In Corona-Zeiten ab nach Malle

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Auf Mallorca genießt Familie Diebold aus Aalen gemeinsam den Sommer. Kühle Getränke gibt es allerdings nur an der Hotelbar. Die Familie empfindet die Reise entspannter als sonst.
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Eine Familie aus Aalen darf dank eines Pilotversuches Urlaub auf Mallorca machen. Was sich dort geändert hat und wie ihnen die Reise gefällt.

Aalen/Palma

Für viele Familien muss der Sommerurlaub unter Palmen in diesem Jahr ausfallen. Nicht für die Diebolds aus Aalen: Sie gehören zu den 10 000 Auserwählten, die im Rahmen eines Pilotversuchs nach Mallorca reisen durften.

Spezielle Voraussetzungen für eine Teilnahme an dem Projekt habe es nicht gegeben, wie Mutter Claudia Diebold sagt. "Aber da ich im Reisebüro arbeite, komme ich schnell an Angebote." Und: "Wir waren einfach wieder heiß aufs Reisen." Also entschied sich die Familie für den Urlaub auf Mallorca.

Viel weniger los als sonst

Am Flughafen in Stuttgart startete die Reise. "Es war natürlich viel weniger los als sonst." Ein Online-Check-In ist derzeit nicht möglich. Auf diese Weise soll das Flughafenpersonal beim persönlichen Einchecken den Gesundheitszustand der Passagiere feststellen können. "Aber es wird kein Fieber gemessen", sagt Diebold, "die Mitarbeiter erfassen den Gesundheitszustand nur visuell." Im Flugzeug selbst herrsche wegen des geringen Abstands zu anderen Passagieren den gesamten Flug Maskenpflicht. "Es blieb kein Sitz frei", erläutert Diebold. Während des Fluges musste außerdem jeder Passagier Formulare ausfüllen. Diese erhalte dann unter anderem das spanische Gesundheitsamt. "Da muss man dann wirklich alle Daten angeben."

Mehr Regeln – mehr Komfort

Dennoch findet Ilona Diebold das Reisen um einiges entspannter als gewohnt. "Alles ging sehr schnell, nach dem Flug hatten wir sofort unsere Koffer." Außerdem gebe es "kein Gewusel". In der Handvoll Hotels, die für den Pilotversuch öffnen durften, sei es ebenfalls leerer. Etwa 50 bis 60 Prozent der Zimmerkapazitäten dürfen genutzt werden. Liegen gebe es im Hotel, in dem Ilona Diebold mit ihrer Familie wohnt, genug. "Da sind aber natürlich immer noch Gäste, die morgens um sechs Uhr aufstehen und die Liegen mit dem Handtuch belegen", sagt sie und schmunzelt.

Man könnte denken, es ist eine Geisterstadt.

Ilona Diebold Mallorca-Urlauberin

Auch beim Hotel-Buffet gelten neue Regeln. "Jedes Mal, wenn man Essen holt, braucht man neue Handschuhe", so Diebold. "Da entsteht natürlich viel Plastikmüll." Positiv sei dagegen der ausbleibende Massentourismus. "Alles gewinnt an Komfort." Man werde zum Beispiel vermehrt von dem Hotelpersonal bedient oder erhalte das Besteck in Servietten verpackt. "Vorher konnte das jeder anfassen."

Weniger komfortabel seien Restaurantbesuche. Bei jedem Besuch werde die Temperatur gemessen. "Ab 37,7 Grad Celsius muss man auf eigene Kosten einen Arzt konsultieren", erläutert Diebold. Am Strand dagegen gebe es keine Kontrollen. "Aber der ist ohnehin menschenleer", sagt Diebold. Vormittags habe man ihn ganz für sich alleine.

Der Ballermann bleibt leer

Wer Mallorca bereist, um dort Party zu machen, sei derzeit allerdings fehl am Platz. Wo sich sonst Menschenmassen tummeln, seien die Straßen nun wie leer gefegt. "Man könnte denken, es ist eine Geisterstadt." Diskotheken und andere Nachtlokale seien geschlossen, Supermärkte und andere Läden nur sporadisch geöffnet.

Lediglich an der Hotelbar könne Familie Diebold Drinks genießen – um Kontakt mit dem Personal zu vermeiden, erfolgt die Bestellung per App. "Im Hotel treten abends auch Einzelentertainer auf."

Eigentlich werde alles angeboten – nur eben in einem anderen Ausmaß als sonst. Ilona Diebold, ihr Mann und die zwei Kinder fühlen sich jedenfalls wohl und genießen gemeinsam die Ruhe. Dieses Gefühl teilen jedoch nicht alle Mallorca-Urlauber mit der Aalener Familie. "Ich habe eine Gruppe Jungs kennengelernt, die vor Corona einen Partyurlaub gebucht haben", erzählt Diebold. "Die langweilen sich jetzt natürlich."

Die Insel und der Tourismus

Mallorca ist die größte Insel der Balearen, die im Mittelmeer liegen und zu Spanien gehören. Das verrät schon der Name. "Maiaorica" bedeutet auf Katalanisch "die größere Insel." Zur Inselgruppe außerdem Ibiza, Formentera, Cabrera, Menorca und 146 unbewohnte Inseln.

Die Insel Mallorca war vor der Corona-Krise eine der wirtschaftsstärksten Regionen im Land. Das hatte Mallorca vor allem dem Tourismus zu verdanken. Vor der Krise machte der Wirtschaftszweig 75 Prozent der Gesamteinnahmen der Insel aus.

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