Jetzt spricht der Frühlingsfestmacher

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In einem Jahr ein Riesenrad, im anderen Jahr die Hochseiltruppe Gebrüder Weisheit: Der seitherige Frühlingsfestveranstalter Georg Löwenthal hat jährlich neue Attraktionen auf dem Greutplatz geholt. Archivfotos: opo
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Warum der Essinger Event-Unternehmer Georg Löwenthal jetzt mit der Familientradition bricht, die 1948 mit seinem Schwiegervater Erich Grund begonnen hat.

Aalen

Schluss mit lustig: Georg Löwenthal, Organisator und Macher des Aalener Frühlingsfestes im Greut, hat die Reißleine gezogen. Ab 2021 wird es kein Aalener Frühlingsfest mehr unter seiner Ägide geben. Inzwischen hat die Stadt Aalen die Veranstaltung neu ausgeschrieben und sie neu vergeben an die P&L Event GmbH mit Sitz im fränkischen Bechhofen, eine Tochterfirma des Festzeltbetriebs Papert.

Der Rückzug Löwenthals kommt überraschend, zumal er städtischer Vertragspartner bis einschließlich 2021 gewesen wäre. Das Volksfest im Greut wird alle drei Jahre neu ausgeschrieben. Und seit 2004 hatte sich der Essinger Unternehmer regelmäßig darum beworben und auch immer wieder neu den Zuschlag erhalten.

Jetzt bricht Löwenthal mit der Familientradition, die 1948 unter seinem Schwiegervater Erich Grund ihren Anfang genommen hat. Grund hat das erste Aalener Frühlingsfest auf dem damaligen Mühlplatz ins Leben gerufen. 2004 zog er sich als Veranstalter des Frühlingsfestes zurück.

Was ist der Grund für diesen Schnitt? "Unter den aktuellen Vorgaben müsste ich im nächsten Jahr als Veranstalter des Frühlingsfestes draufzahlen." Georg Löwenthal hat während der vergangenen Monate viel Zeit gehabt zu rechnen und zu überlegen. Denn: Seit Anfang dieses Jahres ist er arbeitslos, die letzten Einnahmen hat er als privater Veranstalter des Aalener Weihnachtslands im Dezember 2019 generiert. Das traditionelle Aalener Frühlingsfest im April dieses Jahres musste wegen des Lockdowns abgesagt werden, ebenso wie alle anderen Volksfeste im Land, an denen der Unternehmer als Schausteller beteiligt gewesen wäre.

Unter den aktuellen Vorgaben müsste ich erheblich draufzahlen.

Georg Löwenthal Event-Unternehmer

"Vor diesem Hintergrund habe ich mich gefragt: Wie könnte ein Frühlingsfest 2021 aussehen? Ist dann die Pandemie schon vorbei? Wenn nicht – wie viele Personen dürfen gleichzeitig auf den Festplatz? Muss das Gelände umzäunt werden? Brauchen wir ein Hygienekonzept und auch mehr Sicherheitspersonal?" Diesen coronabedingten Mehraufwand müsste Löwenthal dann an Firmen vergeben. "Das wäre für mich ein erheblicher zusätzlicher Kostenfaktor ", stellt er klar.

Wie teuer das werden kann, habe er bei seinem Bruder gesehen, der den Allgäu Skyline Freizeitpark betreibt. Nur durch die Hygienevorschriften seien dort allein während der Pfingstferien 8400 Euro Mehrkosten angefallen. "Das Frühlingsfest in Aalen ist gewiss kleiner. Aber wenn man nur 20 Prozent dieser Mehrkosten annimmt, wäre das schon eine hohe Zahl."

Hinzu kommen weitere unwägbare Risiken: Für Security, Toilettenvermieter, Feuerwerker und Zaunaufsteller seien üblicherweise 20 Prozent Anzahlung bei Auftragsbesiegelung zu leisten. Löwenthal: "Für das diesjährige Frühlingsfest war alles unter Dach und Fach, dann kam der Lockdown." Löwenthal musste alle Aufträge kündigen, blieb aber auf seiner Anzahlung sitzen. Theoretisch hätte Löwenthal Wege finden können, das Geld zurückzufordern. "Ich hätte alles über den Staat abwickeln müssen. Aber nach zum Teil 30-jähriger Zusammenarbeit mit den Firmen wäre das keine schöne Geste gewesen."

Nein, diesen Ritt auf der Rasierklinge will sich der 59-Jährige nicht mehr antun. Mit der Stadt, so betont er, habe er sich im Guten geeinigt.

Christian Papert macht's

Aalen. Löwenthals Nachfolger als Veranstalter des Aalener Frühlingsfestes ist die P&L Event GmbH, eine Tochterfirma des Festzeltbetriebs Papert. Papert ist in Aalen kein Unbekannter. Bis 2012 hatte er das Bierzelt auf dem Frühlingsfest. "Wir haben uns damals nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus terminlichen Gründen zurückgezogen", betont Geschäftsführer Christian Papert. Hintergrund: Weil der Termin des Aalener Frühlingsfestes damals mit anderen großen Volksfesten kollidierte, wünschte Papert eine Verlegung des Aalener Rummels, "was aber nicht durchsetzbar war". Als mittelständisches Unternehmen mit über 100 Mitarbeitern in der Hochphase gibt Papert vor, flexibel auf die jeweiligen Bedürfnisse reagieren zu können. Zumal in diesen Corona-Zeiten noch nicht sicher ist, wie ein Aalener Frühlingsfest 2021 überhaupt aussehen könnte. Papert: "Wir können unsere Angebote auf jeden Fall entsprechend anpassen – ob mit Festzelt oder nur einer Festzeltküche und einem Speiseangebot im Freien." Was unter Corona-Bedingungen machbar ist, habe Papert in diesem Jahr beim "Sommer in der Stadt" in Marktheidenfeld am Main bewiesen mit einem Bier- und Weingarten. "Wir haben ein Küchenzelt aufgestellt, in dem die Besucher Schweinebraten, Göggele, Haxn und Schnitzel holen und dann unter freiem Himmel verspeisen konnten." Als Termin für das Frühlingsfest 2021 peilt Papert die letzte Aprilwoche an. "Auf jeden Fall die Zeit nach den großen Volksfesten in Augsburg und Nürnberg", sagt er. UW

Georg Löwenthal
In einem Jahr ein Riesenrad, im anderen Jahr die Hochseiltruppe Gebrüder Weisheit: Der seitherige Frühlingsfestveranstalter Georg Löwenthal hat jährlich neue Attraktionen auf dem Greutplatz geholt. Archivfotos: opo
Christian Papert

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