Inklusion heißt auch loslassen

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Jeder soll und kann mitmachen. Und zwar bei allem. Egal, welche Fähigkeiten oder Herkunft er hat. Das ist vereinfacht das, was sich hinter dem Begriff "Inklusion" verbirgt. Damit das Wort kein loses Lippenbekenntnis bleibt, hat auch die Stadt Aalen einen "Aktionsplan Inklusion" erstellt. Nun gab es dazu in Kooperation mit der Diakonie das Forum Sozialraum.

Den geschützten Raum verlassen. Alleine einkaufen, ins Kino oder in die Disco gehen. Bis noch vor wenigen Jahren war das für Menschen mit Behinderungen kaum möglich. "Früher war das Schutz- und Fürsorgebedürfnis sehr groß", erklärt dazu Gisela Graf-Fischer, Bereichsleiterin Wohnen Bei der Samariterstiftung, Behindertenhilfe Ostalb. Heute sei das anders: "Es gibt einen starken Umbruch, mitten rein ins Leben", erklärt Gisela Graf-Fischer. Zusammen mit vielen Fachkollegen ist sie ins Aalener Torhaus zum Forum Sozialraum gekommen. "Wer muss wie beteiligt sein, damit vor Ort Inklusion gelingt", lautet der Untertitel des Forums. Antworten darauf versuchen die Fachleute in vier Werkstätten zu finden: In diesen geht es um Stadtplanung, um Bürger und Stadtteilzentren, soziale Netzwerke und den Bereich Kunst, Kultur und Freizeit als "Bewährte Quellen sozialer Einbindung." Als ein Beispiel wird hier das Integrative Ensemble der Musikschule Bopfingen genannt. In der UN-Behindertenrechtskonvention ist "Inklusion" als Ziel bereits seit 2009 fest verankert. Die Stadt Aalen hat im Oktober im Rahmen der Projektförderung des Sozialministeriums den "Aktionsplan Inklusion" erstellt. Im Juli 2014 wurde der Folgeantrag gestellt. Doch nicht erst seitdem sei Inklusion ein Thema in der Stadt, wie Oberbürgermeister Thilo Rentschler am Rande des Forums Sozialraum sagte: "Die Spuren sind schon deutlich sichtbar." Inklusion sei Thema, ob nun im Sportverein oder im Bereich Kultur. Trotzdem gelte es, weitere Barrieren abzubauen: "Vor allem auch die in den Köpfen." Dies sei ein langwieriger Prozess. Ein Prozess, auf den sich die Kommunen nicht nur einstellen können, sondern müssen, wie Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorsitzender des Diakonischen Werkes klar macht: Durch die Konvention sei Inklusion als Grundrecht definiert. "Die gehört zu den Aufgaben aller gesellschaftlichen Akteure", so Kaufmann. Diese zusammenzuführen, sei eine der Aufgaben des "Netzwerkes Inklusion" in der Landeskirche. In das ist auch die Stadt Aalen mit ihrem "Aktionsplan Inklusion" eingebunden. Die Einbindung der Teilorte, Gespräche mit Trägern sozialer Einrichtungen, ein Fachtag zum Thema Inklusion, dies seien Pfeiler dieses Aktionsplanes, so Thilo Rentschler. Im Wesentlichen habe man hier langfristig drei Ziele formuliert: Es allen Kindern zu ermöglichen, den Regelkindergarten zu besuchen, ein breites und ausdifferenziertes Wohnangebot für Menschen mit Behinderung anzubieten und den Beirat von Menschen mit Behinderung bei allen zentralen Fragestellungen der Stadt mit ins Boot zu holen. Als Beispiel für gelungene Inklusion skizzierte Gisela Graf-Fischer das Leben in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderungen mitten in der Stadt. Die Bewohner gehen ihrer Arbeit nach, verfügen über ihr Geld mitsamt den "dazugehörigen Einschränkungen", so Graf-Fischer, gehen einkaufen und feiern auch mal. Und da gehöre eben auch wie bei allen anderen die Erkenntnis dazu. "Wer Party macht, muss morgens auch aufstehen." Die Betreuer jedenfalls seien mittlerweile "begeisterte Loslasser geworden", die mittlerweile auch mal loslassen müssten.

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