Gentner Westside will Modepark Röther ansiedeln

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Das Areal Gentner Westside im Industriegebiet West.
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Der Modepark liegt im Sanierungsgebiet. Röther sucht nach einer Lösung für seine Aalener Filiale. Warum Johannes Gentner mit seinem Angebot auf den Widerstand der Stadt stößt.

Aalen

Für die Westside Shopping World (vormals Gentner Westside) will die Stadt Aalen den Bebauungsplan ändern. Das Ziel: Die Stadt beabsichtigt auf diesem knapp sechs Hektar großen Gebiet eine „standortangemessene städtebauliche Entwicklung“. So steht es in der Sitzungsvorlage, die am Donnerstag im Bauausschuss des Gemeinderats vorberaten wurde.

Auf gut Deutsch gesagt heißt das: Sortimente, die in direkter Konkurrenz zum Angebot der Innenstadt stehen - also innenstadtrelevant sind - wie beispielsweise Bekleidung und Schuhe, sollen dort auf der „Grünen Wiese“ im Westen von Aalen künftig künftig nicht mehr angesiedelt werden dürfen.

Dabei beruft sich die Stadt in erster Linie auf das Einzelhandelsgutachten von Dr. Donato Acocella, dessen Fortschreibung der Gemeinderat vor zwei Jahren mit großer Zustimmung verabschiedet hat. Denn Stadt und die im Innenstadtverein Aalen City aktiv (ACA) organisierten Einzelhändler wollen ihr Schmuckkästchen, die Innenstadt, nicht durch eine größer werdende Konkurrenz auf der Grünen Wiese schädigen.

Der konkrete Anlass der Bebauungsplanänderung indes geht nicht detailliert aus der öffentlichen Sitzungsvorlage hervor. Auf unsere Nachfrage bestätigt Johannes Gentner, Eigentümer der Westside Shopping Word, sein Umplanungsvorhaben.

Ein angekündigter Auszug des Mediamarkts aus der Gentner-Immobilie Carl-Zeiss-Straße 96 ist Ausgangspunkt für eine von Johannes Gentner angedachte Rochade. Wie eine Unternehmenssprecherin des Mediamarkts auf Anfrage bestätigt, überprüfe Mediamarkt Saturn Deutschland sein Markt-Portfolio auf „Möglichkeiten zur Optimierung“. „Daraus können Veränderungen von Flächengrößen, Neueröffnungen oder auch Schließungen auf Grund besonderer Gegebenheiten bei einzelnen Märkten resultieren“, sagt sie.

Konkreter wird Johannes Gentner: Die Aalener Filiale des Mediamarkts wolle sich aufgrund einer geänderten Verkaufsstrategie verkleinern auf etwa 2300 Quadratmeter. Daher sei ein möglicher Auszug aus der Carl-Zeiss-Straße 96 angedacht. Er, Gentner, habe die Idee, die dann kleinere Mediamarkt-Filiale auf einer Fläche des von ihm schon seit mehreren Jahren geplanten Neubaus im Westen beim neuen Kreisverkehr bei Lobo anzusiedeln.

Was Modepark Röther damit zu tun hat: Seit dem Jahr 2000 ist der große Modeanbieter mit einer Filiale neben Garten-Center Dehner in der Wilhelm-Merz-Straße 41 vertreten: knapp 6000 Quadratmeter Verkaufsfläche, samt großem Parkplatz direkt vor der Haustür. Seit wenigen Jahren aber ist das Gebiet städtisches Sanierungsgebiet. Die Stadt will das Areal städtebaulich aufwerten, mit mehrgeschossigen Gebäuden und mehr Platz für Wohnbau. Aufgrund dieser Umstrukturierung hat die Stadt die Option auf eine Verlängerung des Mietvertrages von Röther nicht mehr gebilligt. Der Mietvertrag läuft also aus. In dieser Situation nun macht Johannes Gentner dem Modepark Röther das Angebot, in den künftigen Leerstand des Mediamarkts in der Carl-Zeiss-Straße umzuziehen; von der zentrumsnahen Lage auf die „Grüne Wiese“.

Das sagt Michael Röther, geschäftsführender Gesellschafter von Modepark Röther: „Wir sind in sehr ergebnisoffenen Gesprächen sowohl mit Johannes Gentner, als auch mit der Aalener Stadtverwaltung.“ Die Absicht der Stadt sei verständlich. Röther: „Ich tue mich aktuell ein bisschen schwer, die Gemengelage einzuschätzen.“ Fakt ist, dass Röther neben dem Angebot von Gentner auch gemeinsam mit der Stadt eine Alternativlösung sucht. „Wenn wir dadurch aber unsere Aalener Filiale unverhältnismäßig verkleinern müssten, wäre das ein Problem“, so Röther. Insgesamt aber sei er guten Mutes. „Wir wollen nach wie vor am Standort Aalen festhalten.“

Das sagt Johannes Gentner: Aufgrund des seit Corona forcierten Online-Geschäfts sei der stationäre Handel allgemein in einer schwierigen Zeit. Vor dieser Herausforderung stehe nicht nur die Innenstadt. Auch seine Westside Shopping World müsse sich für die nächsten 10 bis 15 Jahre neu aufstellen. Dass die Stadt sich auf das Acocella-Einzelhandelsgutachten beruft, fühle sich für ihn so an, als ob seine Westside Shopping Word schuld daran sei, dass die Innenstadt nicht funktioniert. „Es ist doch besser, der Kunde fährt zum Einkaufen hierher, anstatt nach Ulm oder Stuttgart.“ Andernfalls gingen laut Gentner die Synergieeffekte mit der Aalener Innenstadt verloren. „Es liegt doch nahe, dass unsere Kunden auch zum Bummeln in die Aalener Innenstadt fahren.“ Ihm, Gentner, liege eine starke Innenstadt am Herzen. „Ich möchte sie nicht ausbluten. Aber wir wünschen uns, dass sich die Stadt gemeinsam mit uns mehr um Synergien kümmert.“

OB Frederick Brütting erkennt in der Umsiedlung des Modeparks Röther von der Wilhelm-Merz Straße hinaus ins Westside keinen zusätzlichen Mehrwert für die Stadt Aalen. Der seitherige Standort sei keine Konkurrenz zur Innenstadt, im Gegenteil. Brütting: „Die Innenstadt profitiert von den Kunden, die den Modepark in der Wilhelm-Merz-Straße anfahren.“ Für ihn ist aber auch klar: Je weiter sich Röther von der Innenstadt weg bewege, desto mehr schwinde der Mehreffekt für den Einkaufsstandort Innenstadt. Darum bevorzug Brütting die Option, dass sich Modepark Röther in der künftigen Neubebauung am selben Standort, Wilhelm-Merz-Straße, wiederfindet.

Die Stadt Aalen habe ein großes Interesse daran, Frequenzbringer wie Röther auch weiter an die Innenstadt zu binden. Brütting: „Wir haben Herrn Gentner auch klar mitgeteilt, dass wir die von ihm angedachte Verlagerung der Röther-Filiale in den Westen nicht unterstützen werden.“

Kommentar von Ulrike Wilpert: "Richtig miteinander reden" 

Johannes Gentners Westside Shopping World

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