Junge Künstler geben altem Gebäude ein neues Gesicht

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Serie Teil 1: Das kunstvoll bemalte Haus in der Rittergasse 1 – welche Geschichten von Aalen erzählt die Künstlergruppe Kollektiv K?

Aalen

Gegenwart und Vergangenheit auf 200 Quadratmetern Fassade vereint. Das Haus in der Rittergasse 1 ist seit September ein Ort, an dem man die Historie Aalens betrachten kann. Fünf Monate lang hat die Künstlergruppe Kollektiv K dafür gearbeitet, dem 150 Jahre alten Gebäude ein neues Gesicht zu geben. Die Schwäbische Post hat sich mit dem Projektleiter Tobias Kerger ausgetauscht und beleuchtet die Geschichten der insgesamt drei Hausseiten. Heute als Teil eins: die Westseite.

Der Zeitstrahl

Auf dem Gebäudeteil gegenüber der Aalener Kneipe Wunderlich beginnt die Historie Aalens links mit der Jungsteinzeit und einem Erzähler – ein in Beton gegossener Kopf, realisiert von Laszlo Haschka.

Die Strahlen, die aus den Augen des Erzählers kommen, wandern zu einer Zeitlinie – eine Bordüre, die die drei Seiten umschließt und wichtige Ereignisse aufgreift. "So ist die Geschichte von der Vergangenheit in die Zukunft oder anders herum erlebbar", sagt der Projektleiter. Der Erzähler ist eines von mehreren dreidimensionalen Objekten auf der Fassade, denn das Kollektiv hat vielseitige Methoden und Materialien verwendet.

Das Reiterkastell

Auf der Westseite des Hauses sind die Römer, die 150 nach Christus in den Aalener Raum eindrangen, sehr präsent. Zwei Pferdeköpfe, ebenfalls gegossen, umrahmen das 5000 Mosaiksteine schwere Werk, das ein Reiterkastell darstellt – in einer Woche Arbeit wurde das Motiv von Marc Keller und Luka Keresmann zusammengesetzt. "Es zeigt das größte Kastell am rätischen Limes, 1000 Reiter waren dort stationiert", erklärt Kerger, der sich, bevor er das Konzept entwickelte, wochenlang in die Historie der Stadt Aalen einarbeitete.

Auf einem Mäanderband, das um die Kastell-Darstellung liegt, prangen die Buchstaben S, P, Q und R. "Das sind die Hoheitszeichen der Römer, sie waren auf deren Rüstung abgebildet", erläutert Kunststudent Kerger.

Aalens Geschichte ist von der Vergangenheit in die Zukunft oder anders herum erlebbar.

Tobias Kerger Projektleiter für das Haus Rittergasse

Hommage an das Wunderlich

"Man findet sich im Wunderlich." Das bekannte Zitat der Kneipe, die gegenüber in der Rittergasse ihren Sitz hat, ziert das Garagentor des bemalten Hauses. Auf dem Tor prangt ein Motiv zweier Personen, die in einer Taverne sitzen, gemeinsam Wein trinken und Schach spielen. "Als Inspiration diente das alte Wunderlich-Logo mit den zwei Köpfen", erklärt Kerger, der die Hommage entworfen hat und darin gleichzeitig die Lebensweise der Römer beleuchtet, sei es über die Garderobe oder die Speisen.

Kelten und Alamannen

Nicht so sehr präsent sind Kelten und Alamannen. Trotzdem hat ihnen das Kollektiv K zwei Ornamente gewidmet. Das keltische zeigt eine Tierdarstellung, die auf eine kurze Besiedlungsdauer verweist und das alamannische Ornament wurde von Marie Kubitza als Brosche gemalt.

Ein Tier – ein Wahrzeichen

Das Wappentier Aalens, der Aal, darf auf der Fassade nicht fehlen. Auf der Westseite taucht er als Malerei auf einem Fenster auf oder schlängelt sich aus Holz gefertigt, über einer Eingangstüre. Ob Aalens Wappentier auch auf der restlichen Fassade auftaucht, werden Sie, die SchwäPo-Leserinnen und -Leser, in der nächsten Folge der Serie erfahren.

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