Hirschbach darf sich wieder schlängeln

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Auf diesem Teilstück wird der Hirschbach aus seinem alten Bett gehoben und darf sich stattdessen naturnah schlängeln.Plan: Stadt Aalen, Grafik: ca
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Auf einer Strecke von 185 Metern wird der Bach aus seinem kerzengeraden Bett gehoben. Warum es wichtig ist, den Hirschbach zu renaturieren.

Aalen

Der Hirschbach – zumindest ein Teilstück – bekommt mehr Platz. Seit Mitte der 1940er gluckert das Bächlein schnurgerade durchs Tal. Das war nicht immer so. Der 89-jährige Erwin Hafner beispielsweise erinnert sich noch gut an seine Kindheit, als sich der Bach in natürlichen Wendungen durchs Grün schlängelte. "1945 haben französische Kriegsgefangene hier sogar mit der Hand Fische gefangen", erzählt Hafner.

Fische tummeln sich zwar heute nicht mehr in dem Gewässer. Trotzdem bietet es Heimat für eine besonders schützenswerte Art: "Zwölf Exemplare des heimischen Steinkrebses wurden hier nachgewiesen." Und darum freut sich Robert Jenewein vom städtischen Grünflächen- und Umweltamt auch ganz besonders darüber, dass die Steinkrebse im Sommer nächsten Jahres in eine schönere, eine ökologisch optimierte Umgebung umgesiedelt werden können. Das ist dann der Fall, wenn das bis dahin fertig modellierte und in großen Schleifen mäandernde Flussbett mit Hirschbachwasser "geflutet" werden kann.

Für die Vorarbeiten ist der Bagger der Firma Mezger Bau aus Hüttlingen angerückt. Großflächig hat er auf der Anhöhe unterhalb des Waldes die Grasnarbe entfernt. Baubeginn war am 7. Oktober. Wie es nun weitergeht, erläuterte OB Thilo Rentschler am Mittwoch direkt vor Ort vor einem kleinen Kreis interessierter Hirschbächler.

Konkreter Anlass für die Renaturierung: Für das künftige Baugebiet Galgenberg-Ost muss ein ökologischer Ausgleich geschaffen werden. "Der Hirschbach hat das auf jeden Fall verdient", betont Rentschler. Er schlägt einen Bogen zum geplanten Kombibad und sagt, wie wichtig es Stadt und Gemeinderäten war, den Bau harmonisch ins Landschaftsbild des Hirschbachs einzufügen. Darum werde der Hirschbach künftig auch offen durchs Außengeländes des Bads fließen.

Das ist geplant: Die Renaturierung betrifft ein 185 Meter langes Teilstück des Hirschbachs. Dafür wird ein neues Bachbett angelegt. "Künftig mäandert der Hirschbach auf diesem Teilstück in etwa 30 Meter Entfernung von seinem alten Bett", erläutert Robert Jenewein. Geplant ist auch eine breite Überflutungsmulde mit Feuchtwiesen und Hochstaudenfluren.

Der Hirschbach hat das verdient.

Thilo Rentschler Oberbürgermeister

Ein Problem bei der Planung war das Gefälle des Geländes: Aufgrund des großen Höhenunterschieds musste man eine stark mäandrierende Variante entwickeln, um das Gefälle zu halbieren. Auf dem Teilstück wird sich der Bach künftig 430 Meter in großen Schleifen schlängeln.

Der Bau: 4500 Kubikmeter Erde werden bewegt. Jenewein: "Der Humus kommt dorthin, wo Ackerbau betrieben wird." Der neue Bachlauf wird mit Sohlrampen, Kiesbänken und Wurzelstöcken gestaltet. Die Hauptarbeiten sollen je nach Witterung Mitte Dezember 2020 abgeschlossen sein. Weil wegen des geschützten Steinkrebses im seitherigen Bachbett nur zwischen Juni und Oktober gebaggert werden darf, könne der Bach erst ab Juli 2021 ins neue Bett übergeleitet werden.

Die Kosten: 260 000 Euro. Zuschuss vom Land gibt es keinen, weil es sich um eine ökologische Ausgleichsmaßnahme handelt.

Warum nur das Teilstück renaturiert wird: Weil die Stadt bisher nur diese Fläche erwerben konnte.

Die Vorarbeiten zur Hirschbachrenaturierung haben begonnen. Links mit dem Plan in den Händen: OB Thilo Rentschler und Robert Jenewein vom Grünflächen- und Umweltamt, daneben Amtsleiterin Maya Kohte, Stefan Mezger von Mezger Bau sowie CDU-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat und "Hirschbächler" Thomas Wagenblast.

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