Govinda beginnt in der Wanne

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Zehn Jahre lang war Alexander Rettenmaier im Vorstand des Aalener Vereins Govinda. Sozial engagiert ist der Hüttlinger schon seit seiner Kindheit.
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Alexander Rettenmaier ist Gründungsmitglied des Aalener Vereins Govinda. Der 43-Jährige will Familie, Beruf und Ehrenamt vereinbaren.

Aalen

Die Geschichte von der Gründung des Aalener Vereins Govinda erzählt Alexander Rettenmaier auch noch 20 Jahre später mit einem Grinsen auf dem Gesicht. "Meine Freunde wollten immer auswandern, Kinder von der Straße holen und ein schönes Leben zu führen", sagt der inzwischen 43-Jährige. "Ich habe zu ihnen immer gesagt, dass sie träumen sollen. Wenn der Plan so weit gediehen ist, schließe ich mich an."

Vor 20 Jahren bekam der Hüttlinger dann den entscheidenden Anruf: "Ich lag gerade in der Badewanne. Ein Freund sagte mir am Telefon, dass er in Nepal den perfekten Ort für ein Waisenhaus gefunden hat und ich eine Vereinssatzung schreiben muss."

"Hals über Kopf" gründeten die damals Anfang 20-Jährigen Govinda. Durch Spendengelder konnte der Verein in der Nähe von Kathmandu ein Waisenhaus bauen und so Kindern eine Perspektive geben.

Rettenmaier war zehn Jahre lang Vorstand der Organisation. Aber, betont der Mann mit dem sympathischem Lachen mehrmals, "ich bin nicht Govinda. Der Verein funktioniert nur, weil es viele Menschen gibt, die sich für die gute Sache einsetzen."

Rettenmaier ist auch so ein Mensch, der sich für die gute Sache einsetzt – ehrenamtlich. Als Jugendlicher war er Jugendleiter, dann aktiv bei den Maltesern im Rettungsdienst, beim Katastrophenschutz, im Sanitätsdienst. Inzwischen ist er Leiter einer Einrichtung des Hauses Lindenhof in Mutlangen und "nebenher" noch selbstständig.

Ganz schön viel, oder? "Ja", gibt Rettenmaier zu. Die Vorstandschaft von Govinda hat er daher vor zehn Jahren abgegeben. "Ich wusste irgendwann gar nicht mehr wo ich wohne. Meine Familie habe ich zu selten gesehen."

Vielleicht habe ich ein Helfersyndrom?

Alexander Rettenmaier über sein soziales Engagement

Ein Spruch auf einem Flyer als Motivation

Auch jetzt, zwischen dem Job als Einrichtungsleiter und der Selbstständigkeit, hat der 43-Jährige nicht viel Zeit für seine Familie. Seine Frau und seine beiden Töchter sind dem Mann im farbenfrohen Hemd äußerst wichtig.

Doch warum engagiert sich Rettenmaier so viel im sozialen Bereich, wenn die Familie manchmal auf der Strecke bleibt? "Vielleicht habe ich ein Helfersyndrom", lacht er. Überlegt. Legt den Kopf etwas schräg und sagt: "Es ist wohl Prägung. Von klein auf war ich im Sozialwesen aktiv, auch meine Brüder arbeiten in dem Bereich."

Der 43-jährige Mann aus dem Kochertal sieht sich allerdings nicht als Held, nicht als jemand Besonderen. "Ich gehe am Abend nach Hause wie jeder andere auch. Ich glaube nicht, dass ich etwas Besonderes tue", sagt er.

Seine Motivation ist ein Spruch, der damals auf dem ersten Govinda-Flyer stand: "Wenn wir Menschen uns nicht gegenseitig helfen, wer macht es dann?"

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