Karl Rödter geht neue Wege

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Karl "Carlo" Rödter vor seinem Geschäft in der Spitalstraße. Den Betrieb gibt es seit 111 Jahren, schon Karl Rödters Vater und sein Großvater waren Messerschmiede.

Der 60-jährige Messerschmied legt Laden und Werkstatt zusammen. Welche Pläne er für die nächsten Jahre noch verfolgt.

Aalen

Es hat schon lange in ihm rumort. Jahrelang. Und jetzt ist es soweit, der Entschluss ist gefasst. Karl "Carlo" Rödter steht in seinem Verkaufsladen Messer Rödter in der Spitalstraße. Eine Wand ist kahl, Schränke halb ausgeräumt. "Ich möchte mir das Leben leichter machen", erklärt der 60-Jährige und meint damit nicht, dass er seinen Betrieb schließen möchte. Nein. Ein neues Konzept, das ist es, was Aalens letzten Messerschmied bereits lange umtreibt. Die Werkstatt, aktuell in der Friedrichstraße, soll mit dem Warengeschäft zusammengelegt werden. Ändern wird sich dadurch einiges.

Carlo Rödter streicht über ein Messer, dass er aus einer Vitrine geholt hat. Wie sein Vater und Großvater ist er Messerschmied – den Betrieb gibt es seit 111 Jahren. War sein Gewerbe bisher an zwei Standorten zuhause, gibt es ab 2021 Messer Rödter nur noch in der Spitalstraße.

"Ich habe einen Nachfolger gesucht, aber keinen gefunden", gibt er zu. Doch anstatt den Laden dichtzumachen, möchte er den Fokus schärfen: Qualität statt Quantität. Das Sortiment wird reduziert, Pokale, Dart und Billard plus Zubehör und Jägerbedarf sind ab jetzt im Abverkauf im Laden zu finden. "Ich möchte zu den Wurzeln zurück", erklärt Rödter. Seine Augen leuchten, als er das Messer in der Hand wiegt, denn zur neuen Philosophie gehört auch, dass er wieder verstärkt auf die eigene Produktion setzt, individuelle Taschen- und Outdoormesser anbietet. Dabei setzt er auch nachhaltige Baustoffe und Klingen, die langlebig sind.

Schleifmaschine bleibt

Ich möchte mir das Leben leichter machen.

Karl "Carlo" Rödter Messerschmied

Aber keine Sorge, Schleifarbeiten für Messer jeglicher Art und Gartengeräte wird es weiterhin geben, denn die Schleifmaschine wird ebenfalls in der Spitalstraße stehen. Auch vor einer temporären Ladenschließung müssen sich die Kunden nicht sorgen. "Der Umbau wird nebenher gemacht" – so stehen Weihnachts- und Silvesterverkauf nichts im Wege. Allerdings: Die Öffnungszeiten werden reduziert – da Rödter ab dem neuen Jahr ein Einmannbetrieb sein wird, sei das nötig.

Karl Rödter wendet sich der Wand ohne Tapete zu. In den hinteren Teil des Ladens kommt die Werkstatt, die dann durch eine Glastüre den Verkaufsbereich von der Werkstatt trennt. Auch der Bodenbelag soll erneuert werden und das Schaufenster geöffnet, damit man hineinschauen kann. Insgesamt will sich Messer Rödter so reduzierter und moderner präsentieren.

"Viele fragen mich, ob sich das mit 60 noch lohnt, umzustrukturieren, aber ich möchte die Rente nicht auf dem Sofa verbringen", betont Karl Rödter. Dann legt er das Messer in die Vitrine zurück und macht sich an die Arbeit, damit das Rumoren ein Ende hat.

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