Gewinnversprechen für Otto Maier eine Luftnummer

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Der 72-Jährige aus Hofherrnweiler gewinnt bei Sport 1 und soll ein Abo abschließen.

Aalen. Die Freude war groß, als ihm die Stimme am anderen Ende der Leitung sagte: "Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen." Was folgte, war aber nicht der Gewinn, sondern es sollten weitere Vertragsabschlüsse sein.

Otto Maier wägte sich unter den Glücklichen, nachdem er bei einem Gewinnspiel des TV-Senders Sport 1 mitgemacht hatte. Das Rätsel war schnell gelöst, der Telefonhörer direkt zur Hand, der Gewinn so nah. "Nachdem ich in der Warteschleife war, sagte man mir, ich hätte 300 Euro gewonnen", erzählt der Hofherrnweilermer. Er könne wählen: 300 Euro in Form eines Reisegutscheins, in Form von Masken oder in Form von Desinfektionsmittel. Seine Entscheidung war sofort gefällt. Selbstverständlich sollte es die kleine Finanzspritze für die nächste Reise sein.

Doch nicht lange dauerte es, da folgte schon der dicke, große Haken. "Die Frau am Telefon sagte, sie hätten da noch was im Angebot." Ein Abo für eine Tages- oder eine Sportzeitschrift hätte Maier bekommen können. Für ein Jahr kostenlos, dann zu den gewöhnlichen Abo-Preisen, über 100 Euro am Ende des Jahres, wenn er nicht kündige, verlängere sich das Abo automatisch.

Aber Otto Maier wollte kein Zeitschriften-Abo. Und genau hier versteckte sich die Krux: Da Maier das Abo nicht abschließen wollte, sollte er auf seinen Gewinn verzichten. Denn ohne Abo, kein Gewinn, habe ihm die Telefonistin klar gemacht. "Ich habe das Ganze dann abgebrochen und gesagt, sie solle auf ihren Kruscht verzichten."

Ein Gewinn, gekoppelt an eine Vertragsabschließung? "Das ist leider üblich, auch wenn es nicht zulässig ist", sagt Oliver Buttler, Abteilungsleiter Telekommunikation, Internet, Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ein Gewinn ist ein Gewinn, macht er deutlich. Dass man Voraussetzungen erfüllen muss, um überhaupt an den Preis zu kommen, wie ein Los zu kaufen, sei rechtens. Doch ist der Gewinn versprochen, dann könne er nicht im Nachhinein zusätzlich an Bedingungen geknüpft sein, sondern müsse ausgelobt werden.

Auch datenschutzrechtlich bewege sich das Unternehmen da auf dünnem Eis, sagt Buttler. Denn laut DSGVO werden die Daten des Gewinners allein zu Gewinnzwecken notiert, nicht aber für weitere Verkaufsangebote. Buttler macht klar: "Die Bedingungen müssen im Vorfeld geklärt sein."

Relativ häufig passiert so etwas im Reise- und Zeitschriftenbereich. "Hier werden häufig Reisen verlost, die dann nachher so nicht stattfinden", erklärt Buttler. So gelte der Reisegutschein nur für einen gewissen Zeitraum oder eine Region, die im gewünschten Zeitraum deutlich teurer ist. "Dann zahlt man häufig noch drauf", so der Experte.

Doch wie steht es nun um Otto Maier aus Hofherrnweiler? Er fühlt sich betrogen. Das sei Erpressung, findet er. "Sport 1 ist ein großer Sportsender. Dass die sich solche Sachen leisten können", gibt der 72-Jährige zu bedenken. Gewonnen hat er, doch den Preis bekommt er nur bei einem zusätzlichen Vertragsabschluss ausgezahlt – hat er einen Anspruch auf seinen Gewinn?

"Wenn der Preis ausgelobt wurde, hat er einen Anspruch", so Buttler. Doch: "Recht haben und Recht bekommen sind zwei unterschiedliche Paar Stiefel." Denn auch wenn Maier der Preis zustehen würde, es ist nicht einfach, an seinen Gewinn zu kommen. "Entscheidend ist, wo der Sitz der Firma ist", macht Buttler deutlich. "Sitzt das Unternehmen im Ausland, wird es mit der Rechtsdurchsetzung oft schwierig." Bedeutet: Auf Otto Maier würden Kosten zukommen. Kosten, die die Gewinnsumme deutlich überschreiten könnten. Die Aussicht auf Erfolg? Gering.

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