Glocken von Salvator läuten wieder

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Der Kirchturm von Salvator ist frisch renoviert.
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Der Kirchturm des Aalener Gotteshauses auf dem Bohl ist saniert. Das sind die Arbeiten des vergangenen halben Jahres. Festgottesdienst ist am Sonntag, 24. Oktober, um 10.30 Uhr.

Aalen

Sechseinhalb Monate haben die vier Glocken der Salvatorkirche geschwiegen, hat der Kocherstadt ein markanter Klang gefehlt. Diese Zeit endet jetzt - wie geplant - am Sonntag, 24. Oktober. Dann wird der umfassend renovierte Glockenturm der Kirche auf dem Bohl mit einem Festgottesdienst ab 10.30 Uhr, mit dem festlichen Anläuten der Kirchenglocken und einem anschließenden Umtrunk wieder eingeweiht.

5 Kilogramm schwer war das Betonstück, das 2018 aus der Balustrade des Salvatorkirchturms herausgebrochen ist, das in die Tiefe stürzte und fast ein Auto auf dem öffentlichen Parkplatz am Turm getroffen hat. „Das war der Anlass für die Renovierung und für mich ein Schock“, sagt Pfarrer Wolfgang Sedlmeier. Damals sei „Gefahr im Verzug“ gewesen, erklärt der leitende Pfarrer der Seelsorgeeinheit (SE) Aalen. Industriekletterer haben daraufhin das Mauerwerk des Turms mit einem engmaschigen Stahlnetz gesichert und Experten festgestellt, dass am Salvatorturm etliche Stellen des Bewehrungsstahls freiliegen. Die Arbeiten sollten schnell begonnen werden. Im Frühjahr 2020. Das war das Ziel. „Doch dann kam die Corona-Pandemie“, sagt Helmut Erhardt, Bauexperte des Kirchengemeinderats.

1 Jahr lang stand dann die Bauuhr still. Bis Ostermontag 2021 die Glocken zum vorerst letzten Mal erklangen. Was seither geschehen ist, erläutern Pfarrer Sedlmeier, Bauexperte Erhardt und die gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Waltraud Ensle, in luftiger Höhe.

140 Stufen geht es hinauf in die Glockenstube, wo der Glockenstuhl knapp unterhalb der Kirchturmzwiebel steht. An dem Tragwerk aus Stahl hängen die Christus-, die Petrus-, Paulus- und Marienglocke paarweise neben- und übereinander. Zwischen 870 Kilogramm und 3,5 Tonnen wiegen die klanggebenden Riesen. Mit einem Blick erkennt auch der Laie, hier waren Handwerker zugange. Sämtliche Träger des Glockenstuhls sind frisch gestrichen. Die sogenannten Joche, an denen die vier Glocken hängen, sind aus neuem, hellem Holz. Die alten Stahljoche sind zerlegt und im Recycling gelandet.

6 Schwingungsdämpfer sind neu installiert. In ihnen steht der Glockenstuhl, wie in einem Schuh mit Kunststoff ausgefüttert. „Man könnte das Tragwerk samt Glocken, hätte man die Kraft, herausheben“, sagt Erhardt. Nichts sei mit der Glockenstube verschraubt. Die Dämpfer sorgen mit den Holzjochen dafür, dass künftig keine Risse mehr im Mauerwerk entstehen, wenn die Glocken läuten.

4 neue Schallläden – weiß gestrichen – sorgen dafür, dass Wind und Wetter der Glockenstube künftig nichts mehr anhaben können. Der Test ist bereits bestanden. Nichts dringt ins Innere, während draußen das aktuelle Sturmtief über Aalen tobt. Dann zeigt Bauexperte Erhardt auf die Fläche über der neuen, weißen Holztür, die hinaus zur Balustrade führt. Dort hängt ein Kasten – etwa so groß wie zwei Sprudelkisten aneinander gebaut. Das ist die neue Nisthilfe für Turmfalken und nur von außen zugänglich. „Wir haben auch an die Vögel und ihren bisherigen Lebensraum im Turm gedacht“, sagt Helmut Erhardt.

72 senkrechte Einzelteile zählt die Balustrade, die mit einem extra angefertigten Spezialbeton saniert ist. Ein Karlsruher Labor hat, so Bauexperte Erhardt, zunächst den alten Beton untersucht. Mithilfe der Analyse sei es gelungen, die spezielle Betonmischung für die Reparaturen wieder herzustellen. Abschließend habe man die Balustrade mit einem wasserabweisenden Material imprägniert.

2008 gab es erste Hinweise, dass das Kreuz am Turm schief steht. Das ist jetzt behoben. „Wir hatten Glück“, sagt Erhardt. Der Holzstamm, in dem das Kreuz mithilfe eines Stabs befestigt ist, ist von Würmern unbeschädigt und trocken. So habe man das Kreuz neu befestigt und das von Munition durchlöcherte alte Kupferblech durch ein neues ersetzt.

566 000 Euro kostet nach derzeitigem Stand die ganze Renovierung. Noch seien, so die gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Waltraud Ensle, einige Positionen offen; unter anderem müsse das Treppengeländer in der Glockenstube erhöht werden und der Glockensachverständige habe geraten, für die oberen beiden Glocken einen Umgang zu installieren.

In puncto zeitlicher und finanzieller Planung ist die Renovierung laut Ensle ein Musterbauvorhaben.

50 000 Euro der Kosten muss die Kirchengemeinde selbst tragen.

9 Kirchen und drei Kapellen zählen zur Seelsorgeeinheit. In der Silhouette von Aalen ist der Salvatorkirchturm eines der prägenden Elemente. Pfarrer Wolfgang Sedlmeier nennt ihn „eine wichtige Landmarke für die Stadt“ und streicht damit auch die Bedeutung des Gotteshauses auf dem Bohl heraus.

Spenden für die Sanierung erbittet die Gesamtkirchenpflege Aalen unter IBAN: DE 15 614 500 5001 1000 4408; Verwendungszweck: Salvatorturm

Die Glocken der Salvatorkirche
Eine der vier Glocken und das neue Holzjoch
Pfarrer Wolfgang Sedlmeier (v.l), Waltraud Ensle und Helmut Erhardt
Pfarrer Wolfgang Sedlmeier (v.l), Waltraud Ensle und Helmut Erhardt
Die Salvatorkirche auf dem Bohl mit ihrem sanierten Kirchturm
Die Salvatorkirche auf dem Bohl mit ihrem sanierten Kirchturm

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