Großer Bahnhof für Betriebsseelsorger Rolf Siedler

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Nach 28 Jahren Tätigkeit endete Rolf Siedlers Dienst mit einem Dankesmarathon.
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Nach 28 Jahren Tätigkeit endete Siedlers Dienst mit einem Dankesmarathon.

Aalen. Insgesamt dreizehn Redebeiträge, dazwischen tolle Songs des „Unterbrecher-Syndikats“ mit Norbert Botschek, Matthias Kehrle, Markus Braun und Rolf Siedler, die feinsinnig Lebenswerk und Philosophie von Rolf Siedler unterstrichen haben: „Mittendrin sein unter den Menschen, als Brückenbauer wirken.“ Jenem Betriebsseelsorger, der gerne Charles Eisenstein zitiert: „Wer ich bin, hängt davon ab, wer Du bist.“

Für die Moderation zeichnete Siedlers Nachfolgerin Karolina Tomanek verantwortlich. Wolfgang Herrmann, Leiter der Betriebsseelsorge würdigte Siedlers Schaffen als Mensch, Christ und Theologe mit ganzem Herzen. Ein durchaus streitbarer Kritiker und Theologe, der sich auch zur Aufgabe gemacht habe, die Spuren Gottes zu suchen. Er habe den ursprünglichen Menschen gesehen jenseits aller Verwertbarkeit. „Du warst immer ein Geburtshelfer für menschliche Würde“, so Herrmann. Landrat Dr. Joachim Bläse betonte, dass in Siedlers Arbeit der Anspruch für elementares Teilhabegefühl spürbar sei. „Nahe an den Menschen sein“, sei sein Motto gewesen, Tag für Tag. Siedler habe sich auch hochverdient gemacht in Ehrenämtern, wenn es um soziale Teilhabe und soziale Gerechtigkeit gegangen sei. Als i-Tüpfelchen obendrauf wirke er als Musiker im Unterbrecher-Syndikat als begnadeter Gitarrist. „Wir brauchen Dich weiter als Brückenbauer in Deinen Ehrenämtern“, so der Landrat abschließend. Oberbürgermeister Frederick Brütting sah im scheidenden Betriebsseelsorger den „Mittler und Joker“, wenn es einmal brenne. Oft habe schon seine Anwesenheit als ruhender Pol Abhilfe geschaffen. „Nie aufgebend, wenn Zweifel und Widerstände präsent waren“, ergänzte der OB. So sei er auch im Ehrenamt unersetzlich.

„Den Menschen jedweder Herkunft anerkennen und seine Nähe suchen“, dies sei die Lebenseinstellung von Dr. Rolf Siedler, erklärte MdB Leni Breymaier. „Du bist für uns alle unser Betriebsseelsorger“, meldete sich Tobias Kriegisch als Dekanatsreferent des Dekanats Ostalb zu Wort. „Ein Systemsprenger im besten Sinne und der beste Block in unserem System“, fügte Kriegisch hinzu. Festgefahrene Systeme zu durchbrechen zeichne die Handschrift Siedlers aus. Damit habe er die Köpfe der Menschen erreicht. „Nicht starr am Regularien festhalten, sondern den passenden Spalt flexibel suchen“, meinte Sascha Eberhard, Geschäftsführer der Franke GmbH. In der Belegschaft habe er sich schnell einen Namen gemacht. Vorschnelle Urteile seien Siedler fremd, meinte Eberhard, der an sehr erfolgreiche Workshops erinnerte, in denen Siedler als Ratgeber und Vermittler aufgetreten sei. Er gebe den Menschen das Gefühl, etwas aus eigener Kraft schaffen zu können. „Sie schaffen es, den Menschen den Blick über den Tellerrand zu geben“, schloss der Franke-Geschäftsführer. Der ehemalige erste Bevollmächtigte der IG Metall Roland Hamm würdigte Feingefühl und Ausdruckskraft Siedlers, dass bei Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern die beiden Pole als Partner und nicht als Klassenfeinde in der Arbeitswelt begegnen. Siedler habe hautnah die Arbeits- und Lebenswelt der Menschen gekannt. „Du, lieber Rolf, bist die Kraft der Solidarität in Person“, laudierte Hamm. Dabei habe er immer klare Kante gezeigt, wenn es um Unterdrückung von Menschen gegangen sei.

Das Beste kommt wie immer zum Schluss und man spürt, dass es richtig von Herzen kommt. Er dürfe auf sehr erfüllte Jahre als Betriebsseelsorger zurückschauen, sagt Siedler in seinen Dankesworten und stellt fest: „Ja, es war für mich ein Privileg, Betriebsseelsorger zu sein und die Wirklichkeit im Arbeitsleben zu sehen und mit anderen Sorgen und Nöte zu teilen.

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