Hohe Wellen um das Kombibad

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Das Kombibad mit Innen- und Außenbereich soll sich in mehreren Stufen vom Hang her ins Hirschbachtal ziehen. Grafik: 4a Architekten
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Schon vor dem Baubeschluss machen gestiegene Kosten Einsparungen notwendig. Weniger Schwimmbahnen oder woanders streichen? Wie die Gemeinderatsfraktionen die Sache sehen.

Aalen

Ein Baubeschluss für das neue Kombibad im Hirschbach ist auch in einer Sondersitzung des Gemeinderats am Mittwoch nicht gefasst worden. Architekt Ernst Ulrich Tillmanns vom Planungsbüro 4a Architekten und Stefan Studer, Bäderexperte der Beratungsfirma Kannewischer, stellten den Gemeinderäten eingangs sehr ausführlich eine überarbeitete Planung vor.

Gegenüber dem ursprünglichen Entwurf gab es Kostensteigerungen wegen höherer Baukosten in verschiedenen Bereichen von rund drei Millionen Euro. Will man den vorgegebenen Finanzrahmen von 44,4 Millionen Euro einhalten, muss gestrichen werden: Statt zehn soll es nun nur noch acht Bahnen im innen liegenden 25-Meter-Sportschwimmbecken geben. Gestrichen wird auch das zusätzliche Kursbecken, dafür bekommt das Lehrschwimmbecken einen Hubboden. Das gefällt nicht allen – Lobby-Vertreter aus dem Schwimmsport hatten sich in den vergangenen Tagen mit Kritik zu Wort gemeldet. Der Gemeinderat ist geteilter Meinung.

Die CDU: Nach mehrmaliger Beratung sei die CDU-Fraktion entschieden für das Kombibad, sagte deren Fraktionschef Thomas Wagenblast. "Jedes Jahr Zögern macht den Beschluss nicht billiger, sondern teurer." Die "Kernfrage" aber sei: acht oder zehn Bahnen im Innenraum? Der Kompromiss, der "mühsam mit den Schwimmvereinen und Schulen ausgehandelt" worden sei und den seine Fraktion verfolge, laute: Verzicht auf eine 50-Meter-Bahn im Innenbereich, aber dafür zehn Bahnen.

Man wolle zukunftsweisend bauen, so Wagenblast, ein Bad für mehrere Generationen, und bei zehn Bahnen gehe es um Mehrkosten von lediglich 430 000 Euro, ein Prozent der Bausumme. Diese seien nicht von den Stadtwerken, sondern von der Stadt zu tragen.

Zur Gegenfinanzierung schlägt die CDU-Fraktion vor, bei der Rathaussanierung zu kürzen oder einen Teil des Erlöses aus der Vermarktung des alten Musikschulgeländes zu verwenden. Bezüglich Einsparungen sollte auch das Energiekonzept des Kombibads nochmals überprüft werden. Im Übrigen, so Wagenblast, seien Mehrkosten von 300 000 bis 500 000 im Etat "nicht wirklich für uns etwas Neues". Er erinnerte an Verteuerungen bei der Kita St. Franziskus oder bei der Ahelfinger Straße.

Die Grünen: Auch die zweitstärkste Kraft im Aalener Gemeinderat will an dem Kompromiss mit den Vereinen nicht rütteln. Zehn Bahnen innen seien das Herzstück des Kombibads, böten bessere Trainings- und echte Wettkampfbedingungen, so Fraktionschef Michael Fleischer . Auch die Grünen plädieren dafür, zum Ausgleich den Rotstift bei der Rathaussanierung anzusetzen. Die Verwirklichung weiterer Projekte wie der Steg über die Bahngleise sei dann eine "klare Frage der Gewichtung".

Die SPD: Seine Fraktion sehe nicht, dass mit acht statt zehn Bahnen innen Leistungen reduziert würden, betont Fraktionsvorsitzender Hermann Schludi. Im Gegenteil: Im Vergleich zum jetzigen Hallenbad biete das Kombibad 60 Prozent mehr Schwimmbahnen für Vereine und Schulsport, ein Drittel mehr Wasserfläche und wesentlich höhere Aufenthaltsqualität. Schludi: "eine Verbesserung für alle Zielgruppen". Eine Sauna mit aufzunehmen, ist für die SPD in Ordnung. Schludi mahnte, der Vernunft Raum zu geben, denn Kostensteigerungen seien vermutlich trotzdem zu erwarten.

Freie Wähler: Man werde dem geänderten Entwurf zustimmen, kündigte Claus Albrecht an. Denn Mehrkosten hier akzeptieren, stattdessen zum Beispiel aber bei der Rathaussanierung streichen, das sei "eine Milchmädchenrechnung". Das Spieselbad und das Bad in Unterrombach wollen die Freien Wähler erhalten, um die Bäderlandschaft in Aalen vielfältig und sozial verträglich zu sichern.

Gegenüber Juli 2020 hat sich die Finanzsituation drastisch verändert.

Daniela Faußner Kämmerin

AfD: Das gesamte Bauprojekt in Häppchen aufzuteilen und je nach Kassenlage zu verwirklichen, forderte sinngemäß AfD-Sprecher Dr. Frank Gläser. Andernfalls werde man nicht zustimmen. "45 Millionen Euro ist nicht der Endpreis, das ist reiner Zweckoptimismus."

FDI: "Es geht nicht, den Plan für zehn Bahnen ohne Bürgerbeteiligung zu canceln", betonte dagegen Norbert Rehm. Seine Fraktion werde so nicht zustimmen, sie vermisse Transparenz bei der Kostenkalkulation. Überhaupt sei die eigentliche Aufgabe die Weiterentwicklung der Gesamtkonzeption der Aalener Bäder.

Die Linke: "Ein großer Entwurf und ein großer Wurf" nennt Roland Hamm die Kombibad-Planung. Es könne ein städtebauliches Projekt werden, "das über Aalen hinaus Strahlkraft hat". Ein Bad für alle – mit Sauna – sei zu verwirklichen, immer unter der Voraussetzung, "dass wir die Kostengrenze nicht reißen". In dieser Zeit aber eine zehn-Bahnen-Finanzierung durchzubringen, halte er "nicht für seriös". Ob Kinder in Aalen schwimmen lernen, hänge nicht von der Zahl der Bahnen im Kombibad ab.

Alle Fraktionen plädierten für eine behindertengerechte Ausstattung, die sich nicht nur am gesetzlich festgelegten Mindestmaß orientiert. Petra Pachner (SPD) und Christa Klink (Linke) erinnerte an die Anregungen aus dem Beirat für Menschen mit Behinderung: Unter anderem seien Rampen mit sechs Prozent Steigung für Rollstuhlfahrer beispielsweise kaum mit Muskelkraft zu überwinden.

Rentschler will mit Vereinen sprechen

Geht es nach OB Rentschler, wird der Gemeinderat am 25. März den Baubeschluss fassen. Er kündigte an, bis dahin Gespräche zu führen darüber, unter welchen Voraussetzungen Vereine auf die neunte und zehnte Bahn im Kombibad verzichten würden. Wie sehr Baukostensteigerungen einerseits, vor allem aber coronabedingte Einnahmeausfälle der Stadt die finanzielle Situation seit Juli 2020 verschärfen und weiter verschärfen werden, das brachten der OB und Kämmerin Daniela Faußner am Ende den Gemeinderäten ungewöhnlich eindrücklich nahe.

  • Die knapp 45 Millionen Euro Bausumme für das Kombibad müssen "komplett auf Darlehensbasis finanziert werden", so Rentschler. Diese Summe belaste nachfolgende Generationen erheblich, mahnt Daniela Faußner.
  • Für jede Bahnennutzung durch den Schulsport zahlt die Stadt. Als Maßstab für das Entgelt gilt die Höhe der baulichen Investitionskosten.
  • Die Ertragskraft der Stadtwerke werde erheblich geschmälert, sie tragen allein 35 Millionen Euro der Investitionssumme. Die Stadt, sagt Faußner, werde keinerlei Gewinnabführungen mehr von den Stadtwerken zu erwarten haben. Sei regte an, in den Baubeschluss einen zusätzlichen Punkt aufzunehmen: "Die Kostenobergrenze darf nicht überschritten werden. Alle Überschreitungen müssen an anderer Stelle eingespart werden." Faußner: "Das Risiko muss beherrschbar bleiben!"

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