Kempf: Aalens traditionsreichstes Modehaus

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Das Ehepaar Kempf
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150 Jahre Mode Kempf: Jörg und Christel Kempf führen das 1872 gegründete Aalener Familienunternehmen in der vierten Generation. Eine Erfolgsgeschichte.

Aalen

Es waren die Jahre der Industrialisierung. Die Zeit, als es aus Schloten in und um Aalen mehr und mehr zu rauchen und zu dampfen begonnen hatte: 1872 - in jenem Jahr, als Adolf Palm in Neukochen den Grundstein für die spätere Papierfabrik legte, erwarb der aus dem Schwarzwald stammende Kaufmann Christian Kempf in Aalen das Gebäude Marktplatz 1, (heute Modeeck Kempf), damals Kurz- und Modewarengeschäft Albert Fetzer.

Sehr wahrscheinlich war Christian Kempf mit der noch jungen Eisenbahn ins Spionstädtchen am Kocher gereist. Denn elf Jahre zuvor war die erste Dampflok auf der Linie von Stuttgart-Bad-Cannstatt nach Aalen geschnaubt.

„Aber woher genau mein Urgroßvater kam und was ihn ausgerechnet nach Aalen führte, darüber weiß ich eigentlich nichts“, sagt Jörg Kempf Urenkel des Firmengründers.

Seither sind immerhin 150 Jahre ins Land gegangen. Der heute 79-jährige Firmenchef führt seit 1982 das Modegeschäft in vierter Generation - in den ersten Jahren noch zusammen mit seinem Vater Walter Kempf. Bescheidenheit und Genügsamkeit zählen zu Kempfs Firmenphilosophie. Und darum überlässt er die Feststellung, dass Mode Kempf das älteste heute noch bestehende Modegeschäft in Aalen ist, gerne anderen.

1964 ist der damals 21-jährige Jörg Kempf als gelernter Einzelhandelskaufmann ins elterliche Geschäft eingestiegen, das sich bis 1999 in der Reichsstädter Straße 3 (derzeit noch Orsay-Filiale, bald Only-Filiale) befand. 1890 hatte Urgroßvater Christian Kempf den ersten „Bären“, das Gebäude direkt neben dem Spion-Rathaus erworben.

Es war eine Zeit des Umbruchs, als Jörg Kempf Mitte der 1960er ins elterliche Geschäft kam: Neben dem revolutionären Minirock trugen Frauen auch zum ersten Mal Hosen - die Schlaghose war geboren. Und: Die Geschäfte richteten ihre Verkaufspraxis allmählich auf Selbstbedienung um, auf „Mode zum Anfassen“. „Bis dahin hatten wir noch lange Ladentheken, die Wandregale mit Stoffen waren hinter Glas“, erzählt Jörg Kempf, der im Modegeschäft neben dem Spion-Rathaus aufgewachsen ist. Die Familie wohnte über dem Laden, im zweiten Stock. Im EG gab's Kinderbekleidung, Wäsche und Herrenhemden, im ersten Obergeschoss Damen-Konfektion.“

Als die Kempfs später ihre Wohnung aufgaben, richteten sie im zweiten Obergeschoss den Jeans-Shop ein, der anfangs nur über eine schmale Wendeltreppe zu erreichen war - ein Aufzug wurde später eingebaut.

Das Ladengeschäft am Marktplatz 1, heute Modeeck Kempf, wurde parallel lange Jahre vermietet. „Dort war einmal ein Fahrradgeschäft drin und auch das Nähmaschinengeschäft Eisele“, erzählt Jörg Kempf. Erst viele Jahre später eröffneten die Kempfs hier parallel zum Geschäft in der Reichsstädter Straße ihren SB-Modemarkt mit Ware zu Schnäppchenpreisen.

In den 1990ern allerdings, so Kempf, zeichnete sich ein immer geringerer Verdienst ab im Hauptgeschäft. 1999 war der Entschluss zur Verkleinerung gereift. Kempf Mode zog dorthin zurück, wo alles begonnen hatte: in den Marktplatz 1. Aus „Ch. Kempf Modewaren“ wurde das „Modeeck Kempf“ mit Damenmode auf einer Verkaufsfläche von nur etwas mehr als 50 Quadratmetern.

Hier managt von Anbeginn an Elli Kirsch den Laden, unterstützt von Michelle Kirchvogel. Das Duo wird ergänzt von Änderungsschneiderin Alwine Haas. Firmenchef Jörg Kempf hält sich im Hintergrund, schreibt im Büro über dem Laden Etiketten und Rechnungen, zeichnet die Ware aus. Zur Wahrheit gehört: Vor allem die Stammkundschaft hält den Laden am Laufen. „Die Kundinnen schätzen bei uns persönliche Gespräche und Beratung bei einer Tasse Kaffee.“ Regelmäßig verabredeten sich manche auch zu einem kleinen gemeinsamen Einkaufstreff im Modeeck. „Das ist das, was unser kleines Geschäft ausmacht“, sagt Kempf. „Sonst hätten wir wahrscheinlich keine Chance mehr gegen unsere großen Mitbewerber und den Online-Handel.“

Obwohl der Firmenchef ohne Nachkommen ist und das Rentenalter längst erreicht hat: Aufhören ist für ihn keine Option. Der Laden ist sein Leben. „Ich glaube, ich werde einmal mit den Füßen nach vorne aus dem Laden getragen werden“, stellt er fest, mit einem leisen Lächeln auf den Lippen.

150 Jahre Mode Kempf: Das Jubiläum wird gefeiert vom 11. Mai bis 25 Mai. Ohne Festreden. „Dafür mit 20-Prozent-Rabatten auf jeden Einkauf“, verspricht Firmenchef Jörg Kempf.

Die Kunden schätzen bei uns persönliche Gespräche und Beratung.“

Jörg Kempf, Firmenchef
Modewaren Kempf
Werbeanzeigen von 1911
Firmenchef Jörg Kempf mit seiner Frau Christel (vorne mit grünem Pulli) und seinen Mitarbeiterinnen Elli Kirsch, Michelle Kirchvogel und Alwine Haas.
Gründer Christian Kempf als Gemälde
Am heutigen Standort des Modeeck Kempf, Marktplatz 1, begann die Firmengeschichte des Modehauses vor 150 Jahren.

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