Jahresempfang: Absagen alternativlos

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Die Neujahrsempfänge in Politik und Wirtschaft haben eine lange Tradition. Aufgrund der Corona-Pandemie haben viele Veranstalter die geselligen Zusammenkünfte bei Sekt und Selters erneut abgesagt. Andere hoffen noch. Symbolfoto: pixabay
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Der gesellschaftliche Auftakt im kommunalen und wirtschaftlichen Jahreskalender wackelt vielerorts oder ist bereits gestrichen worden - schon im zweiten Jahr in Folge.

Aalen

Neue Hoffnung, neues Glück, möchte man dem noch in den Kinderschuhen steckenden Neuen Jahr 2022 zurufen. Doch Corona lässt derzeit noch nicht viel Raum für Optimismus. Zumindest nicht, was Großveranstaltungen anbelangt. Und so reihen sich nun in den allgemeinen Absagereigen nicht nur Fasnachtsveranstaltungen, sondern auch traditionelle Neujahrsempfänge. Heißt: Der gesellschaftliche Auftakt im kommunalen und wirtschaftlichen Jahreskalender wackelt vielerorts oder ist bereits abgesagt – schon im zweiten Jahr in Folge. Eines zeichnet sich ab: Keiner der großen Veranstalter hierzulande möchte den Neujahrsempfang wegen der Pandemie im Hochsommer nachholen oder ihn in den digitalen Raum verlegen.

Die IHK Ostwürttemberg legt ihren Jahresempfang traditionsgemäß ins erste Quartal eines Jahres. „In diesem Jahr planen wir einen Jahresempfang“, sagt IHK-Pressesprecher Sascha Kurz. Vorbehaltlich der aktuellen Entwicklung soll er am 11. März als Präsenzveranstaltung stattfinden. Als Festredner ist Dr. Wolfgang Schäuble geladen, ehemaliger Kanzleramts-, Innen- und Finanzminister sowie Bundestagspräsident. „Mit ihm konnten wir einen profunden Kenner von Transformationsprozessen wie der Deutschen Einheit sowie der Finanz- und Europapolitik gewinnen“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler. Kurz vor der Pandemie fand am 6. März 2020 der bislang letzte IHK-Jahresempfang statt. Dr. Jan Mrosik, COO der Siemens Operating Company Digital Industries, sprach zum Thema „Digitalisierung und Internet der Dinge im industriellen Bereich“. 2021 fiel die Veranstaltung coronabedingt aus.

Im Zeiss-Konzern ist die Entscheidung schon gefallen: „Wie 2020 entfällt auch in diesem Jahr der Neujahrsempfang ersatzlos“, sagt Jörg Nitschke, Pressesprecher der Zeiss-Gruppe. „Im Januar oder Februar kann die Veranstaltung in Präsenz coronabedingt nicht stattfinden und in den Sommer passt ein Jahresauftakt nicht.“ Im übrigen habe man sich über eine Alternative auch gar keine Gedanken gemacht, weil die Absage für dieses Jahr „so endgültig“ ist. Stehempfang und Büffet mit rund 250 Gästen sei mit Abstands- und Maskenregelung schlichtweg nicht umsetzbar. „Darum haben wir in diesem Jahr unsere Gäste auch gar nicht angeschrieben. Andererseits wurde diese Veranstaltung auch noch nicht nachgefragt, weil sie unter den aktuellen Umständen keiner erwartet“, berichtet Nitschke mit dem Hinweis, dass Zeiss im November bereits seine 175-Jahr-Feier mit weniger Gästen in Präsenz abgesagt habe. Den Jahresauftakt alternativ in den digitalen Raum zu verlegen – davon hält Nitschke nichts. Ob das nun womöglich der Anfang vom Ende einer langen Tradition bei Zeiss ist? „Das wissen wir noch nicht, darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht“, so der Zeiss-Sprecher.

Die VR-Bank Ostalb plant nach dem virtuellen Neujahrsempfang im vergangenen Jahr in diesem Jahr einen Jahresempfang in Präsenz, am 13. März im Aalener Kulturbahnhof. „Wir streben ein Präsenzformat an, weil auch der Austausch nach dem offiziellen Teil wichtig ist“, informiert Bianca Frieß, Pressesprecherin der VR-Bank Ostalb. Sollte eine Präsenzveranstaltung coronabedingt nicht möglich sein, werde der Empfang später ins erste Halbjahr hinein verlegt. Im Mittelpunkt stehe ein Blick auf die VR-Bank Ostalb und auf aktuelle Themen aus der Finanzwirtschaft. „Wir freuen uns, dass OB Frederick Brütting sein Kommen bereits zugesagt hat und Einblicke in regionale und kommunale Themen geben wird“, sagt Bianca Frieß. In den Empfang eingebettet sei diesmal ein neues Format: eine Podiumsdiskussion mit Persönlichkeiten der Region zu einem aktuellen Thema. Auf keinen Fall jedoch wolle die VR-Bank Ostalb diese Tradition sterben lassen. Frieß: „Der Jahresempfang ist eine Plattform zum Austausch in, um und für die Region und wird als solcher fortgeführt.“

Die Neujahrsempfänge in Unterkochen mit prominenten Rednern und geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – dieses Format ist bereits seit 2015 Geschichte. Ortsvorsteherin Heidi Matzik hatte mit der Tradition ihres Vorgängers Karl Maier gebrochen. Statt illustrer Rederunde kamen bei ihr aktuelle Unterkochener Themen auf den Tisch. Den für sie als Ortsvorsteherin letzten Empfang im Jahr 2021 musste sie aufgrund der Corona-Krise absagen. Dieselbe Entscheidung hat ihr Amtsnachfolger Florian Stütz für 2022 getroffen, „in Rücksprache mit dem Bezirksamt“. Aus Gründen der Sicherheit, „wegen Omikron ist die Lage zu unsicher“. Sobald Corona es zulasse, solle es wieder einen Jahresempfang in Präsenz geben. „Aber nicht im Sommer. Und nicht vor nächstem Jahr.“

In Neresheim und seinen Teilorten sind alle Neujahrsempfänge abgesagt – wie auch schon im vergangenen Jahr. Von einem Nachholtermin in den Sommermonaten hält Bürgermeister Thomas Häfele nichts. „Das würde dann mit unseren vielen Sommer-Aktionen konkurrieren.“ Die Entscheidung sei bereits im Oktober 2021 gefallen. „Nachdem die Infektionszahlen wieder deutlich angestiegen waren, haben wir mit dem veranstaltenden Handels- und Gewerbeverein gesprochen.“ Übereinstimmend habe man entschieden, Weihnachtsmarkt und Neujahrsempfang abzusagen. Häfele: „Jetzt schauen wir auf 2023 und hoffen, dass dann der Jahresauftakt wieder ohne Probleme stattfinden kann.“

Der Neujahrsempfang der Stadt Oberkochen sollte ursprünglich am 9. Januar stattfinden. Wie Neresheim, hat sich aber auch Oberkochen aufgrund der steigenden Corona-Zahlen bereits im Herbst für eine komplette Absage in diesem Jahr entschieden. Auch in Oberkochen hofft man nun auf 2023.

Ein Neujahrsempfang ist ein besonderer Empfang, der jährlich Anfang des Jahres stattfindet. Ausrichter sind etwa Städte, große Wirtschaftsunternehmen, Banken, Verbände und Vereine. Für die geladenen Teilnehmer eine gute Gelegenheit, sich bei Gesprächen mit Gleichgesinnten zu vernetzen, wirtschaftliche Kontakte zu knüpfen und zu festigen.

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