Hindernisse auf dem Weg zur Konfirmation

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Unser Bild zeigt Die Konfirmanden der Kirchengemeinde Aalen mit Pfarrerin Caroline Bender und Pfarrer Bernhard Richter, hinter dem Gemeindehaus vor ihrem Arbeitseinsatz mit Handschuhen und Mülltüten. Sie haben in dieser Woche ganz praktische Arbeit verri

An diesem Sonntag werden die ersten Konfirmandinnen und Konfirmanden des Jahres eingesegnet. Was der Aalener Pfarrer Bernhard Richter den jungen Menschen mit auf den Weg gibt und was er von seiner eigenen Konfirmation erzählt.

Aalen

Sie ist fester Bestandteil protestantischer Frömmigkeit – in Württemberg schon seit 1723. Junge Menschen entscheiden mit der Konfirmation selbst über ihre Haltung zu Glaube und Kirche.

An diesem Wochenende beginnen die Konfirmationen im Kirchenbezirk Aalen. Die SchwäPo veröffentlicht traditionell die Namen derer, die in den kommenden Wochen und Monaten konfirmiert werden.

Ein Wort an die jungen Menschen hat in diesem Jahr Pfarrer Bernhard Richter geschrieben:

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, es war am 6. Mai 1972, also vor fast genau 50 Jahren, als in der Reuschkirche in Göppingen die Hauptprobe zur Konfirmation anberaumt wurde. Ich gehörte dazu und war froh, endlich mal von daheim wegzukommen, denn dort wurde aufgeregt hin- und hergeräumt und gedeckt und geputzt, denn meine Konfirmation sollte zuhause gefeiert werden.

Peinliche Situation

Bei der Hauptprobe ging einiges schief. Wir waren über 50 und konnten unsere Texte nicht. Wir waren bei den Einsetzungsworten zum Abendmahl angekommen, als das gemeinsame Aufsagen scheiterte, weil es wohl keiner so recht konnte. Der Pfarrer richtete dann hoffnungsvoll seine Blicke auf mich. Ich sollte die Worte: In der Nacht, da er verraten ward und ... sagen. Doch auch ich konnte sie nicht. Dann ist bei mir der Faden der Erinnerung gerissen, aber ich weiß noch, dass an der Konfirmation selbst alles einigermaßen gelungen war, und wir bei bewölktem Himmel, aber trockenem Wetter ein schönes Fest gefeiert haben.

Auch wenn ich nun ein goldener Konfirmand bin und 50 Jahre vergangen sind, habe ich doch genau diese eine, für mich peinliche Situation nicht vergessen, auch wenn ich heute noch froh bin, dass es nur die Hauptprobe und nicht die Konfirmation war.

Aber ich bin in den fast 40 Jahren, in denen ich jetzt konfirmiere, auch gerade wegen meinem eigenen Erleben stets gnädig gewesen und geblieben, wenn es um stockendes Aufsagen und ungewollte Versprecher ging. Ich kann die Einsetzungsworte inzwischen ganz gut, aber ich bin der tiefsten Überzeugung, dass es noch etwas viel, viel Wichtigeres als auswendig gelernte und aufgesagte Verse gibt, dass nämlich das Herz eines jungen Menschen berührt wird, und er oder sie erkennt, dass Glaube etwas ist, das mit ihm und ihr zu tun hat, und das Wort Gottes gerade ihm oder ihr gilt. Ob das uns Konfirmatoren immer wieder gelungen ist, weiß ich nicht.

Aber wir, die wir jetzt eine ganze Wegstrecke des Konfirmandenunterrichtes mit euch gegangen sind, freuen uns, mit euch bald Konfirmation zu feiern, Gottes Segen zuzusprechen und euch zu einem aktiven Christsein zu bewegen.

Ich selber bin nach er Konfirmation in eine Jugendgruppe der Gemeinde gegangen und bin einige Zeit später selber Mitarbeiter und Jugendleiter geworden, obwohl ich im Konfirmandenunterricht sicher nicht immer eine so glänzende Figur abgegeben habe. Daher möchte ich heute ermutigen: Geht euren Weg, wisst euch geführt und gesegnet von Gott, und seid in dieser augenblicklich so friedlosen Welt stets Christenmenschen, die in Jesu Namen dafür sorgen, dass Barmherzigkeit und Gerechtigkeit unter uns keine abgedroschenen Phrasen werden, sondern durch euer Wirken mit Leben gefüllt werden, damit Gott uns sein Wort auch in Zukunft bei uns eine Rolle spielt.

Das jedenfalls ist mir auch noch heute, 50 Jahre nach meiner eigenen Konfirmation immer noch wichtig. Möge es auch euch auf eurem Lebensweg stets ein Anliegen sein.

⋌Euer Pfarrer Bernhard Richter

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