Iris Wolf: Mit dem Temperament einer Wölfin

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Vielen Männern, Frauen und Familien hat Iris Wolf in den vergangenen 27 Jahren durch Schuldenregulierung zu einem hoffnungsvollen Neuanfang verholfen. Jetzt wechselt die 61-Jährige in den passiven Teil der Altersteilzeit.
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Iris Wolf hat die Schuldnerberatung der Diakonie Ostalb aufgebaut. Rund 20 Jahre begleitete sie mit Rat und Tat die SchwäPo-Hilfsaktion Advent der guten Tat. Jetzt sagt sie adieu.

Aalen. Vielen Menschen hat sie die Angst und Verzweiflung genommen. Vor Gläubigerschreiben. Vor Konto- oder Lohnpfändungen. Oder vor drohender Wohnungslosigkeit. Vielen Männern, Frauen und Familien hat Iris Wolf in den vergangenen 27 Jahren durch Schuldenregulierung zu einem hoffnungsvollen Neuanfang verholfen. Seit 1994 ist die ausgebildete Bankkauffrau beim Diakonieverband Ostalb beschäftigt, hat die Schuldnerberatung aufgebaut und zu einem zentralen Handlungsfeld der Diakonie entwickelt.

Und seit rund 20 Jahren hat sie als ausgefuchste Kennerin der Sozialgesetzgebung die SchwäPo-Hilfsaktion Advent der guten Tat engmaschig mit Rat und Tat begleitet. Nun, zum 1. September, verabschiedet sich Iris Wolf in den passiven Teil der Altersteilzeit.

Man muss kein Hellseher sein, um erahnen zu können, dass in den vergangenen Tagen und Wochen am Beratungstisch ihres Büros in der Aalener Marienstraße wohl einige Tränen vergossen wurden. Von Klienten, die sich bei Iris Wolf gut aufgehoben fühlten. Vor allem auch menschlich.

Fast Schiffbruch erlitten

Dabei hätte sie anfangs beinahe Schiffbruch erlitten. Denn die heute 61-Jährige musste selbst erst lernen, ihr Temperament zu zügeln. „Ich hatte anfangs die Illusion, dass es für die Schuldnerberatung nur einen Taschenrechner, Prozentrechnung und eine gewisse Strenge braucht, um den Klienten sagen zu können, wie's geht“, verrät Iris Wolf. Doch sehr schnell lernte sie, dass für eine Schuldnerberatung zwar ein Basiswissen von Bankrecht, von Unterhaltsrecht und Steuerrecht unabdingbar ist. Aber auch, dass eine erfolgreiche Schuldnerberatung vor allem Sozialarbeit ist. „Denn nicht jeder Mensch hat das Glück, in einer intakten Familie aufzuwachsen. Nicht jeder Mensch erlebt eine wohlbehütete und finanziell abgesicherte Kindheit.“

Auch das wurde Iris Wolf erst nach und nach bewusst. Dass viele Arten von Suchterkrankungen damit zusammenhängen. Und dass deshalb Menschen, die körperliche und seelische Gewalt erlebt haben, nicht eben mal schnell mit ein paar Federstrichen auf dem Papier wieder aufs rechte Gleis gesetzt werden können. Weil es etwa bei einer Spielsucht auch eine Therapie braucht.

Das Poster über ihrem Büro-Schreibtisch zeigt einen Elefanten mit kerzengerade emporgestrecktem Rüssel, auf dessen Spitze ein kleiner Maulwurf thront. „Die Perspektive wechseln!“, fordert es auf. Iris Wolf ist das gelungen. „Ich habe Hochachtung vor vielen Menschen, die mit ganz wenig Geld auskommen müssen. Und die zugleich angesichts einer belastenden Familiensituation nicht verzweifeln, sondern sich weiter durchs Leben boxen. Obwohl sie wissen, dass es vielleicht nie besser wird.“

Kampf gegen Windmühlen

Wie tough und erfolgreich sich Iris Wolf auch immer durch den Paragrafenwald der Sozialgesetzgebung gekämpft hat, um für ihre Klienten das Bestmögliche zu erreichen. So hart ist sie in manchen Fällen auf dem Boden der Tatsachen gelandet, wenn ihr gewiss wurde, dass sie wie eine Wölfin gegen Windmühlen kämpft. Dass sie da einfach nicht helfen kann, weil es so verzwickt ist. „Manchmal kann man schon verzweifeln, wenn man erkennt, dass man auch vor Gericht nichts erreichen wird, weil sich die Gesetze widersprechen“, nickt sie.

Manche Klienten begleitet Iris Wolf schon seit mehr als zehn Jahren. Es sind Menschen, die sich selbst dafür entscheiden, ein Leben in Schulden zu führen. „Das sind oft Menschen, denen ich die Privatinsolvenz gar nicht beibringen kann.“ Die Pfändungsfreigrenze lässt ihnen nur ein Existenzminimum. „In solchen Fällen habe ich dann bei Advent der guten Tat die Finanzierung eines Kühlschranks oder einer Waschmaschine beantragt, weil das Geld für nötige Sonderanschaffungen einfach nicht mehr ausreicht“, sagt Iris Wolf.

Jetzt also der klare Cut, die Altersteilzeit mit 61. Wiederum war es ein Perspektivwechsel, der Iris Wolf zu dieser Entscheidung geführt hat. Sie erzählt vom Herzstillstand ihres Mannes vor einigen Jahren. Und vom „kleinen Wunder“, als er, der damals 15 Minuten lang reanimiert wurde, bereits nach sechs Wochen wieder in ein normales Leben zurückkehren konnte.

Iris Wolf ist von ganzem Herzen dankbar dafür, dass ihre Familie „ganz großes Glück“ gehabt hat. „Dass wir alle gesund geblieben sind. Das ist nicht selbstverständlich.“

Etwas von dieser Dankbarkeit will Iris Wolf zurückgeben. Sie überlegt, als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Hospizdienstes, Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten. „Denn: Es hätte auch anders ausgehen können. Dann wäre mein Leben ganz anders verlaufen.“

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