben in die Stadt kommt.

Wichtig ist Waidmann eine Stärkung des Einzelhandels. Dadurch werde die Innenstadt gestärkt. Dazu möchte er mehr Möglichkeiten für kostenloses Parken schaffen, Außennutzungsgebühren aussetzen, Werbeflächen zur Verfügung stellen und, so möglich, „die Leute steuerlich entlasten“. Ähnlich könne der darbenden Gastronomie geholfen werden.

Zum geplanten Steg, der das Stadtoval und die Innenstadt verbinden soll, hat Waidmann eine differenzierte Meinung: „Ja zum Steg, aber Nein zum Sobek-Plan“, lautet sein Vorschlag. Der Sobek-Steg werde zu teuer. Auch spricht sich Waidmann gegen Wohngebiete wie das am Tannenwäldle geplante aus. Dort gehe es zu eng her, es gebe zu wenig Parkraum. Sollte dieses Baugebiet Blaupause sein für weitere: „Da bin ich dagegen.“

Es entstehen intellektuelle Brachen.“

Marcus Waidmann, OB-Kandidat

Dass er oft gegen bestimmte Vorhaben stimme, aber dies nicht begründe in Sitzungen des Aalener Gemeinderats oder in Gemeinderatsausschüssen, das räumt Waidmann ein. Er begründet dies damit, dass die AfD meist am Ende einer Diskussionsrunde dran sei - und er nicht, wie andere, minutenlang über Themen rede und andere damit langweilen wolle. Waidmann gibt dabei zu, dass er damit die Chance verpasse, seine Beweggründe zu erläutern.

Zu rechtsextremen Politikern in der AfD wie etwa Björn Höcke habe er ein „distanziertes“ Verhältnis, ebenso distanziere er sich „von allen Fascho-Geschichten“. Nicht eindeutig ist Waidmanns Position zur „Jungen Alternativen“, der AfD-Nachwuchsorganisation, die in Baden-Württemberg vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Mit dem Thema habe er sich nicht intensiv beschäftigt, allerdings: „Die Jungs, die ich kenne, die sind in Ordnung“, findet er.

Sollte er gewählt werden, werde Aalen eine Bürgerbeteiligung haben, die beispielhaft ist. Dies werde Signalwirkung haben in den Ostalbkreis hinein, davon ist Waidmann überzeugt.

Die anderen Bewerber und die Termine

Oberbürgermeister in Aalen wollen werden:

Frederick Brütting (37), Bürgermeister in Heubach und Mitglied der SPD.

Ronny Enßlin (46), arbeitet bei der Caritas und kümmert sich um Haushaltsauflösungen.

Matthias Müller (54), Angestellter beim Gemeindevollzugsdienst in Aalen.

Stefan Schmidt (54) Gastronom und bekannt als Kritiker der Corona-Maßnahmen.

Albert Seitzer (67), pensionierter Schulrat, Schwäbisch Gmünd.

Die Bewerbungsfrist endet am Montag, 7. Juni. Die Wahl ist am 4. Juli.

Marcus Waidmann

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