Sommerserie Zukunftsthemen (5)

Ist der Kreisel in Unterkochen nötig?

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Ein Kreisverkehr soll die Kreuzung Ebnater Straße und Heidenheimer Straße in Unterkochen ersetzen. Das Projekt ist umstritten.
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Die Fraktionsvorsitzenden im Aalener Gemeinderat legen dar, wie sie zu dem Projekt stehen und ob es dabei bereits um den Ausbau der Ebnater Steige geht. 

Aalen. Das Projekt ist umstritten: An der Kreuzung am ehemaligen Schützen in Unterkochen soll ein Kreisverkehr entstehen. Befürworter erhoffen sich, dass es weniger Staus gibt. Gegner befürchten, dass noch mehr Verkehr durch Unterkochen rollt, dass Anwohner zu Stoßzeiten kaum noch in die Ebnater Straße einbiegen können oder dass der Bau des Kreisverkehrs den Ausbau der Ebnater Steige einleitet. Beschlossen ist aber noch nichts. Ortschafts- und Gemeinderat haben zugestimmt, dass Bebauungsplanverfahren einzuleiten. Dazu können Bürgerinnen und Bürger Stellung nehmen. Erst wenn der Bebauungsplan steht, kann der Kreisel gebaut werden. Die Fraktionsvorsitzenden antworten auf die Fragen:

Braucht es den Kreisverkehr am ehemaligen Schützen in Unterkochen? Bedeutet der Bau des Kreisels den Ausbau der Ebnater Steige?

Michael Fleischer, Grüne:

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Mir fehlt
jedes Konzept für Verkehrsvermeidung.“

Michael Fleischer

Albaufstieg in Unterkochen zeigt wie im Brennglas, wozu es führt, wenn wir als Antwort auf viel Verkehr neue Straßen für viel Geld und noch mehr Verkehr bauen. Dabei ist es völlig gleich, ob wir die Ebnater Steige ausbauen und damit Unterkochen mehr Verkehr bescheren oder eine Pulverturmtrasse bei Oberkochen durch ein FFH-Gebiet schlagen und beim Autobahnanschluss Ebnat vor die Tür legen. Verkehr nur vor der eigenen Haustür vermeiden zu wollen, ist keine Antwort mehr auf die Herausforderungen unserer Zeit. Klimaziele kann man nicht nur ausrufen, man muss sie auch erreichen. Mir fehlt jedes Konzept für Verkehrsvermeidung und die Verlagerung von Verkehr vor allem vom Härtsfeld zu den Firmen in Oberkochen auf den Umweltverbund. Da wäre das Geld gut angelegt. Dann brauchen wir auch keinen Kreisel, der natürlich Vorstufe des Ausbaues der Ebnater Steige ist.

Hermann Schludi, SPD:

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Der Verkehr wird flüssiger und entzerrt.“

Hermann Schludi

Den Bau des Kreisels sehen wir als dringend notwendige separate Baumaßnahme an. Es überwiegen die positiven Aspekte, vor allem hinsichtlich des Klimaschutzes und der Lärmbelastung für die Anwohner. Der Verkehr wird flüssiger und entzerrt, das bedeutet weniger Emissionsbelastung durch stehende Fahrzeuge, wie es bei der Ampel der Fall ist. Von Einzelnen wird jedoch diese Maßnahme gleichzeitig mit dem Ausbau der Ebnater Steige in Verbindung gebracht, um dadurch bewusst Ängste in der Unterkochener Bevölkerung zu schüren. Die angedachte Pulverturmtrasse muss zwingend als Alternative zur Ebnater Steige untersucht werden. Zugleich gilt es, den Ausbau der Brenzbahn voranzutreiben und wie bereits geschehen auch durch Lösungen wie den Ausbau des Werkbusverkehrs Entlastung zu schaffen. Nur gemeinsam können wir für Entlastung in Unterkochen sorgen und den Ausbau der Ebnater Steige stoppen.

Thomas Rühl, Freie Wähler:

Thomas Rühl

Deshalb rate ich trotz allem zum Bau dieses
Kreisels.“

Thomas Rühl

Der Kreisel am Schützen bedeutet nicht zwangsläufig den Ausbau der Ebnater Steige. Für den Aufstieg aufs Härtsfeld zur Autobahn muss unbedingt eine andere Lösung gefunden werden – es sind ja auch zumindest zwei Varianten in der Prüfung. Der Kreisel brächte allerdings schon jetzt eine Entlastung an dieser Stelle. Dies umso mehr, wenn erst einmal der vierspurige Ausbau der B29 fertiggestellt sein wird. Wenn sich einige Unterkochener gar so sehr gegen den Kreisel stemmen, kann es allerdings zum GAU kommen. Das heißt: Das Verkehrsaufkommen steigt dennoch. Die anderen Aufstiege aufs Härtsfeld kommen aus irgendwelchen Gründen vielleicht doch nicht. Und die Unterkochener haben an dieser Stelle keinen Kreisel. Dafür haben sie dann dort aber eine verschärfte chaotische Situation, an der sich für die nächsten 20 bis 30 Jahre nichts ändern wird. Deshalb rate ich trotz allem zum Bau dieses Kreisels.

Ilse Schmelzle, FDI:

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Man sollte nach anderen Lösungen suchen.“

Ilse Schmelze

Wenn so viele Bürger aus Unterkochen gegen den Kreisel sind, sollte man nach anderen Lösungen suchen. Man muss auch zugeben, dass der Verkehr durch Unterkochen immer schlimmer wird – siehe zum Beispiel der Verkehr, der von der Firma Palm extrem zugenommen hat. Man muss für die Ebnater Steige den Verkehr reduzieren. Dafür muss der Schwerlastverkehr auf die B 19 geleitet werden, ab Burgstallkreisel nach Westhausen und nach Heidenheim. Ab der Zufahrt B 19 nach Unterkochen und der Zufahrt von der Aalener Straße muss der Schwerlastverkehr gesperrt werden. Langfristig sollte der Versuch gemacht werden, mit Oberkochen eine gemeinsame Lösung für eine Zufahrt zur A 7 anzustreben.

Dr. Frank Gläser, AfD:

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Verkehrsexperten erwarten eine deutliche Entspannung.“

Dr. Frank Gläser

Der Kreisverkehr erscheint der AfD-Gemeinderatsfraktion sinnvoll. Verkehrsexperten erwarten eine deutliche Entspannung der Situation für alle Verkehrsteilnehmer, und der Unterkochener Ortschaftsrat hat sich mehrheitlich dafür ausgesprochen. Der Kreisel wird auch den Übergang zum und vom Albaufstieg entspannen.
Eine unmittelbare Verknüpfung mit dem Ausbau der Ebnater Steige sehen wir nicht und sind von der akuten Notwendigkeit dieser Maßnahme nicht überzeugt.
Längerfristig sollte unseres Erachtens ein weiterer Autobahnanschluss außerhalb Unterkochens geplant werden, der aber vor allem wegen der Besitzverhältnisse der verschiedenen möglichen Wege und zusätzlicher Nutzungseinschränkungen nur langfristig realisierbar sein kann.

Christa Klink, Linke:

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Unterkochen und Umwelt brauchen den Kreisel nicht.“

Christa Klink

Der Kreisel würde geringe Vorteile für den Durchgangsverkehr bringen, vor allem zwischen B 19 und Autobahn. Die Unterkochener hätten Nachteile: noch mehr Lärm und Abgase, weil schnelleres Durchkommen immer zusätzlichen Verkehr anzieht, für Fußgänger und Radfahrer wird die Querung schwerer und gefährlicher, Probleme bei Aus- und Einfahrten von Anwohnern aus Nebenstraßen, weil Ampelphasen mit Lücken im Verkehrsfluss wegfallen. Deshalb: Unterkochen und Umwelt brauchen den Kreisel nicht. Ja, der Kreisel bedeutet den Ausbau der Ebnater Steige. Die Stadt bezeichnet in Vorlage 6121/010 Anlage A den Bau des Kreisels als „Vorabmaßnahme“ im Zusammenhang mit der Planung Ausbau der Steige zur B 29a. Und in Anlage C S.14 ist zu lesen, dass die Stadt Aalen mit dem Kreisel unter anderem „die Voraussetzungen für die Ausbauplanung der L 1084“ schaffe. Die Linke unterstützt die BI gegen Kreisel und Ausbau.

Thomas Wagenblast, CDU:

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CDU-Fraktion respektiert die Beschlüsse der Ortschaftsräte.“

CDU-Fraktion respektiert die Beschlüsse der Ortschaftsräte.“

Der Ortschaftsrat Unterkochen hat am 19. April dem Bebauungsplan für die Kreuzung am ehemaligen Schützen zugestimmt und damit ein wichtiges Signal für den Bau des Kreisverkehrs gesetzt. Die CDU-Fraktion respektiert die Beschlüsse der Ortschaftsräte. Deshalb haben wir im Gemeinderat den Bebauungsplan für den Kreisverkehr ebenfalls unterstützt. Es gibt in Aalen viele Kreisverkehre, die verkehrlich und städtebaulich zu einer Verbesserung der jeweiligen Situation führten. Beim Kreisel in Unterkochen werden die Fußgängerüberwege durch Querungshilfen und Zebrastreifen gegenüber dem Status Quo deutlich erleichtert, der Verkehr verlangsamt. Deshalb unterstützt auch das Land die Maßnahme mit 1,1 Millionen Euro. Die Planung ist vor vielen Jahren mit dem Ortschaftsrat Unterkochen entstanden. Wir sind gespannt auf die Anregungen im Rahmen der Beteiligung der Öffentlichkeit.

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