Hitparade: „Da fiebert dann der ganze Laden mit“

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Im frapé ist Hitparadenwoche. Musikfreunde und Stammgäste freuen sich. Aus diesem Anlass sin von morgens um 7 an bis abends um 23 Uhr die Türen geöffnet und die Lautsprecher aufgedreht.
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Wie ein Kneipenchef für einen Schulterschluss sorgt, den SWR beeindruckt und Aalener Hitparadenfans eine ungewöhnlich schöne Zeit beschert.

Aalen. SWR1-Hitparade. Wer SWR1-Hörer ist, der weiß, was das bedeutet: Chefs, die auffordern, das Radio lauter zu drehen. Teenager – ja Teenager – die, um 5 Uhr aufstehen, um vor der Schule noch etwas von der Hitparade mitzubekommen. Menschen, die Urlaub nehmen, um fünf Tage lang kaum zu schlafen, und stattdessen Tag und Nacht am Radio verbringen. Und einer, ein Aalener, geht mit seiner Kneipe fast in den Dauerbetrieb: Tobias Schneider bietet seinen Gästen einen besonderen Service. Er öffnet das „frapé“ morgens um 7 (statt erst abends). Und auch die ganze Woche, statt nur drei Abende.

Die Lautsprecher sind aufgedreht. Und wer will, kann sich von Iron Maiden und „The Trooper“ in den Tag holen lassen. Nur ins frapé muss man es alleine schaffen. Der Rest, der wird dann schon.7.30 Uhr. Philipp (27) sitzt an den Tresen. Plaudert mit Elli (30). Freiwillige machen Sonderschichten, nehmen Urlaub in ihren anderen Jobs, um die sehr viel längeren Öffnungszeiten anbieten zu können. Philipps Kollegen Marco und Julian stoßen dazu. Zum morgendlichen Vor-der-Arbeit-Hitparaden-Treff. „Das hier hat schon was“, freut sich Philipp. Dass eine Menge Rock läuft während der Hitparade, genießt er. Und den Stammkneipenbesuch zu dieser ungewöhnlichen Stunde erst recht.

Später sitzt Tobi Schneider an der Bar. Trommelt mit den Fingern auf dem blank polierten Holz vor sich. Strahlt Elli an. Es läuft „Boston“ mit „More than a feeling“. „Das ist einfach das beste Luftgitarrensolo aller Zeiten.“

Die Idee zur Hitparadenwoche habe er schon länger gehabt, 2020 das erste Mal umgesetzt. „Das kam gut an“, erzählt Schneider. Bei der Hitparade überzeugt ihn die Vielfalt. Denn es gibt’s einfach alles. Querbeet. Eine Menge Rock. Auch mal Motorhead oder Oasis. Deutsches Liedgut, das sonst nie läuft: Hannes Wader, Reinhard May, Udo Jürgens. „Vergessen geglaubte Songs wie Rod Stewarts „Waltzing Matilda“, lächelt Elli. Wetten laufen. Und die Spannung steigt: Verteidigt „Bohemian Rapsody“ von Queen im Finale am Freitagabend seinen Titel als Nummer 1 der Hörer? „Da fiebert dann der ganze Laden mit.“ Das habe einfach „Festival Vibes“. Was den Bopfingern die Ipfmesse, das sei den SWR1-Hörern die jährliche Hitparadenwoche.

Das im „frapé“ zu leben, ist Schneider eine Herzensangelegenheit. Im vergangenen Jahr hatte er sogar von 6 Uhr in der Früh bis nachts um 3 offiziell geöffnet. Heute wird’s eben inoffiziell gern mal nach Mitternacht. Wenn die Musik halt zu gut ist.

Auch beim SWR weiß man um Schneiders Begeisterung. Dienstagfrüh schaute Moderatorin Janet Pollok spontan in der Aalener Kneipe vorbei, lacht, als die hiesigen Hitparadenfans „Yellow Submarine“ schmettern. Dem Kneipenchef hält sie das Mikro hin. Live darf er dem Land den Platz 700, AC/DC mit „Money talks“ ansagen.Oliver (31) findet's „cool“, wie seine Stammkneipe bei jungem Publikum „positive Propaganda für richtig gute Musik, die eben schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat“, macht. „Das ist ein musikalischer Schulterschluss“, stimmt Hannes (37) zu. „Es macht Spaß, sowas am Leben zu erhalten.“

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