Ist es eine Bombe oder nicht? Die Chancen stehen 50:50

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Vor der Baggerschaufel wird die Bombe vermutet. Sandsäcke dienen zur Abschirmung.
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Am Donnerstag wird die verdächtige Stelle aufgegraben. Erst dann besteht Gewissheit, ob dort ein Blindgänger liegt.

Aalen

Auf alten Luftbildern ist eine Auffälligkeit im Boden zu entdecken. Die Sonde vom Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) zeigt dort einen Gegenstand aus Metall an. Das führt zum konkreten Verdacht, dass im neuen Baugebiet am Tannenwäldle ein Blindgänger liegt, den US-Amerikaner im Zweiten Weltkrieg über Aalen abgeworfen haben. Aber sicher ist das noch nicht. „Die Chance liegt bei 50:50“, sagt Ralf Vendel, der Leiter des KMBD Baden-Württemberg beim Pressegespräch am Mittwochmorgen vor Ort.

Er betont, dass Vorsichtsmaßnahmen bei jedem Verdachtsfall ergriffen werden. In diesem Fall sei der Verdacht groß, größer als er es anderswo schon erlebt hat. Am frühen Donnerstagnachmittag soll Gewissheit bestehen. Ein Baggerfahrer wird gemeinsam mit dem KMBD den metallischen Gegenstand im Boden freigaben, erläutert Vendel. Der Baggerfahrer arbeitet bei der Firma Roth, die im Moment das neue Baugebiet erschließt. „Ihm wird nichts passieren, wir sind ja dabei“, sagt der Leiter des KMBD. Auch bei früheren Verdachtsfällen hätten er und seine Kollegen mit Baggerfahrern von Bauunternehmen zusammengearbeitet. „Er wird morgen eine kurze Einführung von uns bekommen“, erläutert Vendel. Dabei gehe es zum Beispiel darum, Handzeichen abzusprechen. „Wir verwenden Zeichen, die auf Baustellen üblich sind.“ Einen speziellen Bagger brauche es dazu nicht, es sei egal, ob der Bagger groß oder klein sei. Es komme nur darauf an, dass der Fahrer gut damit umgehen kann.

Bis dahin werden um die verdächtigte Stelle 200 große Sandsäcke in Form eines Hufeisens aufgeschichtet. Die unbebaute Seite Richtung Braunenberg bleibt offen, damit der KMBD von der Seite aus Zugang hat und um im Fall der Fälle die Explosion dorthin abzulenken.

Der metallische Gegenstand wird in 3,5 bis 4,5 Meter Tiefe vermutet. Ist es wirklich eine Bombe, geht es für Vendel und die Kollegen dann darum, um welche Art Bombe es sich handelt, zum Beispiel welchen Zünder sie besitzt. Zwar geht man davon aus, dass die Bombe, wenn es denn tatsächlich eine ist, vom US-amerikanischen Angriff am 17. April 1945 stammt. „Aber die Amerikaner haben auch englische Bomben abgeworfen“, sagt Vendel.

Sollte es sich um einen Blindgänger handeln, wird er am Samstag, 5. März, entschärft. 3300 Menschen müssen dazu ihre Wohnungen in der Nähe verlassen. Voraussichtlich am Abend des selben Tages können sie wieder nach Hause zurückkehren. Wer solange nicht bei Freunden oder Verwandten unterkommen kann, kann ins Ausweichquartier im Schubart-Gymnasium kommen.

Oberbürgermeister Frederick Brütting lobte beim Pressegespräch die gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten und die gute Koordination der Evakuierung und aller weiterer Vorsichtsmaßnahmen. „Die Bürgerinnen und Bürger in Aalen können sich sicher sein, dass ihre Gesundheit und ihr Hab und Gut in guten Händen sind“, sagte er.

Weitere Informationen am Donnerstag

  • Am Donnerstag, 3. März, ist um 14 Uhr ein weiteres Pressegespräch angesetzt. Bis dahin soll der metallische Gegenstand am Tannenwäldle freigelegt worden sein und es kann bekanntgeben werden, ob es sich um eine Bombe handelt. SchwäPo-Leserinnen und Leser erfahren das am Donnerstagnachmittag unter www.schwaepo.de. Wenn alles planmäßig verläuft, bereits kurz nach 14 Uhr. Natürlich berichten wir auch in der gedruckten Ausgabe am Freitag über die aktuellen Entwicklungen.

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Ralf Vendel, der Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdiensts (KMBD) Baden-Württemberg, erläutert das Vorgehen vor Ort.
Frederick Brütting und Ralf Vendel
Ralf Vendel
Beim Pressegespräch am Tannenwäldle von links: Ulrike Ebert, Wolfgang Kosiol, Frederick Brütting, Ralf Vendel und Florian Fiedler
Sandsäcke sollen eine eventuelle Explosion bei der Entschärfung am Samstag abschirmen.
Mit dem Bagger wird aufgegraben. Sandsäcke dienen zur Abschirmung einer eventuellen Explosion während der Entschärfung am Samstag.

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