IG Metall kritisiert Auto Bierschneider

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Das Autohaus Bierschneider – ehemals Wagenblast – in Aalen
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Nach der Übernahme der insolventen Wagenblast-Autohäuser werfen Gewerkschafter der Firmengruppe Billiglöhne, schlechtere Arbeitsbedingungen und Tarifflucht vor.

Aalen

Die IG Metall erhebt schwere Vorwürfe gegen die Bierschneider-Gruppe, die im vergangenen Juli das insolvente Autohaus Wagenblast übernommen hat. Bei einer virtuellen Versammlung der IG-Metall-Mitglieder unter den ostwürttembergischen Bierschneider-Beschäftigten am Donnerstagabend war unter anderem von einer deutlichen Verschlechterung der Bezahlung und der Arbeitsbedingungen sowie Tarifflucht die Rede. Laut IG Metall ist der größte Teil der 235 Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert. Die Geschäftsführung des Unternehmens konnte vor Redaktionsschluss nicht mehr um eine Stellungnahme gebeten werden.

Die Bierschneider-Gruppe zählt zu den großen VW-Händlern in Süddeutschland und betreibt mit 1150 Mitarbeitern 23 Filialen, vornehmlich in den Räumen Regensburg und Ingolstadt. Neben dem Seat-Autocenter Hüttlingen gehören seit Juli auch die ehemaligen Wagenblast-Autohäuser in Aalen, Schwäbisch Gmünd, Bettringen und Heidenheim zur Gruppe. Sie werden von der Auto Bierschneider Aalen GmbH geführt.

Im Gegensatz zum Autohaus Wagenblast sind die Bierschneider-Autohäuser nicht tarifgebunden. Allerdings, so die Gewerkschaft, gelten die tariflichen Regelungen für die früheren Wagenblast-Mitarbeiter weiter. Zudem sei für eine Übergangszeit von einem Jahr gesetzlich geregelt, dass die Arbeitsverhältnisse auch bei neuem Betriebsinhaber nicht angetastet werden dürfen: Genau das habe aber Bierschneider getan, als man den Mitarbeitern zum 1. August 2020 eine tariflich vorgesehene Lohnerhöhung um 2,6 Prozent verweigert habe.

"Zwei-Klassen-Gesellschaft" befürchtet

"Wir haben in Verhandlungen über einen Ergänzungs-Sanierungsvertrag einen Lohnverzicht, Mehrarbeit und Zugeständnisse bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld angeboten, die zu einer Reduzierung der Lohnkosten um 12,7 Prozent, insgesamt rund einer Million Euro geführt hätten", sagt Tobias Bucher, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Heidenheim. Bierschneider jedoch wolle nicht nur zwei Prozent mehr Lohnkosten einsparen, sondern wehre sich auch dagegen, für neu eingestellte Mitarbeiter überhaupt einen Tarifvertrag zu vereinbaren. Vielmehr würden langjährige Beschäftigte unter Druck gesetzt, Änderungskündigungen und neuen Verträgen mit 40- statt 36-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich und weniger tariflichen Rechten zuzustimmen.

"Bei den Einstiegsgehältern liegt Bierschneider 25 Prozent unter dem Flächentarifvertrag, Auszubildende werden nicht übernommen", kritisiert Cynthia Schneider von der IG Metall Aalen-Schwäbisch Gmünd. Sie befürchtet eine "Zwei-Klassen-Gesellschaft" innerhalb der Belegschaft und sagt: "Wir lassen es nicht zu, dass ein Traditionsunternehmen mit Billiglöhnen, schlechten Arbeitsbedingungen und Tarifflucht den Bach runtergeht. Wir müssen für den Tarifvertrag kämpfen und notfalls auch streiken."

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