Gemeinderat unterstützt das Theater gerade in Krisenzeiten

  • Weitere
    schließen
+
Das Theater der Stadt Aalen an seiner neuen Spielstätte im Kulturbahnhof. Der Umzug hat einen finanziellen Mehraufwand erfordert.
  • schließen

Die große Mehrheit des Rats lobt die Arbeit des Theaters der Stadt Aalen und findet die Zuschüsse moderat. Aber es gibt Gegenstimmen.

Aalen

Wie viel wert ist dem Aalener Gemeinderat das städtische Theater? Eine zweite Diskussion darüber hat in der Ratssitzung am Donnerstag Thomas Rühl (Freie Wähler) eröffnet. Der Zuschussbedarf des künstlerischen Etats habe für die Spielzeit 2019/2020 noch rund 850 000 Euro betragen. Jetzt seien stufenweise Erhöhungen geplant: 964 000 Euro für 2021/2022; 1 044 000 Euro für 2022/2023 und 1 100 000 Euro für 2023/2024. Damit werde ihm das Theater der Stadt Aalen zu teuer, sagte Rühl. "Das können wir uns nicht mehr leisten."

Marcus Waidmann (AfD) blies ins gleiche Horn. "Da werde ich auch auf keinen Fall zustimmen,", kündigte er an.

Roland Hamm (Linke) reagierte prompt: Theaterintendant Tonio Kleinknecht habe die Gemeinderäte im Kultur-, Bildungs- und Finanzausschuss (KBFA) am 10. März umfassend über die überaus aktive und gut besuchte Theaterarbeit informiert. Diese dürfe man nicht auf die Kostenfrage reduzieren. An erster Stelle stehe der Bildungsauftrag. Hamm bedankte sich für 30 Jahre "Theater der Stadt Aalen". Zum Geburtstag dürfe man sich ohnehin etwas wünschen.

Doris Klein (Grüne) sprach von "wertvoller Arbeit" und hob besonders den Bereich Kinder- und Jugendtheater mit all seinen Facetten hervor. In den vergangenen Jahren seien die Kosten des Theaters moderat gestiegen. Dass der Umzug in den Kulturbahnhof nun mehr Geld erfordere, sei doch klar gewesen.

Alexander Asbrock (Grüne) sagte voraus: "Wir werden die Kunst und Kultur in Zukunft noch mehr brauchen als in der Vergangenheit – und zwar zur Aufarbeitung der vielen Schäden, auch psychischen Schäden in Folge der Pandemie." Deshalb dürfe es nicht darum gehen, das Budget für das städtische Theater zu kürzen, sondern, wenn nötig, auszubauen. Alexander Asbrock betonte: "Kunst und Kultur sorgen nicht nur für Unterhaltung, sondern auch für Heilung."

Kunst und Kultur sorgen für Heilung.

Alexander Asbrock Gemeinderat Grüne

SPD-Fraktionsvorsitzender Hermann Schludi wies darauf hin, dass das Theater 30 Jahre lang höchstverantwortlich mit seinem Budget umgegangen sei. Zu Marcus Waidmann gewandt, meinte Schludi: "Wenn Sie eben Ihre Wertschätzung von Kultur formuliert haben, bin ich geschockt." Nichts sei enger mit der Gesellschaft verzahnt als das Theater – dies seit der Antike.

"Ich bedanke mich für diese klaren Bekenntnisse zu unserem Theater", erklärte daraufhin OB Thilo Rentschler. Er erinnerte daran, dass manche Ausgaben, die für das Theater anfallen, letztlich wieder als Einnahmen im "Stadtsäckel" landen. Und wenn das Theater nicht im Kulturbahnhof angesiedelt wäre, sondern für sich alleine stünde, käme es teurer, entgegnete der OB einer Äußerung zuvor von Norbert Rehm (FDI).

Fünf Gegenstimmen

Der Gemeinderat stimmte dann mit großer Mehrheit für den Finanzierungsplan – mit fünf Gegenstimmen von Thomas Rühl (Freie Wähler), Marcus Waidmann, Dr. Frank Gläser und Emil Pöltl (alle AfD) sowie Norbert Rehm (FDI).

Mehr Respekt, bitte!

Wer Geburtstag hat, darf sich etwas wünschen: Mit dieser Formulierung hat Stadtrat Roland Hamm (Linke) seine Würdigung des Theaters der Stadt Aalen nett auf den Punkt gebracht. Wer einen runden Geburtstag feiert, darf sich aber meist auch über eine Laudatio freuen. Gut, dass Doris Klein (Grüne), ihr Parteikollege Alexander Asbrock sowie SPD-Fraktionssprecher Hermann Schludi und eben Roland Hamm während der Gemeinderatssitzung am Donnerstag diese Wertschätzung ausgesprochen haben. 30 Jahre städtisches Theater in Aalen haben Spuren hinterlassen. Unter der Intendanz von Udo Schön, Simone Sterr, Katharina Kreuzhage und aktuell Tonio Kleinknecht haben Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen einen Zugang zur darstellenden Kunst bekommen. Weil sich die Macherinnen und Macher des Theaters ihrer Probleme, Wünsche und Träume annehmen. Weil sie diese vielschichtigen Themen so feinfühlig auf die Bühne bringen. Auch jetzt, in der Pandemie, sind die Theaterleute unermüdlich aktiv. Obwohl es gewiss besonders viel Engagements und Kreativität bedarf, um Botschaften in digitales Theater zu verpacken – ohne Reaktion eines Publikums. Gerade jetzt eine Bezuschussung des Theaters in Frage zu stellen, wie am Donnerstag von Thomas Rühl (Freie Wähler) und Marcus Waidmann (AfD) geschehen, zeugt mindestens von Respektlosigkeit.

Wie Theater im Land bezuschusst werden

Im Vergleich mit anderen kommunalen Theatern in Baden-Württemberg kommt das Theater der Stadt Aalen mit einer relativ geringen Förderung aus. Insbesondere, wenn man den Zuschuss pro Einwohnerin beziehungsweise Einwohner betrachtet.

Aalen: künstlerischer Etat: 946 000 Euro, Einwohnerzahl: 66 000, Zuschuss pro Einwohner: 14,60 Euro.

Baden-Baden: künstlerischer Etat: 2 000 000 Euro, Einwohnerzahl: 54 000, Zuschuss pro Einwohner: 37,04 Euro.

Konstanz: künstlerischer Etat: 5 000 000 Euro, Einwohnerzahl: 86 000, Zuschuss pro Einwohner: 58,14 Euro.

Heilbronn: künstlerischer Etat: 7 000 000 Euro, Einwohnerzahl: 126 000, Zuschuss pro Einwohner: 55,56 Euro. Quelle: Stadtverwaltung Aalen

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL