Grippe-Impfstoff erst wieder in der zweiten Novemberhälfte

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Viele Menschen nutzen die Möglichkeit der Grippe-Impfung in diesem Jahr zum ersten Mal.

Schon jetzt gibt es Wartelisten in Arztpraxen der Region. Auch Apotheken erleben Ansturm wie nie zuvor.

Aalen

Einen solchen Ansturm auf Grippe-Impfdosen hat Apothekerin Susanne Baumhauer in Schwäbisch Gmünd noch nicht erlebt. 30 Anrufe am Vormittag, von Privatpersonen, von Arztpraxen, auch von Leuten bis aus dem Raum Göppingen, das hat es zuvor so nicht gegeben. "Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass es aktuell keinen Impfstoff gibt", sagt die Inhaberin von zwei Apotheken. Seither ist es wieder ruhiger geworden.

Schuld an dieser Nachfrage ist auch die Corona-Pandemie. Dazu kommt nach Worten des Abtsgmünder Facharztes für Innere Medizin, Wolfgang Schlipf, Mitglied im Vorstand der Kreisärzteschaft Aalen, dass die Politik weitere Personengruppen zu Grippeimpfungen aufgefordert hat, "auch die, die es nicht wirklich brauchen". Wolfgang Schlipf denkt dabei an Kinder, für die Grippe kaum ein Risiko darstelle. Er selbst hat jetzt 30 seiner Patienten auf einer Warteliste. Die aktuelle Information sei, dass Mitte November weiterer Impfstoff ausgeliefert werde.

Das ist wahrscheinlich, aber nicht sicher. "Der Impfstoff ist noch nicht freigegeben", sagt Susanne Baumhauer. Zunächst prüfe das Paul-Ehrlich-Institut die neuen Chargen. Erst dann könnte der Großhandel die Impfdosen ausliefern. Unterdessen empfiehlt die Kreisärzteschaft Schwäbisch Gmünd in einer Mitteilung die Grippeimpfung für Menschen über 60 Jahren sowie Personen mit chronischen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systemes, der Lunge, Niere, Leber, des Nervensystems oder auch des Immunsystemes. Eine Impfung im November komme rechtzeitig, um einen Schutz gegen die Grippe aufzubauen.

Dr. Erhard Bode, Vorsitzender der Kreisärzteschaft Schwäbisch Gmünd, weiß um den Engpass bei der Versorgung mit Grippe-Impfdosen, auch wenn er als Lungenfacharzt nicht selbst gegen Grippe impft. "Patienten sollten sich bei Impfungen immer an den Hausarzt wenden, er kennt sie am besten."

"Durch Corona hat ein Umdenken stattgefunden", sagt Wolfgang Schlipf. Die Impfnachfrage sei drastisch angestiegen. Noch vor zwei Jahren, so geht aus einer Statistik des Bundesgesundheitsamts hervor, ließen sich nur 13,4 Millionen Menschen in Deutschland gegen Grippe impfen.

Durch Corona hat ein Umdenken stattgefunden.

Wolfgang Schlipf Arzt für Allgemeinmedizin

Hohe Impfrate hilft

Dabei war 2018 ein Jahr mit vielen gefährlichen Grippeverläufen, wie Wolfgang Schlipf anmerkt. Damals seien in Deutschland 20 000 Menschen an der Krankheit gestorben. 2020 dagegen sehr wenige, "vielleicht auch, weil die Menschen Anfang des Jahres schon viel vorsichtiger waren", sagt er. Durch die aktuelle Verwendung des Mund- und Nasen-Schutzes und die Berücksichtigung der Hygieneregeln könnten die Krankheitsverläufe günstiger ausfallen. Der Mund- und Nasen-Schutz hat nach Einschätzung von Dr. Erhard Bode schon jetzt Auswirkungen auf Covid-19. Es gebe derzeit mehr Infizierte als im April, aber die Zahl derer, die intensivmedizinisch behandelt werden müssten, betrage nur ein Sechstel davon.

Die Kreisärzteschaft schätzt das Interesse an der Grippeschutz-Impfung. Besonders bei Risikopatienten könnte es zu schweren Krankheitsverläufen kommen. "Eine Doppelinfektion mit Grippe und Covid-19 ist möglich, was den Erkrankungsverlauf verschärfen kann", heißt es in der Mitteilung. Um das Gesundheitssystem vor einer Überlastung durch beide Erkrankungen zu schützen, sei es wichtig, die Anzahl schwerer Grippeerkrankungen zu reduzieren. "Dies ist mit einer hohen Grippe-Impfrate am besten zu erreichen."

In diesem Jahr wird sie wohl erreicht. "Die Nachfrage war doppelt so hoch wie sonst", sagt Apothekerin Susanne Baumhauer, die schon andere Zeiten erlebt hat: "Wir mussten früher schon Grippe-Impfdosen wegwerfen." In diesem Jahr hat sie beim Großhändler nachbestellt, "deshalb konnten wir noch bis vor knapp zwei Wochen Grippe-Impfstoff ausgeben." Mitte bis Ende des Monats dürften die Lager wieder gefüllt sein. Ob es für alle dann noch Impfwillige ausreicht, ist offen.

Die Krankenkassen in Baden-Württemberg übernehmen Impfungen gegen Influenza für ihre Versicherten freiwillig.

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