Insolvenz bei Gaststätten

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Diskussion zur Lage der Gastronomie (von links): Dagobert Hämmerer, Tim Bückner, Wolfgang Kottmann, Monika Offenloch, Carmen Bäuml, Albert Winkler und Martin Hald.

Corona Fachleute befürchten weitere Schließungen in 2021. Investitionen für die Hygiene gehen ins Leere. Dehoga diskutiert mit Politikern.

Aalen

Die Glaubwürdigkeit der Politik steht mit den aktuellen Entscheidungen und Versäumnissen in Zusammenhang mit der Gastronomie auf dem Spiel. Das meint der Gmünder Gastronom Hannes Barth in einer Gesprächsrunde mit Vertretern des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Ostalbkreis. Dabei geht es vor allem um die vom Bund versprochene und noch nicht ausbezahlte Novemberhilfe, um die Planungssicherheit für die Branche und um das Thema Mehrwertsteuer.

Barth kritisiert dabei das jüngst beschlossene Infektionsschutzgesetz, das Korrekturen nur für die nächsten vier Wochen zulasse. "Ich frage mich, wo die Politik hingeht", so Barth. Man hätte schon im November sagen können, dass Gastronomie und Hotels wohl auch noch im Januar geschlossen bleiben werden.

Schon vor Corona seien für die Branche Fehlentscheidungen getroffen worden, das meint Martin Hald vom Landgasthof Hirsch in Ellwangen. Der stellvertretende Dehoga-Vorsitzende nennt dabei die öffentlichen Zuschüsse zur Einrichtung von Vereinsgaststätten. "Das hat schon vor 20 Jahren angefangen, darunter leidet die Dorfgastronomie heute." Jetzt seien jene Betriebe besonders gefährdet, die finanziell weniger gut aufgestellt sind. Im Oktober habe Berlin vollmundig die Novemberhilfe angekündigt, geflossen sei das Geld auch im Dezember noch nicht. Manche Betriebe könnten das nicht überstehen.

Dehoga-Ostalb-Vorsitzender Dagobert Hämmerer spricht von zehn Insolvenzen im Ostalbkreis, von 30 Schließungen insgesamt. Im Nachbarkreis Heidenheim habe es jüngst zwei große Hotels getroffen. Wann die Hilfen kommen, sei immer noch ungewiss. So habe sich die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Montag geäußert, meint Hannes Barth. "Eine unbefriedigende Situation", sagt dazu der Gmünder CDU-Landtagskandidat Tim Bückner. Wenn von Novemberhilfe die Rede sei, müsse das Geld auch im November fließen.

Ich frage mich, wo die Politik hingeht.

Hannes Barth Gastronom

Kritisch sehen die Dehoga-Vertreter, dass die Politik alle über einen Kamm schert. Man hätte durchaus Unterschiede machen können, meint Martin Held aus Ellwangen. Etwa die Betriebe schließen, die Hygienevorschriften nicht einhalten, und die Gaststätten unterstützen, deren Fläche für einen Betrieb in Coronazeiten zu klein ist. Martin Held möchte "am liebsten gar keine Unterstützung vom Staat, sondern die Situation aus eigener Kraft bewältigen". Bis jetzt sei ihm das mit seinen 48 Beschäftigten auch gelungen.

Die wahren Ansteckungsbereiche sieht Dagobert Hämmerer (Schweizerhof in Böbingen) im privaten Bereich. Ganz besonders die Lockerungen zu Weihnachten seien problematisch. An diesen Tagen die Hotels für Familienbesucher zu öffnen, hält er nicht für klug. Menschen nach vielen Begegnungen zu beherbergen, sei ein Risiko, "das ich mir nicht ins Haus holen will". Sein Hotelbetrieb bleibe in der Zeit geschlossen. Ärgerlich für viele Gastronomen: die Investitionen in den Hygieneschutz. Etwa für Heizpilze, die einen Betrieb im Freien erlaubt hätten oder für besondere Filteranlagen, wie sie Wolfgang Kottmann (Landgasthof Veit) in Weilerstoffel eingebaut hat. Ausgaben, die sich vermutlich nicht mehr rechnen.

Tim Bückner bricht doch noch eine Lanze für die Politik: "Wir hatten noch nie eine solche Situation und es gibt keine Blaupause für das passende Vorgehen." Würden die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten, sieht er in der Gastronomie keinen großen Infektionsherd. Eine unterschiedliche Behandlung würde der Sache wohl eher gerecht, sagt er. Bleibt noch das Thema Mehrwertsteuer, das die Gastronomie weiter umtreibt. An der Entscheidung, ob die Steuer für die Gastronomie 7 oder 19 Prozent betragen wird, will Hannes Barth die Parteien messen.

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