Hoffnungshäuser für Aalen?

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Schwäbisch Gmünd hat das Projekt bereits verwirklicht. Die Hoffnungshäuser im Taubental wurden vor einem Jahr eröffnet. Foto: jp
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In den Häusern der Stiftung „Hoffnungsträger“ leben Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen Tür an Tür.

Aalen

Bezahlbare Wohnungen für geflüchtete Menschen, für sozial schwache und normal verdienende Singles, Paare oder Familien unter einem Dach: Das ist das integrative Konzept der Stiftung „Hoffnungsträger“. Möglicherweise könnte ein sogenanntes Hoffnungshaus - oder gar mehrere - künftig auch in Aalen gebaut werden.

Ob die Stadtverwaltung das Projekt „Hoffnungshäuser“ weiter verfolgen soll, war Thema im beratenden Ausschuss und im Gemeinderat. Im Ausschuss stimmten Thomas Rühl (FW) und Dr. Frank Gläser (AfD) dagegen; Christa Klink (Die Linke) und Bernhard Ritter (FW) enthielten sich.

Dass sich die Stadt Aalen nun ebenfalls mit dem Projekt beschäftigt, geht zurück auf einen Antrag der SPD-Fraktion, den diese bereits für das Haushaltsjahr 2021 gestellt hatte. Und auf ein Integrationshearing, bei dem dieses Projekt von Aalener Bürgern angesprochen wurde. Der Integrationsausschuss der Stadt Aalen hat sich bereits 2019 für das Konzept ausgesprochen.

Darum geht es: Die „Hoffnungshäuser“ in modularer Holzständerbauweise sind ein Angebot für integratives Wohnen. Die Bewohnerschaft setzt sich zur Hälfte zusammen aus der einheimischen Bevölkerung, zur anderen Hälfte aus Menschen mit Fluchterfahrung oder Migrationshintergrund. Dahinter steckt die Stiftung „Hoffnungsträger“ mit Sitz in Leonberg, die Grundstückskauf und Hausbau komplett finanziert. Ein Haus besteht meist aus acht Wohnungen, in denen insgesamt 28 Personen untergebracht werden können.

Was das die Stadt Aalen kosten würde: 50 000 Euro im Jahr - auf fünf Jahre betrachtet also 250 000 Euro. Denn die Stadt müsste sich finanziell am Betrieb der Häuser beteiligen. Hintergrund: Eine professionelle Leitung koordiniert das Zusammenleben im Hoffnungshaus und die Angebote, wie Einzelfallhilfe, Gruppenangebote, interreligiöse Begegnungen und Aktionen im Rahmen des Quartiersmanagements. Die Stiftung „Hoffnungsträger“ übernimmt etwa 50 bis 70 Prozent der laufenden Kosten für Personal, das die Betreuung des Hoffnungshauses übernimmt. Ziel sei, das sich das Haus über Mieteinnahmen und Förderungen selbstfinanziert.

Die Mietpreise für die Bewohner orientieren sich laut Stadtverwaltung an der ortsüblichen Vergleichsmiete. 70 Prozent der Wohnungen würden gefördert für Menschen mit Wohnberechtigungsschein. 30 Prozent der Wohnungen stehen für Menschen ohne Wohnberechtigungsschein zur Verfügung.

Eva-Maria Markert von der den Antrag stellenden Fraktion (SPD) hält den Vorschlag für Aalen für sehr sinnvoll. „Wir haben in Aalen eine große Wohnungsnot. Betroffen davon sind nicht nur ukrainische Flüchtlinge, sondern auch viele Menschen, die sich aufgrund ihres geringen Einkommens äußerst schwer tun auf dem Wohnungsmarkt.“

Nadine Patzelt (CDU), Inge Birkhold (Zählgemeinschaft) und Doris Klein (Grüne) stimmen ebenfalls dafür, das Projekt weiter zu verfolgen. Die Kosten für die Stadt seien überschaubar, sagt Doris Klein. „Aber den Gewinn, den wir dadurch haben, ist unermesslich.“

Thomas Rühl (FW) nennt die Hoffnungshäuser „ein gutes Vorhaben“. Er gibt dann aber keine Empfehlung ab, weil für ihn der Zeitpunkt für eine Entscheidung zu früh ist. Zum einen gibt er zu bedenken, dass die Häuser im Eigentum der Stiftung bleiben, hinter der Tobias Merckle steht, Sohn des Ulmer Ratiopharm-Unternehmers Adolf Merckle. Und zum anderen, so Rühl, müsse die Stadt sparen - im Hinblick auf die anstehenden großen Investitionen in die Betreuung und die von der Baupreissteigerung enorm betroffenen Großprojekte wie das Kombibad. Rühl: „Wir sollten die 250 000 Euro lieber für Aalener Projekte verwenden.“

Christa Klink (Die Linke) ist wie Rühl nicht grundsätzlich dagegen. Aber sie gibt keine Empfehlung ab, weil sie sich fragt, warum ein vergleichbares Projekt nicht auch die Aalener Wohnungsbau in die Hand nehmen könnte. „Dann könnten wir selbst über Bau und Belegung der Häuser entscheiden.“ Überdies, argwöhnte sie, dienten Stiftungen ja in erster Linie der Steuerersparnis.

OB Frederick Brütting betonte, dass er sich eine finanzielle Bezuschussung der Stadt für das Sozialprojekt nur vorstellen könne, wenn es echten Mehrwert für das Wohnquartier hätte. „Wir sind nicht naiv, wir wissen, dass private Stiftungen auch bestimmten privaten Zwecken dienen“, wandte er sich an Christa Klink. Dennoch wolle er sich das Konzept gerne erst von einem Stiftungsvertreter vorstellen lassen.

Im Gemeinderat am Donnerstagabend sagte Brütting, dass auch der Integrationsausschuss eingebunden werden soll. Im September besichtigt der Ausschuss dem OB zufolge die Hoffnungshäuser in Schwäbisch Gmünd. Ebenfalls im September soll der Leiter des Projekts das Konzept der Hoffnungshäuser in der Sitzung des Gemeinderatsausschusses für Kultur, Bildung und Finanzen (KBFA) vorstellen. „Dann entscheiden wir, ob wir am Projekt weiterarbeiten wollen“, sagte der OB. Eine weitere Diskussion gab es im Gemeinderat nicht. Die Rätinnen und Räte stimmten am Ende mehrheitlich bei einer Enthaltung (Christa Klink, Die Linke) dafür, das Projekt weiterzuverfolgen.

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