Hobby Horsing: stilecht auf dem Steckenpferd

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Nina Rieger (Mitte) gibt den Mädels Reit- und Hobby-Horse-Unterricht in der Reithalle im Weidenfeld. Sie freut sich, wenn Hobby Horsing im Ostalbkreis populär wird.
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Zehn Mädels galoppieren durch die Reithalle im Weidenfeld und springen über Hindernisse. Das Kuriose daran: Pferde brauchen sie dafür nicht – zumindest keine „echten“.

Aalen. Sie sind Reiterinnen ohne Pferd. Sie sitzen nicht im Sattel, halten das Zaumzeug aber fest in ihren Händen – und galoppieren stilecht durch die Reithalle. Sand wirbelt auf. Manches Hindernis wird verfehlt, fällt zu Boden. Mittendrin Nina Rieger. Sie beobachtet, wie die Mischwesen zum Takt der Musik (einem Pferdelied) traben und springen. Mischwesen? Wer nun an Zentauren denkt, muss enttäuscht werden. Denn: In der Reithalle im Weidenfeld sind die Hobby Horses los! Und mit ihnen ihre zwischen fünf und 14 Jahre alten Besitzerinnen. „Obenrum sind sie Reiterinnen, untenrum Pferd“, erklärt Nina, während die Mädels mit ihren Steckenpferden – den Hobby Horses – in die Hallenmitte traben. Verschnaufen ist angesagt.

Seit Corona es wieder zulässt, trifft sich die Gruppe einmal wöchentlich zum Training. Steckenpferd "Jack" ist an diesem Tag etwas bockig, wie Jana (11) sagt. Und "Black" zickig, fügt Mara (8) hinzu. Die selbst gebastelten Pferde mit Knopfaugen, wallender Wollmähne und glitzerndem Zaumzeug haben durchaus ihren eigenen Kopf. Aber: „Das ist kein kindischer Zeitvertreib, sondern eine eigenständige Sportart“, betont Nina, Juniorchefin des Gestüts Weidenfeld. Denn das Springen über Hindernisse (bis zu 1,25 Meter schaffen die Mädels) oder das Fortbewegen auf den Zehen, das schule Koordination, Ausdauer, Sprungkraft und Gleichgewicht. Bewegungen der Pferde wollen die Schülerinnen, die alle auch auf „echten“ Pferden reiten, stilecht mit ihren selbst gebastelten Warmblütern umsetzen. Der Nebeneffekt: „Man kann sich im Reitunterricht besser ins Pferd reinversetzen.“

Klar, das richtige Reiten ersetze das Hobby nicht, es sei aber eine gute Ergänzung, betont die Trainerin. Fred Sundwall, Generalsekretär des finnischen Reiterverbandes, sagte in einem Interview: „Es gibt den Kindern und Teenagern, die keine Pferde haben, die Chance, mit ihnen auch außerhalb von Ställen und Reitschulen zu interagieren.“ Denn der Sport mit Gymnastikelementen kommt aus Finnland. Dort gibt’s regionale Wettbewerbe und jährlich eine nationale Meisterschaft. Davon ist Deutschland weit entfernt. Vereinzelt werden Kurse bei Reitvereinen angeboten. Vielen sei es peinlich, sich als Hobby Horser zu outen, sagt Nina, Mitglied in einer deutschlandweiten Hobby-Horse-Trainer-Gruppe. Sie wünscht sich, dass der Sport im Ostalbkreis populärer wird.

Unangenehm ist es den zehn Mädels nicht, mit ihren Steckenpferden unterwegs zu sein, zumindest nicht mehr. „Ich habe währen Corona im Garten trainiert. Am Anfang war’s mir schon peinlich“, gibt Melanie (13) zu. Das gehört der Vergangenheit an. Inzwischen unternehmen die Mädels gemeinsam Ausritte, in die Eisdiele oder auf die Schillerhöhe etwa.

Dressur, Springen, Western-, Polo- oder Distanzreiten – all das üben die Reiterinnen. Sie feuern sich gegenseitig an, stellen umgeworfene Hindernisse füreinander auf und die Älteren zeigen den Jüngeren, wie’s geht. Wenn etwas nicht klappt, wird es noch einmal versucht. Was Nina den Mädels fürs Reiten und fürs Leben vermitteln will: „Über Probleme spring ich drüber“ – und das klappt mit einem (Stecken)Pferd noch besser!

Für die Mädels wird’s Zeit, weiter zu üben, "Prince", "Schoko" & Co. werden langsam unruhig. Wer wissen will, wie das Training abläuft, findet unter diesem Artikel ein Video.

Nina Rieger freut sich, wenn mehrere Vereine im Ostalbkreis Hobby Horsing anbieten. Wer mehr darüber wissen will, kann sich bei ihr melden unter Tel.: 0170 9661728

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