Drei Jahre Haft für Frau, die Geliebten erstechen wollte

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Symbolbild

Vor dem Ellwanger Schwurgericht musste sich eine 42-Jährige verantworten, die in einem Aalener Teilort mit Messern einen Mann attackierte

Ellwangen. Eine 42-jährige Deutsche türkischer Abstammung musste sich in den vergangenen beiden Tagen wegen versuchtem Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung  vor der 1. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ellwangen verantworten. Den Artikel hier nachlesen.

In einem „eigenartigen Verfahren“, wie es alle Parteien nannten, wurde sie zu drei Jahren Haft verurteilt. Die Angeklagte hatte ihren ebenfalls verheirateten Geliebten in dessen Wohnung in einem Aalener Teilort versucht, zu erstechen. 
Gestern standen die Plädoyers auf dem Programm. Zu Beginn berichtete Verteidiger Mehmet Can von Verständigungsgesprächen, die nach dem ersten Verhandlungstag am Montag zwischen den Familien von Täterin und Opfer stattgefunden hatten. Dabei hatte man sich auf eine Zahlung von rund 8500 Euro an den Geschädigten und Nebenkläger als sogenannten Täter-Opfer-Ausgleich geeinigt.

In seinem Plädoyer führte Staatanwalt Martin Hengstler aus, dass die Angeklagte zwar ein Geständnis, durch ihren Verteidiger verlesen, abgelegt hatte, dieser aber selbst durch seine Befragungen der Zeugen versucht hatte, es abzuschwächen, den Tötungsvorsatz abzustreiten. Wodurch es für ihn wenig wert sei. Auch habe der Geschädigte – vielleicht auf Rücksicht auf seine ehemalige Geliebte – teilweise anders ausgesagt als direkt nach der Tat. Auch die Zeugen der Tat – mit der Angeklagten seit langem befreundet – hätten teilweise anders ausgesagt. „Da wurden Weichspüler eingebracht“, sagte er. Nichtsdestotrotz habe die Angeklagte mit Tötungsvorsatz gehandelt, wenn auch keine Mordmerkmale wie Heimtücke oder niedrige Beweggründe zu sehen seien. So sehe er keinen minderschweren Fall, sie habe das Opfer schwer verletzt. Strafmildernd sei, dass die Angeklagte eine gefestigte Familie und keine Vorstrafen habe. Er forderte fünf Jahre Haft für die Angeklagte. Die Nebenklage schloss sich dem an.

„Dies ist anders als ein normaler Fall von versuchtem Totschlag“, sagte Verteidiger Can. Das Opfer habe seine Mandantin nach langjähriger Bekanntschaft zur Beziehung gedrängt, nach deren Beendigung und Entdeckung habe sie sich in einer verzweifelten Lage befunden. Tat und Vorbereitung seien nicht planvoll und rational gewesen, sie habe zwar eine Tötungsabsicht ausgesprochen, aber nicht wirklich gehabt. Sie bereue und leide unter der Haft. Aufgrund dessen und von Geständnis, Entschuldigung und der Verständigung plädiere er für eine Bewährungsstrafe, zumindest hielte er eine Strafe im unteren Maßbereich für möglich, wie vorbesprochen. Die Angeklagte, sagte, dass es ihr sehr leid tue, dass sie ihre Handlung nicht verstehe. 
Richter Bernhard Fritsch begründete die Freiheitsstrafe von drei Jahr der Kammer damit, dass sie einen minderschweren Fall von versuchtem Totschlag sehe. Die Angeklagte sei verzweifelt gewesen, habe die Trennung nicht verkraftet, aber auch mit Plan und Tötungsabsicht gehandelt, was das Mitbringen von zwei Messern zeige. Beim Stich habe sie den Tod des Opfers in Kauf genommen. Das – mangelhafte - Geständnis, die Verständigung und anderes führten zur Strafminderung. Jürgen Eschenhorn

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