Initiative gegen Antisemitismus: Über jüdisches Leben im Ostalbkreis

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Gedenkstätte und Museum zugleich: Die Synagoge in Bopfingen-Oberdorf (l.). Rechts Stolpersteine im Ostalbkreis.

Welche Projekte eine Initiative des Landkreises gegen das Vergessen plant.

Aalen. Im Frühjahr 2019 wurde auf Initiative des Landkreises in der ehemaligen Synagoge in Bopfingen-Oberdorf ein Netzwerk aller Archivare und Bürgermeister der Städte im Ostalbkreis aus der Taufe gehoben, die Spuren jüdischen Lebens aufweisen. Ziel war es, angesichts spürbar zunehmender antisemitischer Stimmungen alle Kräfte zu bündeln und jüdisches Leben im Kreis sichtbar zu machen. Nach einer Corona bedingten Pause traf sich der Runde Tisch nun erneut im Aalener Landratsamt.

Konkret will der Runde Tisch in einem ersten Schritt ein Video über jüdisches Leben im Ostalbkreis erstellen. Zudem soll eine Broschüre entwickelt werden, in der wesentliche Aspekte anschaulich aufgearbeitet werden.

Landrat Dr. Joachim Bläse konnte Michael von Thannhausen, den Vorsitzenden des Trägervereins der Synagoge Oberdorf, den Aalener Stadtarchivar Dr. Georg Wendt, den Schwäbisch Gmünder Oberbürgermeister Richard Arnold und Stadtarchivar Dr. Niklas Konzen, Bopfingens Stadtarchivarin Johanna Fuchs, Bürgermeisterin Andrea Schnele aus Lauchheim und den Riesbürger Bürgermeister Willibald Freihart begrüßen.

Jüdische Geschichte im Fokus

Michael von Thannhausen verdeutlichte die Bedeutung der Erinnerungs- und Begegnungsstätte in der ehemaligen Synagoge Oberdorf, in der gemeinsam mit der Bopfinger Archivarin ein interessantes Veranstaltungsprogramm entstanden sei.

Der Schwäbisch Gmünder OB berichtete, jüdische Geschichte stehe schon seit vielen Jahren im Blick der Gmünder Stadtverwaltung. So gebe es einen Arbeitskreis Erinnerungskultur, Stadtführungen zum Thema und immer wieder Veranstaltungen.

Private Initiativen für eine Anlaufstelle für und eine Begegnungsstätte mit jüdischem Leben im westlichen Kreisgebiet wurden vorgestellt. Auch Aalen ist laut Wendt aktiv. So sei etwa die jüdische Geschichte in einem Audioguide berücksichtigt. Im Oktober finde bereits die dritte Stolpersteinverlegung statt, und zwar in Wasseralfingen, wo es ein KZ-Außenlager gab.

Der Aktion Stolpersteine habe sich, so Bürgermeisterin Schnele, die Stadt Lauchheim angeschlossen und bereits sieben Steine verlegt. Zudem habe man schon vor mehreren Jahren eine Säule zur Erinnerung an einen bedeutsamen jüdischen Bürger der Stadt aufgestellt.

Die Gemeinde Riesbürg verfügt in Pflaumloch ebenfalls über eine ehemalige Synagoge, in der nach einem Umbau in den 1960er Jahren das Rathaus untergebracht wurde. Überlegenswert sei hier je nach finanzieller Machbarkeit eine Sanierung des Gebäudes unter Berücksichtigung von Teilen der Synagoge wie Fresken oder der ehemaligen Kuppel, so Bürgermeister Freihart.

Schützen und bewahren

Nach einem lebhaften Austausch fasste Landrat Bläse das weitere Vorgehen zusammen: „Unsere Kooperation hat drei Kerninhalte: Wir wollen schützen und bewahren, erforschen und voneinander lernen und wir wollen jüdische Geschichte im Ostalbkreis vielen Menschen, vor allem unseren Jugendlichen, transparent und leicht zugänglich vermitteln.“

Das Museum zur Geschichte der Juden im Ostalbkreis ist seit 1997 in der ehemaligen Synagoge in Oberdorf bei Bopfingen untergebracht. Die Synagoge wurde 1812 erbaut.

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