Islamdebatte in Comics

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"Was' los Deutschland" ist ein interaktiver Parcours im Rathausfoyer Aalen. Auf außergewöhnliche Weise wirbt er für einen respektvollen Dialog.

Aalen

Es ist nicht so einfach, ein Zusammenleben aller Menschen von unterschiedlichen Kulturen und Religionen. Das ist so nirgendwo auf dem Erdball. Und auch nicht hier auf der Ostalb. Die bundesweite Wanderausstellung mit dem Titel "Was' los Deutschland?" thematisiert bis einschließlich 6. November die Abneigung gegen den Islam (Islamophobie) im Aalener Rathausfoyer für respektvollen Dialog und eine möglichst vorbehaltlose Begegnung von Menschen unterschiedlicher Herkunft.

"Hier in Aalen leben über 120 Nationen zusammen. Das gehört zu Deutschland und Gott sei Dank zu Aalen", sagt Aalens Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle, als er die Wanderausstellung eröffnet. Der saloppe Titel "Was' los Deutschland" stehe für einen Parcours durch die Islamdebatte, der sich vor allem an die junge Generation richte.

Mittendrin im Parcours steht ein Mann, die Linke zur Faust geballt. Mit breiten Schultern baut er sich auf, eine tiefe Zornesfalte in der Stirn, den Mund weit aufgerissen, ruft er: "Hallo – darfst Du nicht sprechen? Ach ja. Vogelscheuchen sprechen ja nicht. Haha ... Guckt Euch die an. Deutsch kann sie auch nicht. War ja klar. Die soll sich mal verpissen." Es ist ein Ausschnitt aus der Szene "Zivilcourage". Darin geht es darum, denen, die angefeindet werden, zu helfen, sie zu unterstützen und klar zu sagen: "So nicht!"

Was die Ausstellung besonders macht: Die Alltagsszenen, Erfahrungen und Begegnungen junger Menschen in Deutschland werden von lebensgroßen Figuren geschildert, den Stift geführt hat die muslimische Comiczeichnerin Tuffix (Soufeina Hamed). Man bewegt sich durch eine multimediale Szenerie von 27 lebensgroßen Figuren in zwölf Szenen. Wie das funktioniert: Über Lautsprecher hört man, wie die einzelnen Figuren miteinander kommunizieren. Parallel wird über einen Kopfhörer vermittelt, was sie dabei denken.

Uns in Aalen ist Toleranz sehr wichtig.

Wolfgang Steidle Erster Bürgermeister

Die Ausstellung, so Wolfgang Steidle, rege auf diese subtile Weise dazu an, populistische und menschenverachtende Meinungen zu reflektieren. "Uns in Aalen ist sehr wichtig, Menschen aus anderen Kulturen und mit anderen Religionen zu integrieren", fügt er hinzu. "Toleranz ist uns sehr wichtig."

Kreissozialdezernentin Julia Urtel führt in die von Islamwissenschaftlern entwickelte Ausstellung ein. Im Vorfeld der Eröffnung habe ein Islamworkshop stattgefunden, geleitet von Islamwissenschaftler Jannik Veenhuis aus Hamburg. Dabei wurden sechs Personen geschult, um Führungen durch die Ausstellung anzubieten, Fragen der Besucher zu beantworten und um Diskussionen über demokratische Werte anzuregen.

Gerburg Maria Müller von der Partnerschaft für Demokratie Ostalb, die die Wanderausstellung nach Aalen geholt hat, macht deutlich: "Nur wünschen ist nicht genug. Wenn wir Integration und damit ein Zusammenleben mit Menschen anderer Religionen und Kulturen wollen, dann müssen wir das weiter forcieren." Man müsse Leute zusammenbringen, sprechen, kommunizieren und verstehen. Viel zu oft noch würden Vorbehalte geschürt über Aussagen wie: "Ihr seid so anders."

Eintritt frei – Gruppen nur mit Voranmeldung

Dauer der Ausstellung ist bis einschließlich 6. November im Rathausfoyer Aalen. Geöffnet ist Mo bis Do von 8.30 bis 16 Uhr, Fr bis 12 Uhr. Eintritt frei.

Gruppen müssen ihren Besuch vorher anmelden, per E-Mail an die folgende Andresse: partnerschaft@kjr-ostalb.de

Veranstalter ist die Partnerschaft für Demokratie Ostalb (PfD), in Kooperation mit In Via – Jugendmigrationsdienst Ostalbkreis. Weitere Kooperationspartner sind der Kreisjugendring Ostalb und die Stadt Aalen. Die Ausstellung wird vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" gefördert.

Entwickelt wurde die Ausstellung von der CD-Kaserne Celle, beteiligt waren Islamwissenschaftler und unter anderem auch das satirische Youtube-Format "Die Datteltäter" und das Theaterkollektiv "Markus und Markus".

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