Jeden Sonntag einkaufen?

  • Weitere
    schließen
+
Verkaufsoffene Sonntage könnten wieder mehr Kundschaft in Läden und Geschäfte führen. Allerdings äußern sich viele Stimmen aus Aalen kritisch zum Vorschlag des Handelsverbands. Archivfoto: opo
  • schließen

Der Handelsverband Deutschland äußert den Vorschlag, an jedem verbleibenden Sonntag des Jahres zu verkaufen. Kritische Reaktionen aus Aalen.

Aalen

Geschäfte sollen an jedem verbleibenden Sonntag des laufenden Jahres öffnen können. So der Vorstoß des des Handelsverbands Deutschland. Doch was halten lokale Ansprechpartner vom Vorschlag? Gut und notwendig oder in der Praxis nicht umsetzbar? Die Reaktionen sind kritisch.

Für Dr. Fashion-Chef Uli Riegel sind verkaufsoffene Sonntage an sich keine schlechte Sache. „Dass es den ein oder anderen zusätzlich gibt, ist eine gute Idee. Aber es sollte etwas Besonderes bleiben“, merkt er an. Für ihn ist es sinnvoller, diese ausgewählten Sonntage zu bestimmen und umzusetzen, anstatt einfach die Anzahl zu erhöhen. Denn hinter einem verkaufsoffenen Sonntag stecke mehr, als nur ein weiterer Tag, an dem verkauft wird. „Der Supermarkt würde es womöglich durchziehen“, sagt Riegel, „aber für die Innenstadthändler ist es schwer umsetzbar“. Es sei zum Beispiel schwierig, sonntags das Personal zu finden. Als Alternative zum Vorstoß des Handelsverbands äußert er die Idee, einzelne Plätze in der Innenstadt besonders zu präsentieren. „Man muss auch hervorheben, was es in der Stadt gibt.“ Die Auswahl in Aalen sei nach wie vor groß, der Anlauf im Handel verlaufe zufriedenstellend. „Die Frage ist, was in den nächsten Wochen passiert“, gibt Riegel zu bedenken.

Auch Aalen-City-aktiv-Vorsitzender Josef Funk sieht den Vorschlag kritisch. Die regulär über das Jahr verteilten verkaufsoffenen Sonntage genügten. Jeden Sonntag zu verkaufen, sprenge die Kapazitäten. „Kleine Betriebe werden das nicht schaffen“, sagt Funk, „da können wir die Öffnungszeiten nicht ausweiten“. Auch er sieht die Probleme zum Beispiel beim Personal. Denn in Fachgeschäften brauche es qualifiziertes Personal. Funk resümiert: „Ich halte wirklich nichts davon. Das ist gar nicht machbar.“ Aber fügt auch hinzu: „Ich werde vielleicht nicht jedem Händler aus der Seele sprechen. Es ist meine Meinung.“ Eine Alternative wäre für ihn ein regelmäßiger Abend mit verlängerten Öffnungszeiten, begleitet seitens der Stadt mit Musik und Kultur.

Ein weiterer Grund, warum Funk wenig vom Vorschlag hält, ist die Bedeutung des Sonntags als arbeitsfreier Tag. Ob beruflich, familiär oder kirchlich: „Der Sonntag ist in Deutschland ein Ruhetag.“ Diesem Punkt schließt sich Pfarrer Bernhard Richter von der evangelischen Kirchengemeinde an. Zunächst betont er allerdings, dass man die langen Schließungen und die damit verbundenen Verluste der Händlerinnen und Händler nicht verschweigen dürfe. „Ich frage mich allerdings, wem denn gedient sein soll, wenn an jedem Sonntag alle Geschäfte offen sind“, sagt er. Richter fragt sich, ob Verkäuferinnen und Verkäufer nicht ebenfalls einen Ruhetag bräuchten oder ob sich dadurch das Einkaufsverhalten ändern würde. „Ist es nicht so, dass wir dann vielleicht sonntags einkaufen, montags dann aber nicht mehr oder müssen nicht gerade durch Corona auch viele Kunden genau rechnen, ob sie finanziell auch klar kommen im Laufe eines langen Monates?“

Darüber hinaus mache ein Ruhetag Sinn. „Ist es nicht trostlos, wenn jeder Tag ein gleicher Werktag ist?“ Er empfinde den Sonntag, auch im biblischen Sinne, als Möglichkeit, Kraft zu tanken und sich auf die Herausforderungen der neuen Woche vorzubereiten. Die Anzahl verkaufsoffener Sonntage dürften nicht „unendlich erweitert werden“. Denn sonst verliere der Sonntag seine Bedeutung. Die Öffnungszeiten an jedem Tag, außer an Sonntagen genügten. „Da ist es doch wohltuend, wenn es einen Sonntag, einen Ruhetag gibt.“

Seitens der katholischen Kirchengemeinde war trotz mehrfacher Nachfrage bis zum Abend keine Stellungnahme erhältlich.

Für die Innenstadthändler ist es schwer umsetzbar.“

Uli Riegel, Geschäftsführer Dr. Fashion

„Sonntagsshopping darf kein Tabu sein“

„Längst nicht mehr zeitgemäß“ sind Schließungen am Sonntag für Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland. Die Öffnungen sollen den Handel wiederbeleben. Das volle Statement lesen Sie auf www.einzelhandel.de

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL