Keine Reichsstädter Tage – was dann?

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Das traditionelle Aalener Stadtfest ist unter der Einhaltung der Corona-Richtlinien in diesem Jahr nicht denkbar. Welche Alternativen OB Thilo Rentschler vorschlägt und was die Vereine meinen.

Aalen

Müssen die Reichsstädter Tage in diesem Jahr coronabedingt ins Wasser fallen? Darauf gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine eindeutige Antwort. Klar ist nur: Das traditionelle Stadtfest, wie man es kennt, wird es in dieser Form in diesem Jahr nicht geben.

Nach dem von der Regierung verordneten "Aus" für Großveranstaltungen – vorläufig bis zum 31. August dieses Jahres – mussten viele Aalener Feste bereits gestrichen werden: darunter das Internationale Festival, die Kulinarische Meile, die Wasseralfinger Tage und die Bärentage Unterkochen.

Indes: Gegen eine kategorische Streichung der Reichsstädter Tage, die üblicherweise am zweiten Septemberwochenende stattfinden, wehren sich die Stadtverwaltung und Teile des Gemeinderats. "Mir liegt eine lebendige Stadt, mir liegen Handel, Vereine und Bürgerschaft am Herzen", betont OB Thilo Rentschler, der gerade in menschlichen Begegnungen einen wichtigen Faktor für eine funktionierende Gesellschaft sieht. "Dieser Austausch muss auch unter Corona-Bedingungen wieder möglich sein."

Fakt ist auch: Am Aalener Stadtfest hängen viele und große Aalener Vereine, die am Festwochenende mit dem Verkauf von Kässpätzle, Schaschlik & Co. wesentliche und notwendige Einnahmen für ihren Verein, für Jugendarbeit und Infrastruktur generieren.

"Für uns ist das Stadtfest ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor", bestätigt Achim Pfeifer, Vorsitzender der TSG-Hofherrnweiler. "Wenn es ein städtisches Konzept geben sollte, mit dem ein solches Fest unter Berücksichtigung der Abstandsregeln und Hygienevorschriften machbar wäre, spricht für uns nichts gegen eine solche Veranstaltung", fügt er hinzu. Auch die Aalener Sportallianz wäre unter dieser Voraussetzung dabei, signalisiert Karl-Heinz Vandrey. "Die Details muss man noch klären. Aber wir sind prinzipiell sehr positiv gestimmt." Ähnliche Signale kamen laut Rentschler beim jüngsten gemeinsamen Treffen am Montagabend auch von der Aalener Fasnachtszunft und vom Städtepartnerschaftsverein.

Mit diesem Rückenwind hat der städtische Zeremonienmeister Dr. Roland Schurig in Absprache mit dem Ordnungsamt nun zwei "coronataugliche" Alternativen zum Stadtfest erarbeitet, die Rentschler an diesem Mittwoch den Gemeinderäten in der öffentlichen Sitzung des Kultur-, Bildungs- und Finanzausschusses vorstellen will:

Mir liegt eine lebendige Stadt am Herzen.

Thilo Rentschler Oberbürgermeister

Ein Kultur- und Bürgerfest zur Einweihung des Kulturbahnhofs samt Eröffnung von Musikschule, Theater, Programmkino und Veranstaltungssaal auf dem Stadtoval. Angedacht wären mehrere Aktionstage im Zeitraum zwischen dem 25. September und 3./4. Oktober. "Man könnte Vereine mit ihren kulinarischen Angeboten in diese Veranstaltungsreihe integrieren, ebenso eine lange Einkaufsnacht oder einen verkaufsoffenen Sonntag", schlägt Rentschler vor. Der Vorteil: "Auf dem abgezirkelten Areal des Kulturbahnhofs ließe sich die Besucherzahl gut einschränken."

Ein Dankeschön- und Bürgerfest am traditionellen Reichsstädter-Tage-Wochenende, also vom 12. bis 14. September. "Angesprochen würden insbesondere Ehrenamtliche sowie Mitarbeitende von Hilfsorganisationen und Rettungsdiensten, die in der Hochphase von Corona in Aalen in der ersten Reihe standen", erläutert Rentschler. Er spricht von einer stark erweiterten Begegnungsmeile unter Einbeziehung von Kulturbahnhof, Stadtgarten und Bahnhofsstraße von der SchwäPo bis zum Amtsgericht. "Eventuell sogar mit einem kleinen Bühnenprogramm."

Allerdings betont der OB auch, dass die Entscheidung letztlich am Gemeinderat liegt. Ob dieser sich dann für eine der beiden Alternativen oder für gar keine Veranstaltung aussprechen wird, werde sich in der nächsten öffentlichen Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 25. Juni, zeigen.

Die Fraktionen von CDU und SPD sind für die Alternativvorschläge offen. "Wir müssen wieder einen Weg finden zurück in eine situationsangepasste Normalität", sagt CDU-Fraktionschef Thomas Wagenblast. Und auch SPD-Sprecher Hermann Schludi hat eine klare Meinung: "Eine kategorische Absage wäre das falsche Zeichen. Unter Beachtung aller Corona-Vorschriften spricht nichts dagegen."

Die Grünen sehen das Vorhaben kritisch. Michael Fleischer: "Ein großes Fest an einem Wochenende ist in Corona-Zeiten nicht die geeignete Form. Gebt lieber den Vereinen das Geld", appelliert er an die Stadtverwaltung. Wenn schon, könnte er sich höchstens mit kleineren und besser kontrollierbareren Aktionen anfreunden, die über mehrere Wochen verteilt stattfinden. Thomas Rühl (FW) hält nichts von einer abgespeckten und coronatauglichen Fest-Variante. "Ich denke, dass die Vereine ein Jahr mit Hilfen überstehen können, ohne dass ein solches Fest stattfindet."

Josef Funk, Vorsitzender des Innenstadtmarketingvereins ACA, will sich am ehesten kleinere Aktionsveranstaltungen vorstellen. "Wenn wir in Aalen einen Corona-Hotspot bekämen – das wäre eine Katastrophe!"

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