Jugend wünscht sich mehr Vertrauen

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Der einzige Ort, an dem das Skaten in Aalen offiziell erlaubt ist, ist der Skatepark an der Alten Heidenheimer Straße, hinter den Werkstätten. Und der ist nur bei gutem Wetter benutzbar, weil kein Dach drüber ist.
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Die Aalener Szene wächst: Skateboardfahren ist wieder in. Doch der Jugend fehlen Anlaufstellen für die Freizeitgestaltung.

Aalen

Es ist das dumpfe Grollen von Rollen auf Asphalt, das krachende Kratzen von Holz auf Beton und Metall. Hin und wieder rattert ein Zug vorbei. Es ist ein sonniger Nachmittag am Skatepark in Aalen. Fleißig üben ein paar Skater ihre Tricks. „Ein paar sind auch oben am SG“, sagt einer.

Das SG (Schubart-Gymnasium) ist nur einer von einigen Spots, an denen sich die Szene trifft und ihrem Sport nachgeht. Auch wenn es für sie mehr ist als das. „Es ist mehr Lifestyle als Sport“, sagt Tobias Holzinger bestimmt. Der Aalener skatet selbst schon lange, kennt die Spots in der Stadt und der Umgebung. Die Aalener Skate-Szene schätzt er zurzeit auf etwa rund 100 aktive Skater – man trifft sich, man kennt sich. In den letzten paar Jahren ist die Szene gewachsen, seit der Pandemie noch ein bisschen mehr. „Das Schöne ist, hier sind alle von acht bis 40 Jahre alt, da gibt es keine Altersgrenze“, sagt Jakob Arold, dessen Brett am Metallzaun lehnt, auf den er sich stützt.

Der einzige Ort, an dem Skaten in Aalen offiziell erlaubt ist, ist der Skatepark an der Alten Heidenheimer Straße, hinter den Werkstätten. Und der ist nur bei gutem Wetter benutzbar, weil kein Dach drüber ist. Mit dem Park sind die Aalener Skater größtenteils zufrieden, besser ginge aber doch. Vieles ist Geschmackssache, einige fahren lieber nach Heubach, andere in die Schorndorfer Skatehalle. Die hat jetzt allerdings wegen der Pandemie geschlossen. „Es wäre besser, man würde den Park nach hinten verlegen“, Holzinger zeigt auf den Parkplatz am Ende des Fußweges, während er, sitzend auf seinem Board, hin und her rollt. „Die Fläche ist breiter, da hätten wir einfach mehr Platz zum Fahren. Mehr Obstacles brauchen wir gar nicht unbedingt.“

Obstacles sind die Elemente, auf denen die Tricks gemacht werden. Aber schmal ist der Park allemal, was immer wieder deutlich wird, wenn mehrere Leute auf ihren Boards kreuz und quer unterwegs sind. „Man könnte den Parkplatz doch hier nach vorne verlegen“, meint Holzinger.

Doch wenn man sie nach ihren Wünschen und Vorstellungen fragt, wird ein viel weitreichenderes Problem deutlich: Es fehlt an Anlaufstellen für junge Leute, ein Treffpunkt der Subkulturen. „Wir würden uns einen zentralen, subkulturellen Ort wünschen“, so Arold.

Ein Ort, an dem man seinen Tag verbringen kann. „Man geht hin, um einen Kaffee zu trinken und geht erst Stunden später wieder nach Hause.“ Und das kann und soll auch übers Skaten hinausgehen. Es könnte ein Ort sein, an dem sich jeder mit seinen Fähigkeiten einbringen und diese weitergeben kann. Ein Ort, an dem Jugendliche beschäftigt sind, an dem sie Verantwortung übernehmen müssen. Eine Multifunktionsfläche für alle möglichen Interessen, ein selbstverwaltetes Kulturzentrum.

Doch es fehlt die Lobby, die Stimme, der Verein, die Selbstbestimmtheit, die Verantwortung, das Vertrauen von offizieller Seite. „Viele meiner Bekannten haben Aalen verlassen“, erzählt Arold. „Weil nichts geboten ist und nichts geht. Aber eigentlich ist Aalen cool.“

Arold und Holzinger mögen ihre Heimat, schätzen vor allem die Innenstadt mit der abwechslungsreichen Gastronomie und Kneipenkultur, das Städtische und doch heimelige, die Natur drum herum. Mit ihrem Verein Kollektiv K setzen sie sich seit zwei Jahren für Kunst und Kultur der Region ein. Doch ein Manko sei die Anlaufstelle für die Subkultur. „Die Substanz ist da, man muss sie nur vereinen“, so Holzinger. Auch um die Leute für die Zukunft in der Stadt zu halten. Und da denken die beiden auch an die Studenten, die an der Hochschule studieren.

An Ideen mangelt es nicht: Jeder könnte sich einbringen, voneinander lernen, Fähigkeiten und Wissen teilen – in einem Nähkurs, Kunstkursen oder einfach einem Tag, an dem Fahrräder repariert werden…

„Das Schöne ist, hier sind alle von acht bis 40 Jahre alt, da gibt es keine Altersgrenze.“

Jakob Arold, Skater

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