Grüner Sieg dank Kretschmann

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Politische Akteure aus der Region kommentieren den Wahlausgang. Wie sie ihn erklären und was sie nun fordern.

Aalen

Die Grünen im Höhenflug und eindeutiger Wahlsieger, die CDU mit herben Verlusten. Das Ergebnis der Landtagswahl ist eindeutig. Die Reaktionen darauf, die Erklärungen dafür sind vielfältig, wie Nachfragen bei den politischen Akteuren in der Region zeigen.

"Schnell zusammenraufen", Thilo Rentschler (Oberbürgermeister Aalen, SPD): Aalens OB gratuliert dem "eindeutigen Wahlsieger" auf Landesebene. Und verweist darauf, dass es "umgekehrt in Rheinland-Pfalz der SPD gelungen ist", dass einem "sehr beliebten Amtsinhaber ein eindeutiges Votum vom Souverän" ausgesprochen wurde. Dass die SPD zweistellig geblieben sei und drittstärkste Kraft, sei kein riesiger Trost, aber immerhin stehe man diesmal, anders als 2016, vor der AfD. Er sei gespannt auf die Regierungsbildung: "Mein Wunsch ist, dass wir möglichst eine stabile Situation bekommen", so Rentschler. "Mein Appell ist an die Verantwortlichen, sich schnell zusammenzuraufen." Man müsse auf die Herausforderungen sowohl im Bereich der Wirtschaft als auch im Bildungssystem umgehend besonnen, schnell und pragmatisch regieren. Dass eine große Koalition dem Land guttut, zweifelt Rentschler an. Demokratie brauche eine starke Opposition.

"Die CDU hat die Quittung bekommen", Margot Wagner (Kreisfrauenrat): Die CDU werde mit ihrem Ergebnis abgestraft für mangelnden Willen zur Erneuerung. "Die CDU muss endlich beginnen, das Altmännergedöns hinter sich zu lassen", sagt Margot Wagner, die selbst seit fast 40 Jahren der CDU angehört. Die Partei müsse "nach vorn denken", Frauen paritätisch einbinden – "da geht's nicht ohne Quote" – und verstärkt junge Leute ansprechen. Andernfalls fürchtet sie, dass die CDU im Ländle irgendwann sogar unter 20 Prozent fällt. Unter Umständen gelinge eine Erneuerung sogar besser in der Opposition. Nur ein Abgeordneter für den östlichen Landkreis gegenüber drei für den Gmünder Raum: Diese Konstellation sei nicht unbedingt ein Nachteil – "Winfried Mack hat viel Erfahrung, die anderen müssen sich erst bewähren."

"Eindeutige Kretschmann-Wahl", Dr. Gunter Bühler (Bürgermeister Bopfingen, CDU): "Es war eine eindeutige Kretschmann-Wahl. Der Ministerpräsident verkörpert Elemente eines breiten bürgerlichen Lagers und er hat viele konservative Wähler abgeräumt", so Bühler, selbst CDU-Mitglied. Die CDU habe momentan Probleme. "Ich glaube nicht mal, dass die Maskenaffäre so ausschlaggebend war", sagt Bühler. Die CDU müsse sich in Baden-Württemberg wieder besser aufstellen, wieder besser zum Wähler durchdringen. Ob die bürgerlichen Elemente, die Kretschmann verkörpere, auch Eingang in die zukünftige Politik finden, müsse man sehen. Bühler befürchtet, dass die fundamentalistischen Kräfte, auch durch die jungen Grünen vertreten, gegen eine Koalition mit der CDU sind. Andererseits habe man aber auch den Eindruck, dass sich Kretschmann mit seinem konservativen Partner nicht ganz unwohl gefühlt habe. Dass Gmünd nun drei Abgeordnete im Landtag hat und der Wahlkreis Aalen nur einen, sieht Bühler nicht als Problem: "Man arbeitet ja an der Sache."

"Das war fast unvorstellbar", Volker Grab (Bürgermeister Ellwangen, Bündnis 90/Grüne): "Ich habe mich absolut gefreut über das sensationelle Ergebnis", sagt Grab. Besonders auch darüber, dass seine Kreistagskollegin Martina Häusler den Sprung in den Landtag geschafft hat. "Das war fast unvorstellbar, wenn wir überlegen, wie die Grünen vor 30 Jahren angefangen haben." Die Partei habe sich seitdem verändert, sei längst in der bürgerlichen Mitte angekommen, habe aber auch die Gesellschaft verändert. Auch Volker Grab glaubt, dass das gute Wahlergebnis auch auf die Person Kretschmann zurückzuführen sei. Er denke aber auch, dass die Menschen gesehen hätten, dass man gute Regierungsarbeit gemacht habe. Die Kernthemen Ökologie und Klima würden in den nächsten Jahren noch wichtiger werden. Gebe es eine "Wunschkonstellation", setzt Grab auf Grün-Rot, die FDP in der Person von Hans-Ulrich Rülke habe die Grünen im Landtag in den letzten Jahren "hart angegangen".

"Freue mich über vier Abgeordnete, egal welcher Couleur", Peter Traub (Bürgermeister Oberkochen, Freie Wähler): Er hätte sich gewünscht, dass mehr Abgeordnete als nur Winfried Mack den Wahlkreis Aalen im Landtag vertreten. "Oft hat man immer noch den Eindruck, der Ostalbkreis spielt im Land keine allzu große Rolle. Der Stuttgarter Horizont hört nach dem Remstal auf." Freie Wähler in den Landtag – davon hält er in Baden-Württemberg nichts. Von ihrem Selbstverständnis her sei die Gruppierung eine kommunale Bürgerbewegung.

"Parteilos und unabhängig", Miriam Hehr (Fridays for Future): "Wir sind ja eine Bewegung, parteilos und unabhängig, sind aber froh, dass eine Partei gewonnen hat, die sich auch für unsere Ziele einsetzt." Man hoffe, dass nun auch das Ziel, dass es bis 2030 nicht mehr als 1,5 Grad globalen Temperaturanstieg geben darf, auf Landesebene in den Koalitionsvertrag komme – oder besser noch in ein eigenes Klimaschutzgesetz. Wenn es weitergehe mit Grün-Schwarz, werde das vermutlich nichts. Dass das Thema Klimaschutz in den letzten Jahren an Wichtigkeit gewonnen hat, habe sicher auch was mit der Fridays-for-Future-Bewegung zu tun, so Miriam Hehr.

"Aus meiner Sicht spielt das keine entscheidende Rolle", sagt Winfried Mack, der zum fünften Mal gewählte Aalener CDU-Abgeordnete, auf die Frage, ob der Aalener Wahlkreis einen Nachteil hat, weil er nur von einem Abgeordneten vertreten wird. Alle anderen Nachbarkreise haben künftig mindestens zwei Abgeordnete in Stuttgart. Mack: "Was nützt es, wenn noch einer von der AfD dabei ist?" Es komme darauf an, den Wahlkreis "kraftvoll" zu vertreten. Zudem sei die Zusammenarbeit mit Abgeordneten aus den Nachbarkreisen geübt. "Wir sehen uns alle als Abgeordnete unserer Heimatregion", erklärt Mack, der in der zu Ende gehenden Landtagsperiode Betreuungsabgeordneter für die CDU in Heidenheim war.

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