Graureiher fühlen sich in der Stadt sichtlich wohl

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Ein Graureiher mit seiner Brut auf dem Sankt-Johann-Friedhof, aufgenommen an Ostern. Mittlerweile sin die Tiere hinter dem dichten Blattwerk der hohen Bäume kaum noch zu sehen.
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Auf dem Sankt-Johann-Friedhof lebt seit einiger Zeit eine Gruppe von Graureihern. Warum es ihnen dort gefällt und wie lange sie bleiben könnten.

Aalen. Man sieht sie nur, wenn man lang genug wartet. Aber man hört sie. Wenn sie mit ihren weiten Schwingen anfliegen. Oder wenn die Brut im Nest hungrig krächzt. Auf dem Aalener Sankt-Johann-Friedhof fühlen sich Graureiher offenbar so wohl, dass sie sich dort gleich in einer Kolonie angesiedelt haben. 

Warum die Reiher da sind

Ganz genau weiß man das nicht. Die Reiher würden offenbar die hohen alten Bäume sehr schätzen, es gebe Wiesen und Felder drumherum, erklärt dazu Kreisökologin Simone Foltyn. Dass der Friedhof mitten in der Stadt ist, störe die Tiere offenbar nicht. „Das ist ein Raum, der eigentlich geschützt ist“, sagt die Expertin. 

Seit wann die Tiere dort leben

„Ich habe die Reiher das erste Mal vor zwei Jahren bemerkt“, sagt Horst Fischer, der jährlich die NABU-Vogelführungen auf dem Friedhof anbietet. Anfang Mai sei das gewesen, schon im Lockdown. „Da dachte ich: was ist denn da los.“ Es seien dann immer mehr geworden - von anfangs vier Nestern bis jetzt zu acht, so viele nennt zumindest Fischer. „Das heißt aber nicht, dass alle belegt sind. Aber das ist wunderbar.“ Frühere Reiherpopulationen kenne er nur von Itzelberg oder später auch vom Bucher Stausee.

Mäuse- statt Fischreiher?

Der Reiher sei in den 30er-Jahren fast ausgestorben gewesen, so Fischer. Er habe als Fischräuber gegolten und sei deshalb gejagt worden. „Die gehen schon ans Wasser, stehen auch in der Aal und im Kocher“, so der Vogelexperte. „Aber eben auch auf den Äckern und den Feldern.“ Dort gebe es Mäuse - das Hauptnahrungsmittel der Reiher. „Sie fressen aber auch kleine Schlangen und Blindschleichen. Was sie eben bekommen. Der Reiher findet immer was.“ Anders als der Storch bewege sich der Reiher oft lange nicht. „Die stehen wie die Katze vor dem Mauseloch.“

Wie lange die Reiher bleiben

„Die kommen im nächsten Jahr vermutlich wieder, verlassen die Nester aber bis spätestens Ende Juni“, sagt Simone Foltyn. Im März hätten auf dem Friedhof die Krokusse geblüht, da habe es besonders viele Besucherinnen und Besucher gegeben, die auch die Reiher fotografiert hätten. Aktuell muss man den Kopf dagegen sehr strecken, um die Nester überhaupt zu entdecken. Das Blattwerk ist dicht. 

Der ein oder andere Anwohner hätte sich über die Tiere aber auch beschwert, so Simone Foltyn. „Die krächzen ja laut und streiten sich auch, vor allem die Jungvögel. Da gibt es schon einen gewissen Lärmpegel.“ 

Warum Menschen nicht stören

Dass neugierige Naturkundler und Friedhofsbesucher die Vögel stören könnten, hält Simone Foltyn für unwahrscheinlich. Die Nester seien weit oben, die Tiere dort trotzdem ungestört. „Ich persönlich finde, das ist ein Erlebnis, die Tiere dort zu beobachten“, sagt sie. 

„Die sind jetzt die Menschen gewöhnt“, weiß auch Horst Fischer. Dass die Reiher noch eine Weile in ihren Nestern oder in den Bäumen auf dem Friedhof übernachten, sei nicht unwahrscheinlich. 

Ein Graureiher mit seiner Brut auf dem Sankt-Johann-Friedhof, aufgenommen an Ostern. Mittlerweile sin die Tiere hinter dem dichten Blattwerk der hohen Bäume kaum noch zu sehen.

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