Genesene wie Geimpfte behandeln

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Dr. Siad Esber und Dr. Sandra Esber-Schimmel mit einem Corona-Schnelltest-Set in ihrer Corona-Schwerpunktpraxis in Essingen. Sie sagen, in der Diskussion um Privilegien seien Corona-Genesene aufgrund ihrer Immunität mit Geimpften gleichzusetzen.
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Die Ärzte Dr. Sandra Esber-Schimmel und Dr. Siad Esber führen eine Corona-Schwerpunktpraxis. Ein Interview über die Immunität von Genesenen und Corona-Impfungen durch Hausärzte.

Aalen

Rund 8500 Menschen im Ostalbkreis hatten seit Beginn der Pandemie eine Coronainfektion. Davon gelten fast 8000 wieder als genesen. Die beiden Ärzte Dr. Sandra Esber-Schimmel und Dr. Siad Esber führen eine Corona-Schwerpunktpraxis in Essingen. Sie finden, dass derzeit viel über mögliche Freiheiten für Corona-Geimpfte diskutiert werde, aber wenig über die vielen Menschen, die die Krankheit bereits hatten und ebenso als vergleichbar immun gelten. Auch zur aktuellen Impfstrategie bei Senioren haben sie eine klare Meinung.

Sie haben sicher schon viele Patienten mit Corona behandelt?

Ja, tatsächlich haben die meisten Patienten die Infektion Gott sei Dank gut überstanden.

Wie beantworten Sie diesen Patienten die Frage nach der Immunität?

Momentan sind sich die Experten dahingehend einig, dass ein Genesener zumindest für sechs bis acht Monate immun gegen das Virus ist. Das Risiko einer erneuten Infektion liegt laut einer Studie aus Qatar bei 0,02 Prozent. Wenn wir also darüber sprechen, dass Geimpfte wieder Grundrechte zurückerhalten sollen, muss es in dieser Diskussion auch um die Genesenen gehen, die genauso immun sind.

Sind Genesene denn noch ansteckend, also können das Virus weitertragen?

Wir denken nicht. Bei einer erneuten Exposition eines Genesenen mit einem Corona-Infizierten muss dieser laut Corona-Verordnung des Landes (Corona-Verordnung Absonderung, Anm. d. Redaktion) nicht in Quarantäne, auch müssen Genesene nach Rückkehr aus einem Risikogebiet nicht in Quarantäne. Würden die Verantwortlichen von einer Übertragung des Virus durch Genesene ausgehen, so würde diese Regelung nicht bestehen. Professor Clemens Wendtner (Chefarzt der Infektiologie von der München Klinik Schwabing, d. Red.) postulierte am 15. Januar im "Spiegel": 99 Prozent der Genesenen seien für ihre Mitmenschen ungefährlich.

Sollten sich Genesene auch gegen das Coronavirus impfen lassen?

Derzeit geht das Robert Koch-Institut von einer Immunität nach einer Corona-Infektion aus. Auf der Internetseite des RKI wird diese Frage eindeutig beantwortet: Genesene sollen sich derzeit (noch) nicht impfen lassen, vor allem dann nicht, wenn Antikörper im Blut nachgewiesen wurden.

Welche weiteren Möglichkeiten sehen Sie im Umgang mit der Pandemie?

Bezüglich des Impfens plädieren wir – vorausgesetzt es ist genug Impfstoff vorhanden – für eine möglichst frühe Einbeziehung der Hausarztpraxen.

Dr. Sandra Esber-Schimmel Ärzte in Essingen

Unser Hauptaugenmerk sollte neben den AHA-Regeln auf drei Dingen liegen: impfen, testen, Schutz der Senioren.

Wie könnte das im Detail aussehen?

Bezüglich des Impfens plädieren wir – vorausgesetzt es ist genug Impfstoff vorhanden – für eine möglichst frühe Einbeziehung der Hausarztpraxen. Die meisten Pflegebedürftigen leben daheim. Der Hausarzt kennt seine Patienten und könnte die Impfungen vor Ort viel schneller durchführen. Auch von Patienten wurde dieser Wunsch schon an uns herangetragen.

In der Impfstrategie der Landesregierung sind Impftermine beim Hausarzt bislang nicht vorgesehen. Wie ist Ihre Einschätzung dazu?

Wir hoffen, dass wir ab Ende Februar mit eingebunden werden, weil das sehr wichtig ist.

Wie denken Sie über die aktuelle Teststrategie?

Wir denken, dass Deutschland eine große Chance verpasst. Wie von vielen führenden Experten gefordert und von Erfolgen in Tübingen bestätigt, könnten flächendeckende Schnelltests zu einer deutlichen Verminderung der Inzidenz führen.

Und Senioren schützen.

Das ist fast der wichtigste Punkt und predigen wir unseren Patienten täglich: Selbstverständlich sind ältere Personen zuhause genauso gefährdet wie Senioren im Heim! Also: Abstand halten zu Omas und Opas, nur mit Maske nähern und, was optimal wäre: Vor dem Kontakt noch zusätzlich einen Schnelltest machen!

Was ist mit den Schülern?

Kinder erkranken nur äußerst selten ernsthaft an Covid-19. Deshalb sollte man ihnen mehr Freiraum lassen. Testen vor der Schule, von Senioren fernhalten und die Schüler nicht in die Busse quetschen, sondern die Transportwege entzerren. Da hat man in den Sommerferien viel versäumt vorzubereiten.

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