Heiraten während Corona - zwischen Enttäuschung und Erleichterung

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Romantik trotz Corona-Regeln? Viele Hochzeitspaare entscheiden sich dazu, 2020 nur standesamtlich im kleinen Rahmen zu feiern und die kirchliche Hochzeit samt Party zu verschieben.
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Abgesagt, verschoben oder im kleinen Rahmen – die SchwäPo hat nachgefragt, wie es um Hochzeiten in Aalen steht.

Aalen

Eine Hochzeit zu planen ist stressig – aber eine Hochzeit während der Corona-Pandemie zu planen ist nervenaufreibend. Wer 2020 trotz Corona heiraten will, muss Einschränkungen hinnehmen. Seit dem 9. Juni gibt es in Baden-Württemberg Lockerungen bei privaten Veranstaltungen. Feiern mit bis zu 100 Teilnehmenden sind wieder möglich, diese Verordnung läuft allerdings diesen September aus. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann kündigte an, man werde das Infektionsgeschehen bei Privatfeiern genau im Auge behalten und gegebenenfalls reagieren.

Die SchwäPo hat in Aalen nachgefragt

Wie sieht die Hochzeitssituation in Aalen aktuell aus? Die SchwäPo hat sich unter anderem bei Pfarrern, beim Standesamt und einer zukünftigen Braut umgehört.

Viele Paare haben sich damit abgefunden, dass es große, ausgelassene Hochzeitsfeiern in diesem Jahr nicht mehr geben wird. Standesamtliche Trauungen finden im Aalener Raum zwar statt, den Gottesdienst samt anschließender Party verschieben die meisten Heiratswilligen aber in das kommende Jahr.

Das bestätigt auch der leitende Pfarrer der katholischen Gesamtkirchengemeinde Aalen, Wolfgang Sedlmeier. "Rund 80 Prozent der Hochzeiten sind in diesem Jahr ausgefallen. Allerdings haben die meisten Paare noch keinen weiteren Termin ausgemacht", so der Pfarrer. Die Brautpaare möchten sich in dieser Situation nicht festlegen und warten auf Sicherheit.

Fünf Hochzeiten fanden dann doch statt – entweder im ganz kleinen Rahmen oder mit der zulässigen Höchstgästezahl. "Dafür ist die Salvatorkirche gut geeignet, weil dort sogar bis zu 140 Gäste mit Abstand Platz haben", sagt der Pfarrer.

Verschoben auf das kommende Jahr

Auch der evangelische Stadtpfarrer Bernhard Richter hatte mit vielen verzweifelten Hochzeitspaaren zu tun. "Bei mir wurden von Mai bis jetzt alle Hochzeiten aufs nächste Jahr verschoben", erzählt er. Lediglich in den kommenden Monaten hat er drei Hochzeiten in seinem Terminkalender stehen.

Andreas Mayer, Abteilungsleiter des Aalener Standesamtes, konnte einen Trend erkennen, die "Hochzeit auf dem Papier" trotzdem durchzuziehen. "Wir hatten nur rund zehn Prozent Absagen", erzählt Mayer. Auch, wenn einige Paare enttäuscht darüber waren, dass aufgrund der unterschiedlichen Größe der Räumlichkeiten nur zehn bis 30 Personen teilnehmen konnten, gab es überwiegend Verständnis für die Corona-Regelungen.

Ein beliebter Ort für standesamtliche Trauungen ist das Schloss Fachsenfeld. Dr. Roland Schurig, Geschäftsführer der Stiftung Schloss Fachsenfeld, erzählt, dass die vergangenen Monate für die Brautpaare eine Achterbahnfahrt zwischen Enttäuschung und Erleichterung war. "Der Schock und die Angst waren bei den Paaren am Anfang groß", erzählt er. Viele Paare wollten ihre Hochzeit in den Herbst verschieben. "Deswegen haben wir uns auch dazu entschieden, dass wir die Saison nicht wie üblich Ende Oktober beenden, sondern dass wir das Ende offenlassen", sagt Schurig weiter. Im Juni kamen dann mit den Lockerungen wieder mehr Anfragen und die Brautpaare haben gerne die Trauung im Freien in Anspruch genommen, so Schurig weiter.

Rund 80 Prozent der Hochzeiten sind ausgefallen.

Wolfgang Sedlmeier Katholischer Pfarrer

Hochzeiten im kleinen Rahmen feiern

In den Räumlichkeiten des Schlosses dürfen unter Corona-Regelungen bislang maximal 25 Personen an einer Trauung teilnehmen. "Man hat gemerkt, wie erleichtert die Paare waren, als man dann doch wieder im kleinen Rahmen heiraten durfte", berichtet Schurig. Und anstatt Corona-Frust spürten die Heiratswilligen eine Dankbarkeit, diesen besonderen Tag trotz aller Widrigkeiten, wenn auch im kleinen Rahmen, zelebrieren zu können.

Im Goldenen Lamm in Unterkochen steigen sonst große ausgelassene Hochzeitsfeiern, doch auch dort ist in diesem Jahr alles anders. "Gut 80 Prozent der Paare haben ihre Feier auf das nächste Jahr verschoben", sagt Geschäftsführer Alexander Asbrock. Ein spezielles und strenges Hygienekonzept wurde entwickelt und auf einen Empfang und Tanz wurde komplett verzichtet.

"Anfangs war es für alle eine seltsame Situation", erinnert sich Asbrock. Doch mit der Zeit haben sich Personal und Gäste an die besonderen Gegebenheiten gewöhnt und die Brautpaare sind froh, dass sie überhaupt mit ihren Familien zusammenkommen, sagt Asbrock.

2021 sind die Termine fast ausgebucht

Weil im kommenden Jahr dann zwei Jahrgänge zusammenkommen, hat Asbrock für 2021 bereits einen vollen Terminkalender: "Aber die ein oder andere Lücke lässt sich bestimmt noch finden", sagt er schmunzelnd. Auf mögliche Änderungen der Corona-Regelungen für private Feiern ist Asbrock bereits vorbereitet. "Wir haben schon im Voraus mehrere Szenarien durchgespielt und Konzepte für verschiedene Änderungen in der Schublade."

Ungern Erinnerungen an "Corona-Hochzeit"

Die vergangenen Monate waren für die zukünftige Braut Selina Pacharova aus Aalen eine Tortur. Geplant war eine Hochzeit mit 180 Gästen Ende Oktober. "Wir haben große Familien, die aus ganz Deutschland anreisen würden", erzählt sie. Bis aufs kleinste Detail hatte die zukünftige Braut ihre Hochzeit organisiert. "Bis zuletzt haben wir gehofft und gebangt, dass wir die Feier wie geplant durchführen können, denn Gäste ausladen kommt nicht in Frage."

Doch das Hochzeitspaar hatte sich nun schweren Herzens für eine Absage entschieden. "Wir möchten auch nicht, dass unsere Hochzeit als "Corona-Hochzeit" in Erinnerung bleibt", sagt sie traurig. Ein neues Datum habe das Paar aber noch nicht festgelegt. "Das Hin und Her möchte ich nicht mehr mitmachen, erst wenn wir Gewissheit haben, dass wir es durchführen können, legen wir uns fest."

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