In Aalen: Sie fordern ein neues Naturschutzgebiet 

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Neues Naturschutzgebiet in Aalen
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Zwischen Birkhof und dem Ursprung des Weißen Kochers könnte das Schutzgebiet ausgewiesen werden. Es ist etwa 280 Fußballfelder groß. Am 11. Juni startet ein Trauerzug für ausgestorbene Arten.

Aalen. Sie machen sich stark für ein neues Naturschutzgebiet zwischen dem Birkof und dem Ursprung des Weißen Kochers in Unterkochen. Sie, das sind die Mitglieder des Bunds für Umwelt und Naturschutz, kurz BUND. Das Gebiet sei ein „Hotspot der Artenvielfalt“ und müsse geschützt werden, sagt Andreas Mooslehner, BUND-Regionalgeschäftsführer.  


Das Artensterben treibe ihn und seine Anhängerinnen und Anhänger um. Auf politischer Ebene werde zu wenig dagegen getan. Das soll sich nun ändern. In den vergangenen Wochen sind die BUNDler durch die Ortschafts- und Gemeinderatssitzungen getingelt, um Lokalpolitikerinnen und -politiker von ihrer Idee zu begeistern, haben mit der Forstverwaltung und dem Bauernverband gesprochen, um den Stein ins Rollen zu bringen. „Es wird ein spannender Prozess, wer Türen auf- oder zumacht“, so Mooslehner. Letztendlich ausweisen kann das Gebiet nur das Regierungspräsidium.  


Etwa 200 Hektar groß, das sind rund 280 Fußballfelder, ist das geplante Naturschutzgebiet. Was dort wächst und lebt, erklärt Helmut Haas: Schriftfarn, Bayerisches Leinblatt, Spanische Flagge, Nachtfalterarten oder der Matte Pillendreher fühlen sich im Wald rund um den Kocherursprung wohl. Viele der dort vorkommenden Arten seien vom Aussterben bedroht, betont das BUND-Mitglied. „In den Schluchten gibt’s Brutfelsen für den Wanderfalken. Zudem lebt dort eine ganze Reihe bedrohter Vogelarten“, fügt Hans-Peter Horn hinzu, der das Schutzgebiet Dellenhäule betreut. Noch ein Argument, was aus Sicht der Naturschützer für das Gebiet in Unterkochen spricht: die geplante Flächenversiegelung im Gewerbegebiet bei Oberkochen. Der Flächenverbrauch müsse ausgeglichen werden. „Wir müssen einen Schutz für Tiere und Pflanzen bereitstellen“, betont Mooslehner.  


Seit 2010 sei im Ostalbkreis kein Schutzgebiet mehr ausgewiesen worden. Dabei fange Artensterben vor der Haustüre an – und dort könne es bekämpft werden. Trotz Krisen und Krieg ist für die Naturschützer nun der richtige Zeitpunkt, auf das Thema aufmerksam zu machen. Der Mensch habe sich zur „allumfassenden Naturgewalt“ entwickelt und breite sich mehr und mehr in der Natur aus, sagt Mooslehner. 


Was würde sich denn ändern, wenn das Areal zwischen Birkhof und Weißer-Kocher-Ursprung Naturschutzgebiet wird? „Alle Nutzungen, die bisher existieren, können weiter bestehen“, sagt Mooslehner. Wandern und Rad fahren wären möglich – „aber nur auf den Wegen“, betont der Regionalgeschäftsführer. Was im Detail erlaubt ist, sei Verhandlungssache. „Ein Großteil kann die Natur weiterhin genießen, für eine Minderheit bedeutet es Einschränkungen“, sagt Haas.  


Symbolisch zu Grabe tragen wollen die Naturschützer die Arten, die vom Aussterben bedroht sind, am Samstag, 11. Juni. Um 14 Uhr startet an der Bohlschule ein Trauerzug, der zum Rathaus führt. Dort werden Texte über die Insekten vorgelesen. „Wir wollen an die verschwundenen Arten denken, darauf aufmerksam machen, dass wir etwas Wichtiges verloren haben und uns darum kümmern, dass es besser wird“, sagt Uli Krug, der mit einer Band den Trauermarsch anführt. 

Die Termine des BUND im Überblick 

„Wir laden Menschen ein, die zwischen dem Birkhof und dem Ursprung des Weißen Kochers unterwegs sind, die Natur mit dem Smartphone zu entdecken“, sagt Mooslehner. Die App „Inaturalist“ hilft beim Identifizieren der Tiere und Pflanzen. Damit können nicht nur Flora und Fauna entdeckt, sondern auch neue Arten gefunden werden, wie der Regionalgeschäftsführer sagt. Spielregeln gibt’s auch zu beachten: private Flächen nur mit Zustimmung betreten, Vogelnestern fern bleiben und bei Orchideen den Standort verbergen, um sie vor einer Mitnahme zu schützen. 

Zum Geo-Tag der Natur bietet der BUND diese weiteren Aktionen an: 

Freitag, 10. Juni, 19 Uhr, Torhaus Aalen: Vortrag von Wilhelm Stark über die Ursachen des Insektensterbens 

Samstag, 11. Juni, 14 Uhr: Trauerzug, Start an der Bohlschule. Schwarze Kleidung tragen. 16 Uhr: Exkursion, Start am Parkplatz Heulenberg. 

Sonntag, 12. Juni, 15 Uhr: Exkursion, Start am Parkplatz Kellersteige. 

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