Gehen Steg und Bad baden?

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Überrumpelt fühlen sich die Stadträte nach der Ansage von OB Brütting. Von Katharina Scholz und Ulrike Wilpert

Aalen

Überraschend hatte OB Frederick Brütting am Montagabend bei einer Versammlung des Hirschbachclubs die Katze aus dem Sack gelassen: Beide Bieter für den Rohbau des Kombibads seien abgesprungen. Und für den Steg habe das Land offenbar seine Zusage für die nötigen Fördermittel gekippt. Große Verblüffung, beinahe Sprachlosigkeit, herrscht jetzt bei den Fraktionsvorsitzenden des Aalener Gemeinderats, die ausschließlich durch den SchwäPo-Bericht Kenntnis davon bekommen haben und das Informationsverfahren der Rathausspitze kritisieren. So reagieren die Fraktionsvorsitzenden:

Michael Fleischer (Grüne) sagt:„Für uns ist das Kombibad nach wie vor gesetzt.“ Er fügt an: „So gesetzt, wie es beschlossen wurde.“ Wenn aufgrund des Ukraine-Krieges nun aber ein extremer wirtschaftlicher Einbruch folge, dann müsse man alles noch einmal auf den Prüfstand stellen, nicht nur das Kombibad. Ein solcher Einbruch sei in dem Umfang aber noch nicht da. Zum Steg sagt er: „Da kann ich mir es nicht verkneifen zu sagen, dass wir immer darauf hingewiesen haben, dass kein Rechtsanspruch auf die Fördergelder besteht.“ Nun gelte es zu prüfen, ob doch noch an Zuschüsse zu kommen ist. „Wenn nicht, dann ist der Steg gestorben“, sagt Fleischer. Von dieser Entwicklung beim Steg ist er nicht überrascht. Dass Bieter beim Kombibad zurückgezogen haben, nennt er dagegen einen „Hammer“. Fleischer hätte das gerne erfahren, bevor er es in der SchwäPo liest.

Thomas Wagenblast (CDU) sagt, dass seine Fraktion zum jetzigen Zeitpunkt diese von OB Brütting getätigten Aussagen nicht bewerten könne. „Wir brauchen zum Kombibad genauere Informationen der Geschäftsführung der Stadtwerke, von unserem Architekten 4A Architekten Stuttgart und von unserem beauftragten Projektsteurer Hitzler Ingenieure Ingolstadt.“ Und auch zum Steg brauche seine Fraktion einen Sachstand über die Gespräche mit dem Fördergeldgeber, dem Land Baden-Württemberg.

Hermann Schludi (SPD) sagt: „Ich kann erst dann Stellung nehmen, wenn ich informiert bin.“ Von der Stadtverwaltung erwartet er nun Zahlen, Daten, Fakten und vor allem auch Gründe. Zum Kombibad sagt er: „Das ist noch kein Grund zur Panik.“

Claus Albrecht (FW) kann aktuell nur Vermutungen äußern, da er - Stand Dienstag - nähere Informationen der Rathausspitze vermisst. Albrecht erinnert an seinen Antrag anlässlich der Haushaltsberatungen, den fürs Kombibad prognostizierten Kostenrahmen von 51 Millionen Euro um 10 Millionen Euro zu reduzieren. Für weitere Aussagen wolle er erst nötige Hintergrundinformationen der Verwaltungsspitze an die Gemeinderäte abwarten. Die Planung und Ausschreibung für den Steg sei relativ fortgeschritten. Allein für die Planung habe die Stadt schon mehrere Millionen Euro bezahlt. „Wenn wir den Steg zum jetzigen Zeitpunkt kippen, wäre dieses Geld in den Wind geschrieben.“ Albrecht betont: „Vom damaligen OB Thilo Rentschler haben wir vor einem Jahr gehört, dass uns das Land die nötigen Zuschüsse zugesichert habe.“ Er, Albrecht, hätte damals nicht für den Steg gestimmt, wenn diese Finanzspritze nicht als sicher kommuniziert worden wäre.

Dr. Frank Gläser (AfD) ist von beiden Nachrichten am Dienstag überrascht worden. „Beide Projekte sind Überbleibsel aus besseren Zeiten“, sagt er. Die Fraktion befinde den Entwurf des Kombibads für gut, halte ihn aber für schwer finanzierbar. „Wir brauchen möglichst bald wieder ein funktionsfähiges Hirschbachbad“, sagt Gläser. Wie alles weitergehen soll, bleibe kritisch zu untersuchen. Beim Steg gelte es, die Möglichkeiten kritisch zu durchforsten und nötigenfalls auch dieses Problem nochmals demokratisch zu bearbeiten. „Augen zu und durch ist nur selten eine gute Option“, sagt er.

Inge Birkhold (Zählgemeinschaft Birkhold/Traub): „Wir müssen die gesamte Aalener Bäderthematik einschließlich Ebnater Lehrschwimmbecken und Thermalbad noch einmal unter die Lupe nehmen“, sagt Inge Birkhold. Ihre Zählgemeinschaft plädiere beim Kombibad für günstigere Standards. Birkhold hinterfragt: „Braucht man so viele Becken?“ Unangefochten sei, dass Aalen ein wettbewerbsfähiges Sportbad braucht. Aber bei der Ausstattung müsse man den Rotstift ansetzen. Jetzt mit der Planung wieder bei Null anzufangen, dafür sei es, nach dem Abriss des Hirschbachfreibads, zu spät. Stichwort Steg: Birkhold erinnert daran, dass sich ihre Zählgemeinschaft dagegen ausgesprochen habe. „Die einzig sinnvolle Alternative wäre, wir stellen den Steg jetzt erst einmal zurück. Wegen der hohen Baukosten können wir ihn uns jetzt einfach nicht leisten.“

Roland Hamm (Linke) ist verärgert, dass er aus der SchwäPo erfahren musste, dass die Bieter fürs Kombibad zurückgezogen haben. Bauherren seien die Stadtwerke. Dort sitzt Hamm im Aufsichtsrat. Dessen Mitglieder würden auch über kleinere Themen auf dem Laufenden gehalten. Über „eine so grundlegende Sache“ beim Treffen des Hirschbachclubs zu informieren nennt Hamm „deplatziert.“ Der OB hätte sich das bis zur nächsten Ausschusssitzung „verheben“ können. Auch die Bemerkung, dass nun alles zur Disposition stehe, hätte sich der OB verkneifen sollen. „Schließlich gibt es zum Kombibad einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss.“ Vom OB erwartet Hamm nun, dass er gegenüber dem Gemeinderat die Fakten auf den Tisch legt. Der Steg steht seiner Meinung nach nicht auf der Kippe. „Das Projekt war für uns nie abhängig von Fördergeldern.“

Arian Kriesch (FDP/FW) sagt: „Das Freibad ist weg, wir brauchen ein neues Freibad.“ Das Hallenbad halte nicht mehr lang. „Wir brauchen eine Lösung.“ Für Kriesch, der sich mit dem Kollegen aus der Zählgemeinschaft Dr. Philipp Frank abgestimmt hat, besteht die Lösung darin, einen Schritt zurückzumachen. Zu überlegen, was ins Kombibad hineingehört, ob es die Sauna, die zehn Schwimmbahnen, den Sprungturm wirklich braucht. Zum Steg sagt Kriesch: „Ich meine, dass es ohne Zuschüsse keine Mehrheiten gegeben hätte.“ Er hat gegen den Steg gestimmt. Wenn der frühere OB Thilo Rentschler nicht kommuniziert hätte, dass die Stadtverwaltung fest mit 60 Prozent Fördergeldern rechne, hätte die Mehrheit im Rat auch dagegen gestimmt.

Norbert Rehm (Aktive Bürger) meint: „Wir müssen uns auf die Bäderkonzeption besinnen, Schwerpunkte setzen in den Anwendungen und dann Prioritäten setzen.“ Die Planung des Kombibads indes halte er immer noch für „sehr gut“. Das Kombibad jetzt auf Eis legen? „Da wäre ich vorsichtig. Man sollte jetzt keinen Schnellschuss machen.“ Dass das Freibad bereits abgerissen wurde, stelle sich jetzt als Problem dar. „Wie wir aus dieser Geschichte wieder rauskommen, kann ich jetzt aufgrund mangelnder Information nicht sagen.“ Zum Steg meint Rehm: Dieser hätte bereits am 30. September 2021, an Rentschlers letztem Amtstag gekippt werden müssen, koste es was es wolle. Rehm: „Denn jetzt zeigt sich, dass das Argument des damaligen OB, der Steg werde größtenteils vom Land finanziert, Lug und Trug war.“

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