Jan Böhmermann nimmt die Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp aufs Korn

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Jan Böhmermann hat Margit Stumpps Wikipedia-Eintrag in seiner Sendung thematisiert. Foto ZDF/Ben Knabe
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In der ZDF-Sendung "Magazin Royale" geht es um den Wikipedia-Eintrag der Politikerin. Ihre Reaktionen dazu.

Margit Stumpp MdB, Bundestagsfraktion Buendnis90/Die Grünen schreibt auch selbst auf ihrem Wikipedia-Eintrag.

"Ich dachte, hoppla. Was ist das jetzt?“

Margit Stumpp, MdB Bündnis90/Die Grünen

Aalen

Nun hat es Margit Stumpp erwischt. Die Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Grüne wurde am vergangenen Freitag bei Jan Böhmermanns „ZDF-Magazin Royale“ zum Thema. Dabei ging es um Einträge im Online-Lexikon „Wikipedia“.

„Bei Wikipedia kann jeder, wirklich jeder, Artikel anlegen, Änderungen einreichen“, so Moderator Böhmermann. Und in dem eigentlich auf Neutralität angelegtem Lexikon auch manipulieren. In diesem Zusammenhang listet er auch Margit Stumpp auf. Denn die Einträge zu ihrer Person seien von der Politikerin selbst geschrieben worden. Und zwar in gehörigen Maße. 72 Prozent des Inhaltes seien direkt von Stumpp unter den Namen „Stumppma“ geschrieben. Darunter der Satz „Stumpp ist Expertin für digitale Infrastruktur“ gleich dreimal.

Margit Stumpp hat die Sendung selbst mit ihrem Mann und ihrer Tochter gesehen. Ohne vorher zu wissen, dass sie darin vorkommt. „Ich dachte, hoppla. Was ist das jetzt?“ Zwar habe sie zuvor eine Anfrage von Netzpolitik.org zum Thema Wikipedia bekommen. Dass diese aber mit dem ZDF in dieser Frage zusammenarbeiten, habe sie nicht gewusst. „Böhmermann verschafft mir zwar Reichweite, aber die Art und Weise, wie er das tut, ist fragwürdig“, so die Bundestagsabgeordnete.

„Stumppma“ ist Margit Stumpp, das bestätigt die Abgeordnete und verweist darauf, dass sie bei Wikipedia, anders als viele andere, ein verifiziertes Benutzerkonto habe. Wer in der Versionshistorie „Stumppma“ anklickt, bekommt ihren vollen Namen geliefert. „Es ist gute Praxis bei Wikipedia, dass dort jeder mitschreiben kann“, so Stumpp. 2019 habe es im Bundestag eine Infoveranstaltung dazu gegeben, wie man seinen Account kontrollieren könne. Den Artikel über sie habe 2017 ein anderer Autor eingestellt, sie habe ihn 2019 um politische Schwerpunkte ergänzt. Schon 2017 habe sie aber erstmals eingegriffen, weil „einiges nicht gestimmt hat, unsauber war“. Hätte sie das stehenlassen, hätte man sie gefragt, warum sie das nicht korrigiere.

Ihren Wikipedia-Eintrag „immer im Blick“ hat auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier. „Es gibt ja Menschen, die mich nicht mögen“, so die Politikerin. Sie selbst habe darauf aber noch nie ein Wort geschrieben. Wenn dort aber falsche oder verleumderische Dinge stehen würden, müsse man aktiv werden. „Das ist ein Medium, wo Menschen sich informieren.“ Manchmal regele sich das durch aktualisierte Beiträge aber auch wieder von alleine.

So wie aktuell bei Margit Stumpp. Seit der Sendung wurde ihr Wikipedia-Eintrag ein dutzend Mal von verschiedenen Autoren verändert. Die Expertin hat ihr danach jemand rausgekürzt, sie selbst diese am Montag wieder eingefügt mit dem Verweis auf Quellen auf ihrer Homepage. „Hahnekleer“ und „Kurator71“ wollten das so nicht stehenlassen, haben wieder gekürzt und erneut zur Diskussion gestellt, ob man sich nun selbst auf Wikipedia „Expertin“ nennen darf oder nicht. „Böhmermann hat ja recht, dass man die Schwarmintelligenz prüfen muss“, sagt Margit Stumpp dazu. Sie aber sei das falsche Beispiel, „weil ich mich genau an die Regeln gehalten habe.“ Sie sei zum einem in der Fraktion für digitale Infrastruktur zuständig, zum anderen aufgrund ihrer beruflichen Laufbahn auch Expertin. Das aber habe der Beitrag unterschlagen.

„Es war ein großes Unverständnis, warum ich jetzt gerade auf diese Art und Weise aufs Korn genommen worden bin“, schildert Margit Stumpp die Reaktionen auf die Böhmermann-Sendung auch in den sozialen Netzwerken. Gleichzeitig habe dieser die Diskussion um Medienkompetenz angestoßen. Das sei gut. Blöd sei, dass sie durch dieses blöde Beispiel so hineingeraten sei.

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