Heiraten in Corona-Zeiten: wenn sich keiner mehr traut

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Brautsträuße sind in diesem Jahr eher selten. Die Corona-Krise hat der Hochzeitssaison einen Strich durch die Rechnung gemacht. Trotz Lockerungen ist die Verunsicherung groß. Symbolbild: pixabay
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Die neuen Lockerungen sorgen für Unsicherheit. Großes Fragezeichen zu Feiern, Trauung und für Gastronomen.

Aalen

100, 20 oder doch 99? Die neuen Corona-Lockerungen zu privaten Veranstaltungen haben für ordentlich Verwirrung gesorgt – vor allem beim Thema Hochzeit. Vor knapp einer Woche keimte die Hoffnung, dass wie angekündigt ab Juni Familienfeste mit bis zu 100 Personen gefeiert werden können. Am Dienstagabend brachte die Personenregel, die nicht mehr als zehn Personen im Innenraum und 20 Personen im Außenbereich erlaubt, bittere Enttäuschung. Das Fragezeichen um das Thema Hochzeit wurde immer größer.

Der Konflikt führte den Koalitionsausschuss der Landesregierung am Freitag noch einmal zu einem Gespräch zusammen. Das Ergebnis: Ab dem 9. Juni sollen private Feiern zuhause mit bis zu 20 Personen und in angemieteten Räumen mit maximal 99 Personen wieder erlaubt werden.

Für viele Paare ist das Thema Hochzeit für dieses Jahr jedoch schon gestorben. Das Hin und Her hat viele verunsichert.

Katrin Berger aus Aalen ist freie Rednerin und in engem Kontakt mit den Brautpaaren. Sie freue sich natürlich, wenn nun doch die ein oder andere Hochzeit stattfinden kann. Aber eines sei sicher: verschobene Termine werden sicher nicht mehr zurückgerudert. Mit Mundschutz, ohne Tanz und ohne Berührungen – so wolle doch sowieso niemand heiraten, sagt sie.

So läuft's auf dem Standesamt

In den Standesämtern wurden nach den Lockerungen bereits die ersten Paare getraut. Dennoch sind viele Hochzeiten verschoben oder abgesagt – in Gmünd rund die Hälfte der geplanten Trauungen, teilt die Stadtverwaltung mit.

Unter Einhaltung der allgemeinen Hygiene- und Abstandsregeln darf nun jede Kommune selbst entscheiden, welche konkreten Schutzvorkehrungen getroffen werden. Dabei kommt es vor allem auf die Größe des Raums an. Die Stadt Aalen hat festgelegt, dass ab sofort für jede Person vier Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen solle. In den Trauraum im Aalener Rathaus dürfen somit nicht mehr als zehn Personen. Am meisten Platz mit bis zu 50 Personen gibt's in den Außenbereichen von Schloss Fachsenfeld.

So will keiner heiraten.

Katrin Berger Freie Rednerin

Brautpaar, Standesbeamte und in der Regel zwölf Gäste seien es in Gmünd, so die Stadtverwaltung. Der Ellwanger Standesbeamte Jürgen Schäfer redet von "Glück", dass im Vortragsraum des Palais Adelmann bis zu 25 Personen trotz Abstandsregel einen Platz finden.

Kaum kirchliche Trauungen

Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche werden nach den Lockerungen nicht gerade mit Terminanfragen überhäuft. Im Gegenteil. Fast alle kirchlichen Trauungen wurden verschoben. "Sie wollen im üblichen Rahmen feiern", sagt Aalens katholische Pfarramtssekretärin Margot Gentern. Dazu gehören Umarmungen und Gesang – beides aktuell nicht erlaubt.

Bis auf ein Brautpaar, das unbedingt Ende Juni im kleinen Kreis heiraten will, seien sämtliche Termine seit März und bis nach der Sommerpause vorsorglich schon auf das kommende Jahr verschoben worden.

Gastronomen fehlt die Klarheit

Dieses Hin und Her sei das Schlimmste, sagt Hans-Jörg Opferkuch, Inhaber des Aalener Römerhotels. Man könne keine klaren Aussagen machen. Auch wenn bald doch mit bis zu 99 Personen gefeiert werden darf – "aber wie?", fragt sich Opferkuch. Ihm selbst fehlen ebenso klare Aussagen. "Dürfen die dann einen Sektempfang machen? Darf getanzt werden?" Zudem sei die Planung zu kurzfristig. Die meisten Paare hätten ihren Termin schon verschoben. Die Scheunenwirtin im nahe liegenden Bartholomä ist eine der beliebtesten Hochzeitslocations im Ostalbkreis. "Ich weiß nicht, wie viele Bräute ich vor mir habe, die heulen", sagt Inhaberin Renate Lieb. Auch sie lebt von der Eventgastronomie. "Wir haben keine Gäste, aber Arbeit wie nie", sagt sie. Das Telefon stehe nicht mehr still. Gefühlt 24 Stunden am Tag beantworte sie Fragen. Viele ihrer Gäste seien abgesprungen, weil sie aufgrund der wirtschaftlichen Lage, nicht wissen, ob sie sich die Hochzeit überhaupt noch leisten können. Andere haben Angst, dass ihre Feier plötzlich zum Infektionsherd wird.

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