Gegen welche Konkurrenz die Kultur zu kämpfen hat

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Noch zu sehen in Wasseralfingen: die Komödie „Minna von Barnhelm“. Foto: Theater Aalen/Peter Schlipf
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Das Publikum bleibt auch nach dem Wegfallen der Corona-Einschränkungen zurückhaltend. Wie es in der Region aussieht und welche Gründe die Kulturmacher dafür nennen.

Aalen

Schönes Wetter, ein pralles Kulturangebot und zudem hat die Corona-Pandemie für viele ihren Schrecken verloren. Trotzdem zögern viele, wenn es um den Besuch von Theatervorstellungen oder Konzerten geht. Was vor den Lockdowns ausverkauft war, ist es aktuell oft nicht. Die Veranstalter sehen dafür nicht nur einen Grund, sondern gleich mehrere.

Geld und Coronazahlen

„Im Saal ist es gerade schwierig“, sagt Gerhard Herfeldt, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Theater der Stadt Aalen. Das betreffe vor allem die Vorstellungen der Spielclubs. Man merke, dass die Menschen wegen der steigenden Zahl an Corona-Infektionen ungern in einem geschlossenen Raum zuschauen würden. „Aber die Minna bekommen wir sicher noch gut gefüllt“, ist Herfeldt zuversichtlich angesichts der Vorstellungen für das Sommertheater im Schloss Wasseralfingen, das bis zum Freitag, 22. Juli, dort zu sehen ist. Im Vorverkauf sei hier aber noch Luft nach oben. „Vieles entscheidet sich an der Abendkasse“, fährt er fort. Bei „Goethe im Park“ auf Schloss Fachsenfeld habe das Theater wegen der großen Nachfrage sogar noch Zusatzvorstellungen anberaumt, weil diese immer ausverkauft gewesen seien. In persönlichen Gesprächen sei aber auch immer wieder der finanzielle Aspekt angesprochen worden, die Angst davor, dass es knapper mit dem Geld werden könnte.

Noch gelassen bleibt Ingo Hug, künstlerischer Leiter des Aalener Jazzfestes, das im November stattfindet. Karten gibt es bereits seit Wochen im Vorverkauf. „Wir sind am Anfang, da mache ich mir Stand heute keine Sorgen“, sagt Hug. Auch wenn es für das Konzert mit Melody Gardot als größer Act aktuell ein wenig besser laufen könnte. Hug ist zunächst das Konzert mit Cimafunk und Cosmo Klein am Donnerstag, 21. Juli, im KubAA wichtig. Der Vorverkauf laufe, könnte aber besser sein. Der Raum sei klimatisiert und gut gelüftet, richtet sich Hug an diejenigen, die eventuell Bedenken wegen des geschlossenen Raumes haben.

Die Konkurrenz der anderen

„Wir würden uns noch einen letzten Schwung wünschen“, sagt auch Katharina Lampe vom Schwäbisch Gmünder Kulturbüro. In Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie habe man leichte Einbußen bei den Vorverkaufszahlen für das Festival für Europäische Kirchenmusik, das an diesem Donnerstag startet. „Es gab natürlich deutlich bessere Jahre“. Bis vergangenen Montag waren diesmal lediglich zwei Konzerte ausverkauft. Lampe erklärt sich das zum einen durch die vielen anderen Veranstaltungen auch im privaten Bereich, wie Hochzeiten und Geburtstage, die nun nachgeholt würden. Aber auch dadurch, dass viele nun in den Geldbeutel schauen würden. „Es gibt ja die Unwägbarkeiten im nächsten Winter und die Preisentwicklung“, sagt sie.

Neue Zielgruppe fürs Festival

„Wenn wir bei Lotte 1000 Gäste auf den Hof bringen, dann wäre das schön“, sagt Moritz von Woellwarth, Akademiedirektor der Stiftung Schloss Kapfenburg. Man spreche mit diesem Konzert eine junge, neue Zielgruppe an. Deshalb gebe es den Kartenpreis zwei für eins. „Um zu zeigen, dass das auch wirklich gewünscht wird.“ Ansonsten sehe es gar nicht so schlecht aus. Niedeckens BAP sei annähernd ausverkauft, Hubert von Goisern durch das Nachholkonzert ohnehin, die italienische Nacht laufe auch ganz gut. Ausverkauft sei auch die Eröffnung. „Wir sind ganz zufrieden“, so von Woellwarth, der in diesen Zusammenhang auch den Sponsoren dankt, die das alles mit ermöglichen würden.

Das sagen die anderen zur Lage und den Gründen

Freilichtspiele Schwäbisch Hall: Dass man vor der Pandemie mehr Besucher und ausverkaufte Vorstellungen gehabt hat, „das kann man uneingeschränkt so sagen“, sagt Franz Burkhardt, Chefdramaturg der Freilichtspiele Schwäbisch Hall. „Kleine oder große Inszenierungen, ernste Stücke oder Unterhaltung, das ist stückunabhängig und macht keinen Unterschied“, sagt er. Es gebe natürlich jetzt auch viele Parallelveranstaltungen. Zum einem große Konzerte, die nun nachgeholt werden würden. Zum anderen Familienfeste wie Hochzeiten, Geburtstage und Jubiläen, die sich nun häufen würden.

Opernfestspiele Heidenheim: „Wir sind bei einer Gesamtauslastung von 70 Prozent und sind ganz zuversichtlich“, sagt Matthias Jochner vom Kulturamt Heidenheim. Man sei wegen der Unwägbarkeiten später in den Vorverkauf gegangen, ein Niveau wie vor Corona habe man auch deshalb nicht erwartet. Bei Blockbustern wie „Nabucco“ habe man vergleichsweise eine Auslastung von 100 Prozent gehabt, sonst zwischen 80 und 90 Prozent. Neu sei, dass man nun verstärkt die Social Media-Kanäle nutze. „Da haben wir neue Wege beschritten“, so Jochner. Eine Auswertung des Effektes stehe aber noch an. ⋌dot

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